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D'Hont legt nach : „Jan hat Epo genommen“

  • Aktualisiert am

Herr der Epo-Memoiren: Jef D'Hont Bild: REUTERS

Der frühere Team-Telekom-Masseur Jef d'Hont hat seine schweren Doping-Vorwürfe gegen Jan Ullrich bekräftigt: „Jan hat Epo und Wachstumshormone genommen, hundertprozentig sicher.“ Ullrich-Manager Strohband verweigerte dazu jeglichen Kommentar.

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          Die Aufarbeitung der Vergangenheit des Telekom-Teams kommt aus dem Anfangsstadium nicht heraus. Der ehemalige Betreuer Jef d'Hont, dessen Enthüllungsbuch die Welle der wohltemperierten Geständnisse von Fahrern und Ärzten bis zur Verjährungs-Grenze ins Rollen brachte, hat Jan Ullrich erneut schwer belastet. „Jan hat Epo und Wachstumshormone genommen, hundert Prozent“, sagte der Belgier am Dienstagabend in den ARD- „Tagesthemen“.

          Ullrichs Manager Wolfgang Strohband wollte sich am Mittwoch zu d'Honts neuen Vorwürfen gegen seinen Schützling nicht äußern - das selbst auferlegte Schweige-Gelübde des Ullrich-Clans hält noch. Ullrich-Freund Klöden, mittlerweile bei Astana unter Vertrag, und einer der Topfavoriten für die am 7. Juli in London beginnende Tour de France, hat seine Art mit den Nachfragen zum Doping-Problem des Radsports umzugehen. „Andreas ist vor der Tour für niemanden von der Presse mehr zu sprechen“, bestätigte Teamsprecherin Corinne Druey die Abschottungs-Politik des Wahlschweizers.

          Im Dickicht des Doping-Dschungels

          Die Äußerungen des früheren Teammanagers Walter Godefroot stießen indes auf Skepsis. Dessen Pressekonferenz mit bildhafter Symbolik in Gent hatte am Dienstag kaum Erhellendes gebracht. Als der Ex-Manager seine Erklärung zum Thema Doping abgab, saß er vor einem großflächigen Gemälde einer Dschungellandschaft. Doch das Dickicht der Doping-Machenschaften im Radsport konnte oder wollte der Belgier nicht entflechten.

          Seine Behauptung, er habe von Doping-Praktiken in seiner Mannschaft nichts gewusst, nahm ihm kaum jemand ab. „Ein guter Chef sollte wissen, was in seinem Laden vorgeht“, sagte der ehemalige Telekom-Profi und heutige Sportdirektor des T-Mobile- Teams, Rolf Aldag, der am Montag fünf Stunden vom Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden verhört worden war. „Er hat es nicht wissen wollen, ob bewußt oder unbewusst.“ Aldag hatte kürzlich wie sechs weitere Fahrer des damaligen Teams, darunter auch Erik Zabel und der Toursieger von 1996, Bjarne Riis, gestanden, sich in den 90er Jahren mit Epo gedopt zu haben.

          Stapleton will Uni Freiburg verklagen

          Die Organisatoren der Weltmeisterschaften von Stuttgart haben Zabel als „WM-Botschafter“ vorerst abgesetzt. „Ich werde jetzt hier keine Aussage zu meiner Aussage machen. Es ging um den Radsport im Allgemeinen und dazu gehört auch das Thema Ullrich“, sagte Aldag - zur Zeit mit fünf Tour-Kandidaten im Pyrenäen-Training - am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa über seine BKA-Vernehmungen. Er habe Doping-Systematiken erklärt, „auch im Detail“. Die Beamten in Wiesbaden wurden auch tätig im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bonn, die gegen Ullrich wegen Betrugs ermittelt.

          T-Mobile-Team-Manager Bob Stapleton kündigte an, die Uni-Klinik Freiburg zu verklagen, die ihren gesamten Ärztestab nach den Geständnissen der langjährigen Mannschafts-Mediziner Lothar Heinrich und Andreas Schmid zurückgezogen hatte. Freiburg hätte die Fahrer im Stich gelassen.

          „Dann wird jeder unter Eid aussagen müssen“

          D'Hont hatte in seinem Buch behauptet, Godefroot habe den systematischen Medikamenten-Mißbrauch organisiert und für die Dopingmittel Geld kassiert. Der von Godefroot angekündigten Klage sieht der Ex-Betreuer gelassen entgegen: „Wenn das vor Gericht kommt, wird jeder aus der Mannschaft von damals unter Eid darüber sprechen müssen, was damals war. Und dann kommt noch mehr raus“.

          Unterdessen gerät auch der ehemalige Präsident des Radsport- Weltverbandes UCI, Hein Verbruggen, in Erklärungsnot. Godefroot hatte behauptet, 1996 nach dem Toursieg seines damaligen Kapitäns Bjarne Riis bei Verbruggen vorgesprochen und vor Epo gewarnt zu haben. Auf die Frage, ob er damals Fahrer in Doping-Verdacht gehabt hätte, erklärte Godefroot: „Ich hatte meine Vermutungen.“ Nachgegangen ist der Dachverband diesen konkreten Anschuldigungen aber offenbar nicht. Ob er auch Fahrer aus dem eigenen Team verdächtigt habe, wollte Godefroot nicht sagen. Verbruggen ist Chef der IOC-Koordinierungs- Kommission.

          Radsport ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“

          Anders als beim Epo-Doping Mitte der 90er Jahre will Godefroot von den Machenschaften des mutmaßlichen Doping-Arztes Eufemiano Fuentes nicht einmal etwas geahnt haben. „Die Sache hat mich auch überrascht“, hatte er in Gent erklärt.

          Daß der Radsport angesichts der Enthüllungen der letzten Monate an Glaubwürdigkeit verloren hat, glaubt Godefroot nicht. „Der Radsport ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“, sagte er. Auch er selbst fühle sich nicht schuldig: „Wir leben nicht in einer heilen Welt“. Godefroot: „Es ist wie bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung. Wenn nicht kontrolliert wird, hält sich keiner dran.“

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