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Gefahren durch Coronavirus : Heimat in Not

Gesperrt: Die Corona-Pandemie bedroht die deutschen Sportvereine. Bild: dpa

Die Corona-Pandemie bedroht die weltweit wohl einmalige Sportlandschaft in Deutschland. Dennoch fällt der Blick in diesen Tagen nur auf die Großen und Mächtigen, auf die Bundesliga etwa oder die Olympischen Spiele. Das ist fatal.

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          Sport – das ist nicht nur die Fußball-Bundesliga, nicht nur die Fußball-Europameisterschaft, das sind nicht nur die Olympischen Spiele. Sport ist viel mehr. In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 88.000 Sportvereine mit etwa 24 Millionen Mitgliedern. Beinahe jeder dritte Bundesbürger findet dort neben der eigenen Familie so etwas wie eine zweite Heimat. Denn Sport im Verein steht nicht nur für Training und Bewegung, es ist eine Form der sozialen Kommunikation, des Miteinanders in einer Zeit, in der immer mehr Solisten unterwegs sind. Der Blick auf die Großen und Mächtigen lenkt deshalb auch in diesen Tagen ab vom Engagement der Kleinen und Ehrenamtlichen. Das ist fatal.

          Ende dieser Woche hat Rolf Müller, Präsident des Hessischen Landessportbundes, eine Schätzung an das hessische Innenministerium weitergeleitet. Demnach käme während der Corona-Krise auf die Vereine und Verbände eine Mehrbelastung in zweistelliger Millionenhöhe zu, weil Eintrittskarten und Würstchen erst einmal nicht mehr verkauft werden dürfen, weil Kursgebühren und Meldegelder entfallen, die Mieten der Turnhallen und Schwimmbäder, die Gehaltszahlungen für Übungsleiter aber blieben. Was in Hessen gilt, gilt so oder so ähnlich für jedes andere Bundesland und heißt in letzter Konsequenz vor allem eines: Die Corona-Pandemie bedroht auch die weltweit wohl einmalige Sportlandschaft in Deutschland, ein Kulturgut.

          Sicher, im Angesicht der Probleme, der sich die Gesellschaft gerade stellen muss, erscheint dieses nachrangig. Dennoch sollte es nicht vernachlässigt werden. Denn es wird eine Zeit geben, in der Menschen wieder zusammenkommen dürfen, und Leute wie der 72 Jahre alte Rolf Müller haben das seit Jahrzehnten in Vereinen getan.

          Ihnen bricht derzeit der Lebensmittelpunkt weg, so wie vielen anderen auch. Denn oft geben Vereine gerade den Alten und Schwachen ein wenig Halt, jenen also, die derzeit als besonders gefährdet gelten und deren Schutz oberste Priorität hat. Einige Vereine haben aus der Not eine Tugend gemacht und bieten derzeit mit ihren jungen Mitgliedern Einkaufshilfen oder andere Unterstützung an. Schon bald werden sie selbst auf Hilfe angewiesen sein.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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