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Skandal im Kricket : „Das ist ein Tag der Schande“

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Zum Heulen: Cameron Bancroft (links) und Steve Smith müssen den Skandal erklären. Bild: EPA

Die einst so heile Kricket-Welt ist aus den Fugen geraten. Dafür sorgt ein Skandal im australischen Team. Sogar der Premierminister mischt sich ein. Der Schock ist groß, die Häme auch. Und es fließen sogar Tränen.

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          Die sonst eher beschauliche Kricket-Welt ist in hellem Aufruhr. Nach illegalen Ball-Manipulationen stehen die Australier als gemeine Betrüger da. Kapitän Steve Smith und sein Stellvertreter David Warner sind von ihren Posten zurückgetreten und müssen mit weiteren Strafen rechnen, nachdem sie zugegeben hatten, dass sie ihren Spieler Cameron Bancroft zu seinen illegalen Machenschaften angestiftet hatten. Im Spiel der Australier gegen die südafrikanischen Gastgeber in Kapstadt hatte Bancroft den Ball am Samstag mit einem knallgelben Streifen Klebeband bearbeitet.

          Nicht nur dem Schiedsrichter fiel dies auf. Das Match zwischen zwei der besten Teams der Welt wurde von rund zwanzig Kameras eingefangen, und die gesamte Kricket-Welt sah staunend und geschockt zu, wie Bancroft versuchte, die verbotenen Utensilien in seiner Unterhose zu verstecken. Der Lederball darf nach Regel 41 Absatz 3 nur unter bestimmten Umständen bearbeitet werden. Es dürfen aber keinesfalls „künstliche Materialien“ verwendet werden. Das Ziel der illegalen Veränderung des Balles ist es, einen Vorteil für den Bowler (Werfer) zu erzielen; der Flug des Balls ist für den Batsman (Schlagmann) schwerer zu berechnen.

          Dass ausgerechnet die Australier zu solchen Mitteln gegriffen haben, ist in der Heimat auf Abscheu gestoßen. Sogar Premierminister Malcolm Turnbull zeigte sich „schockiert und bitter enttäuscht“ über den Betrug. Jim Maxwell, einst ein berühmter Spieler und jetzt Kommentator, weinte, als er über den Vorfall sprach. Jimmy Maher, auch ein ehemaliger Kricket-Spieler, sprach von einem „Tag der nationalen Schande“. In der Vergangenheit waren es oft die Australier gewesen, die anderen Teams unsaubere Methoden vorwarfen. Entsprechend groß ist der Schock in der Heimat und die Häme anderenorts.

          Die Länderspielserie zwischen Südafrika und Australien hatte schon vor dem jüngsten Skandal für negative Schlagzeilen gesorgt, nachdem zwei Spieler nur von Mannschaftskameraden davon abgehalten worden waren, eine wüste Prügelei im Treppenhaus auf dem Weg in die Katakomben eines Stadions anzuzetteln. Hinterher wurde bekannt, dass sich die Spieler auf dem Feld auf übelste Weise beschimpft hatten. Vor allem für Kapitän Smith bedeutet die Affäre einen steilen Absturz. Der 28-Jährige ist seit Jahren eine der dominierenden Figuren im Kricket, in jüngster Zeit hatten Beobachter ihn gar in dieselbe Kategorie eingeordnet wie Don Bradman, den unbestritten besten Batsman, den es je gab.

          Smith verdient Millionen, sowohl direkt als Spieler als auch mit zahlreichen Werbeverträgen. Als Kapitän des australischen Kricketteams ist er der Spieler, der auf dem Feld die Taktik bestimmt und – zum Beispiel – entscheidet, welchen Bowler er wann einsetzt. Der australische Verband hat angekündigt, den Vorfall zu untersuchen und je nach Ergebnis zu reagieren. Im Moment kann man davon ausgehen, dass Smith auf jeden Fall seine Rolle als Kapitän auf Dauer aufgeben muss oder möglicherweise sogar aus dem Team geworfen wird. Auch das zeigt: Die einst so heile Kricket-Welt ist aus den Fugen geraten.

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