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Rekord über 400 Meter Hürden : „Diese Zeit hat mich umgehauen“

So schnell wie keine Frau zuvor meistert Dalilah Muhammad die 400 Meter Hürden bei den Leichtathletik Trials im amerikanischen Des Moines. Bild: dpa

Olympiasiegerin Dalilah Muhammad fühlt sich bei den Leichtathletik-Trials als Außenseiterin. Über 400 Meter Hürden trumpft sie dennoch groß auf – und nimmt bereits die nächste Bestmarke ins Visier.

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          „Ich bin geschockt“, stieß Dalilah Muhammad im Ziel hervor. „Diese Zeit hat mich umgehauen.“ Schließlich blieb es beim Weltrekord, als die 52,17 Sekunden für ihre 400 Meter Hürden, die zunächst angezeigt worden waren bei ihrem Sieg am letzten Abend der amerikanischen Trials in Des Moines, auf 52,20 korrigiert waren. Sechzehn Jahre lang hatte die Bestzeit bei 52,34 Sekunden gestanden, gelaufen von der russischen Doppel-Weltmeisterin von Helsinki 2005, Julija Petschonkina. Am Sonntagabend traten nun gleich drei Frauen an, die in der Lage scheinen, die Stadionrunde mitsamt zehn Hürden noch viel schneller, nämlich in weniger als 52 Sekunden, hinter sich zu bringen – die vierte, Weltmeisterin Kori Carter, verzichtete am Sonntag (Ortszeit) auf den Start, da sie als Titelverteidigerin für die Weltmeisterschaft Ende September in Doha eine Wildcard hat.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Das ist erst der Anfang“, prognostizierte die 29 Jahre alte Dalilah Muhammad kurz nach ihrem Sieg. „51 Sekunden sind möglich; wenn auch nicht unbedingt von mir. Wir sind alle so dicht dran.“ Die 19 Jahre alte Sydney McLaughlin war bis Sonntag mit 53,32 Sekunden die Schnellste des Jahres gewesen, lief im vergangenen Jahr 52,75 Sekunden und besiegte die zehn Jahre ältere Dalilah Muhammad beim Diamond-League-Sportfest von Oslo in diesem Jahr, ihrem ersten gemeinsamen Rennen seit zwei Jahren. Als größtes Talent der amerikanischen Leichtathletik gelobt, sprach die junge Läuferin bereits davon, wie sie sich das Rennen einteilen müsste für den Weltrekord. Nun erreichte sie mit 52,88 Sekunden Platz zwei vor Ashley Spencer (53,11). Shamier Little, die viertschnellste Hürdenläuferin der Geschichte, verpasste die Qualifikation zur WM, weil sie in 53,91 Sekunden knapp zwei Zehntelsekunden über ihrer Bestzeit von 53,73 blieb. „Wenn das Feld so gut ist“, sagte die Siegerin später, „kannst du dir kein schlechtes Rennen erlauben.“

          Sechzehn Jahre lang stand der Weltrekord über 400 Meter Hürden bei 52,34 Sekunden – dann meisterte Dalilah Muhammad die Strecke in 52,20 Sekunden.

          In den Minuten nach ihrem Weltrekord gab es ein merkwürdiges Hin und Her, entsprechend ihrer Disziplin vielleicht eher ein Auf und Ab an Einschätzungen, Erinnerungen und Aussichten. Sie habe sich als Underdog gefühlt in diesem Rennen um die Olympia-Qualifikation, erzählte die Frau, die vor drei Jahren die Trials gewann, als haushohe Favoritin in Rio de Janeiro antrat und mit vier Zehntelsekunden Vorsprung Olympiasiegerin wurde. Diese Bescheidenheit sei ein Vorteil gewesen, denn sie habe sie motiviert und zu harter Arbeit angehalten. Den Höhenflug der jungen Konkurrentin und vermutlich auch Platz zwei bei der Weltmeisterschaft von London 2017 nahm sie als Warnung vor überraschenden Niederlagen.

          Im gleichen Atemzug erzählte sie, dass Trainer Lawrence Johnson sie mit der riskanten Maßgabe ins Rennen geschickt hatte, schon auf der ersten Geraden alles zu geben und den Weltrekord anzugreifen. „Im Training über acht und über neun Hürden war ich immer in Weltrekord-Zeit oder drunter“, sagte sie. „Dieses Wochenende hatte ich den Weltrekord im Hinterkopf.“ Auf den letzten vierzig Metern hatte sie zudem die Stimme von Lawrence Johnson im Ohr, im antrainierten Bewegungsmuster zu bleiben und die Arme unten zu halten: „Execute!“ Ihre bisherige Bestzeit, von 2017, stand bei 52,64 Sekunden.

          Vierzehn Tage vor dem Weltrekord von Des Moines hatte Dalilah Muhammad, Tochter einer Spezialistin für Kinderschutz und eines Gefängnisgeistlichen und Dozenten für islamische Studien aus New York, einen bösen Schlag auf den Schädel erhalten. Im Training, nicht über die Hürden, sondern bei einem Lauf auf der flachen Bahn, stolperte sie, stürzte und zog sich eine leichte Gehirnerschütterung zu. Vielleicht waren die drei Tage Pause, die folgten, das Geheimnis des Erfolges. Noch dazu war die Bahn nass vom Regen – wie bei ihrem Olympiasieg von Rio.

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