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Dahlmeiers Kritik an Olympia : „Irgendwie unecht und aufgeblasen“

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Ohne Leistungssport zufrieden mit ihrem entschleunigten Leben: Laura Dahlmeier. Bild: dpa

Wenn Olympia 2022 in den Alpen stattfinden würde, hätte sich Laura Dahlmeier ihren Rücktritt vom Leistungssport überlegt. Aber nach den Erfahrungen von Pyeongchang musste sie sich Peking nicht mehr antun.

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          Es könnte gut sein, dass Laura Dahlmeier noch immer als Biathletin starten würde, wenn die nächsten Winterspiele nicht ausgerechnet nach Peking vergeben worden wären. „Wenn Olympia in Cortina oder irgendwo bei uns in der Alpenregion gewesen wäre, dann hätte ich mir das sicherlich noch mal genauer überlegt. Es hätte die Entscheidung deutlich schwerer gemacht“, sagt die zweimalige Olympiasiegerin im Interview der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

          Vor einem Jahr, am 17. Mai 2019, hatte die siebenmalige Weltmeisterin mit nur 25 Jahren ihren Rücktritt bekannt gegeben. „Ich würde es nicht nur darauf schieben, aber es beeinflusst eine Entscheidung dann doch“, meinte sie über die Peking-Frage. Genau wie Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner hat sich auch Laura Dahlmeier bei Olympia zwar einen Kindheitstraum erfüllt und zweimal Gold gewonnen, aber auch viele negative Erinnerungen gesammelt. Das größte und wichtigste Sportevent der Welt sei eben doch nicht ein Fest für die Sportler, zumindest nicht wenn es so dargeboten wird, wie sie es 2018 in Pyeongchang erlebte. „Olympia ist das Größte, wenn man es von außen betrachtet. Ich habe immer diesen Traum gehabt, und ich bin extrem dankbar, dass es geklappt hat. Aber Olympia ist ganz anders, als man es sich vorstellt. Irgendwie unecht und aufgeblasen.“

          Ändert sie ihre Sicht eines Tages? „Vielleicht wenn ich die Spiele von der anderen Seite beobachten kann und sage, wow, so ein grandioses Sportfest. Dann steigt das auch sicher wieder in meinem Ansehen.“ Ein Jahr nach ihrem Karriereende arbeitet Dahlmeier in Zeiten der Corona-Krise im Homeoffice für ihr Sportstudium, der Leistungssport spielt keine Rolle mehr: „Jetzt habe ich keinen Druck mehr - und genieße das gerade extrem“, sagt sie.

          Wichtig für die Sportstudentin: Raus in die Natur, rauf auf die Berge.
          Wichtig für die Sportstudentin: Raus in die Natur, rauf auf die Berge. : Bild: dpa

          Wie bei allen anderen bestimmt die Corona-Krise auch ihr Leben. Prinzipiell kein allzu großes Problem für die junge Bayerin. Strenge Hygieneregeln sind für Leistungssportler ohnehin üblich. Anders war es bei den Ausgangsbeschränkungen. Sie brauchte ein paar Tage, um das zu akzeptieren. „Ich dachte, ist das real oder wache ich morgens auf und denke, das war alles nur ein Scherz“, erzählt Dahlmeier.

          Gerade jetzt ist ihre Heimat Garmisch-Partenkirchen das „Paradies“. Joggen im Wald, raus in die Berge. „Wenn ich jetzt die ganze Zeit in meiner kleinen Studentenbude in München gewesen wäre, wäre die Zeit um einiges härter gewesen“, gibt Deutschlands „Sportlerin des Jahres“ von 2017 zu. Dahlmeier erlebt wie viele andere auch in der Krise eine neue Solidarität, einen stärkeren Zusammenhalt in der Bevölkerung und der Familie.

          Sie hofft, dass von der Entschleunigung auch in Zukunft etwas bleibt. „Ich würde mir wünschen, dass wir das mit in die Zeit danach nehmen, dass weniger manchmal mehr ist. Nicht, dass es gleich wieder heißt, jeder ballert sich wieder mit Terminen voll und hetzt von einem zum nächsten.“

          Sport wird weiter ihr Leben bestimmen. Vielleicht als erste deutsche Bundestrainerin? „Nein, nein. Ich kann ausschließen, dass ich sofort als Trainerin im Biathlon-Zirkus einsteige“, sagt Dahlmeier lachend: „Aber wie heißt es so schön: Sag niemals nie.“

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