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Basketballstar Dirk Nowitzki : Auf dem Weg zur Legende

  • -Aktualisiert am

Der einzige Star mit Kultstatus, der noch immer auf Kultniveau spielt: Dirk Nowitzki ist jetzt 36, aber noch längst nicht müde Bild: WITTERS

Dirk Nowitzki will noch drei Jahre in Dallas spielen. Dabei verzichtet der Basketballstar auf viel Geld. Mit dieser Geste stellt er einen absoluten NBA-Rekord auf, den so schnell niemand brechen wird.

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          Irgendwann gegen Ende der vergangenen Saison ist Dirk Nowitzki auf einem ganz besonderen Platz im Firmament der besten Basketballer der Welt gelandet. Da schob er sich auf einer der Bestenlisten der nordamerikanischen Profiliga NBA um einen weiteren Rang nach oben und genoss den Augenblick - auf seine Art. „Top Ten - das ist einfach surreal“, sagte er, nachdem er den zehnten Platz der besten Korbschützen in der Geschichte der NBA erreicht hatte. In Zahlen lautet der Zwischenstand: 26.786 Punkte. Dabei wird es nicht bleiben. Denn obwohl der Mann aus Würzburg schon 36 Jahre alt ist, hat er noch viel vor.

          An diesem Dienstag (Ortszeit) startet die neue Saison. Nowitzki und seine Dallas Mavericks treten bei Meister San Antonio Spurs an. Dann wird der Deutsche damit beginnen, die Marke Spiel um Spiel weiter nach oben zu treiben. Und auch wenn er nicht alle neun Basketballer einholen wird, die noch vor ihm stehen - nicht Kareem Abdula Jabbar und nicht Michael Jordan und vermutlich auch nicht Kobe Bryant -, dürfte er sicher noch ein paar übertrumpfen.

          Auf welchem Rang er tatsächlich angekommen sein wird, wenn er eines Tages Schluss macht mit dem Sport, ist allerdings eher eine Frage für die statistikverliebten Anhänger. Für Leute, die alles und jeden Aspekt der Magie einer so schnellen Sportart herunterbrechen wollen auf ein paar aussagekräftige Daten. Es ist nichts, was Nowitzki beschäftigt, den Vater einer noch sehr jungen Tochter. Er will allenfalls erst in ferner Zukunft über das Erreichte nachdenken. Wenn seine Enkel neugierig werden und er ihnen Geschichten aus seinem Leben erzählt.

          „Ich glaube, ich will wieder nach Hause“

          Ohnehin verstellt die Fixierung auf Listen und Zahlen den Blick auf das eigentliche Phänomen. Denn Nowitzki dürfte mit seinen mittlerweile 36 Jahren schon über seinen sportlichen Zenit hinaus sein. Aber seine Popularität steigt beständig. Vor allem in den Vereinigten Staaten, wo er als Europäer lange eher belächelt und als zu weich gehänselt wurde. Eine Vorschau auf die kommende Spielzeit auf der Website des Fernsehsenders CBS gab das in einem einzigen Satz sehr gut wieder: „Dirk ist der einzige Star mit Kultstatus, der noch immer auf einem kultigen Niveau spielt.“ Mit anderen Worten: Der Mann ist auf dem Weg zur Legende.

          1998 fing Nowitzki bei den Mavericks an

          Einen Eindruck davon konnte man im vergangenen Monat in Köln erleben, bei der Premiere des Dokumentarfilms „Nowitzki - der perfekte Wurf“. Da waren aus den Vereinigten Staaten nicht nur Mavericks-Trainer Rick Carlisle angereist, sondern eine ganze Reihe ehemaliger und gegenwärtiger Mitspieler. Das Aufgebot zeigte, welchen Stellenwert Nowitzki hat. Und welche Sympathien er genießt. Was Nowitzki übrigens nicht für selbstverständlich hält. Dass so viele Weggefährten auf eigene Kosten nach Deutschland gekommen waren, um ihm die Ehre zu erweisen, empfand er als etwas ganz Besonderes. „Das hat mir viel bedeutet“, sagte er.

          Das passt zu seiner zurückhaltenden und selbstkritischen Art und zu jenem Blick auf den Sport, den Nowitzki seit seinem Aufbruch im Juni 1998 nach Dallas zu den Mavericks an den Tag legt. Schon damals beschäftigten ihn, den Jungen mit dem eigenwillige Mittelscheitel und dem Ring im linken Ohr, allzu pessimistische Gedanken über die Grenzen seiner spielerischen Mittel. Anstatt davon zu träumen, was aus jemandem mit seinem Potential werden könne, war ihm eher danach, das Projekt NBA aufzugeben. Don Nelson, damaliger Manager und Cheftrainer, der auf das junge Talent aus Deutschland gesetzt hatte, musste ihn häufiger wieder aufrichten. „Er ist zu mir gekommen und hat gesagt: ,Ich glaube, ich will wieder nach Hause‘“, erzählt Nelson im Film.

          Nowitzki hat den Verein aufgebaut

          Es kam dann doch ganz anders. Und sein Zuhause wurde dieses fremde Dallas. Wurde ein Klub, in dem seit seiner Ankunft, außer ihm, so gut wie alle Leute mindestens einmal ausgewechselt wurden - egal ob Eigentümer, Teammanager, Trainer oder Spieler. Nowitzki kam gar nicht auf die Idee, sich zu verabschieden. Nicht mal vor ein paar Monaten, als es um ganz viel Geld ging.

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