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Hiebe in den Zeiten von Corona : Wie das Boxen seine Zukunft plant

  • -Aktualisiert am

Den Gegner im Blick, künftig aber ohne Zuschauer im Saal? Jürgen Brähmer, hier im Dezember 2019, denkt über „Streaming-Kämpfe“ nach. Bild: Picture-Alliance

Noch trainieren Deutschlands Berufsboxer nahezu körperlos – bald aber wollen sie die Bühne zurückerobern. Wie das gehen kann, hat bereits ein anderes Land vorgemacht.

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          Das ausgeprägte Distanzgefühl des Faustkämpfers könnte gerade in diesen ansteckenden Zeiten eine Inspiration für ein breites Publikum sein. Im langen Schatten von Covid-19 ist der telegene Kontaktsport derzeit jedoch so gut wie unsichtbar. Versteckt wie Schmuggelware in der Prohibition, beschränken sich die Aktiven des olympischen wie des Profiboxens, teils zu Hause, teils im Gym, auf das Grundlagen- und Erhaltungstraining, entweder allein oder in der Eins-zu-eins-Situation mit dem Coach. Und hoffen auf Signale, die ihnen eine Perspektive auf echten Wettbewerb eröffnen.

          Kein Kampf also, nirgends? Die jüngste Gala mit Profiboxern liegt nun immerhin zwei Wochen sowie über 9200 Kilometer entfernt. Knapp 800 Zuschauer wurden am Eingang des Gimnasio Alexis Arguello in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, auf Temperatur getestet, bevor sie die auseinandergerückten Plätze einnehmen durften. Von dort verfolgten sie über Atemschutzmasken hinweg vier muntere Ringduelle, die von ebenso maskierten Betreuern und Offiziellen begleitet wurden. Selbst die offenbar unverzichtbaren Nummerngirls trugen zu ihren Rundentafeln das kleine Weiße im Gesicht. „Der ganze Abend war etwas ungewöhnlich“, befand ein Beobachter der amerikanischen ESPN News abschließend über das Geschehen am 25. April, „es könnte aber die neue Normalität für die Zeit jetzt sein.“

          „Boxen ist im Stream angekommen“

          In einem Staat mit bis dahin zwölf nachgewiesenen Corona-Fällen (drei Tote) mag so eine Gala des Kontaktsports weniger Debatten als anderswo befeuern. Doch auch in Deutschland haben Impresarios und Aktive bei den im Netz veröffentlichten Szenen aus Managua genau hingeschaut. Für Jürgen Brähmer etwa, den ehemaligen Weltmeister in zwei Klassen, könnten die dort praktizierten Hygienemaßnahmen eine Blaupause sein. Der 41 Jahre alte Profi, Trainer und Manager möchte so zeitnah wie möglich wieder in den Ring zurück – und wenn er dafür einen Event ohne Zuschauer veranstaltet, der von seinem Gym im Schweriner Stadtteil Lankow per Livestream übertragen wird.

          Mit Mundschutz in Nicaragua: Eliezer Gazo (links) und Byron Castellon
          Mit Mundschutz in Nicaragua: Eliezer Gazo (links) und Byron Castellon : Bild: dpa

          „Wir hätten damit eine Pionierstellung“, sagt Brähmer und verweist auf das überschaubare Personal, das man dazu im Vergleich zu einer kompletten Bundesliga-Partie braucht: „Nichts ist einfacher als eine Boxveranstaltung mit ein paar Offiziellen und Betreuern.“ Außerdem war sein letzter, ebenfalls auf einer Internet-Plattform übertragener Kampf im Dezember (K.-o.-Sieg über Jürgen Doberstein) „ein riesiger Erfolg. Das Boxen ist in Deutschland im Stream angekommen“, ist Brähmer überzeugt. In dem Sinne hat sich der Routinier inzwischen sowohl bei einem Juristen wie bei Medizinern Rat geholt, um sämtliche Auflagen für einen „Geisterkampf“ zu erfüllen.

          Ginge es nach ihm, stiege Brähmer im Juni gegen einen noch nicht genannten deutschen Aktiven in den Ring – ein internationaler Vergleich wäre wegen der unterschiedlichen Vorgehensweisen in den meisten Ländern einstweilen „zu kompliziert“. Für ihn selbst würde das bedeuten, dass er endlich wieder seinen Beruf ausüben und auch etwas einnehmen könnte – das eigene Gym in einem ehemaligen Wasserwerk einzurichten war kostspielig genug. Außerdem wäre es für die Sport-Enthusiasten in Mecklenburg wie darüber hinaus so etwas wie „ein Schritt in die Normalität“.

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