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Hiebe in den Zeiten von Corona : Wie das Boxen seine Zukunft plant

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Könnte zum Box-Pionier in Deutschland werden: Jürgen Brähmer
Könnte zum Box-Pionier in Deutschland werden: Jürgen Brähmer : Bild: Imago

Noch bleibt abzuwarten, ob die Entscheider vor Ort das nach dem am Mittwoch zwischen den Sportministern der Länder vereinbarten Lockerungen für Training und Wettkampf ähnlich sehen. Am Widerstand des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) sollte der Plan jedoch nicht scheitern, wie Thomas Pütz als dessen Präsident auf Anfrage dieser Zeitung erklärt. Eine erste Abfrage unter Ring- und Punktrichtern habe „sehr viel Bereitschaft“ ergeben, so Pütz, und er selbst findet Projekte im Stil von Brähmer „nicht verwerflich“. „Die Aktivität der Boxer muss ja irgendwo gewahrt werden“, sagt Pütz – zumal die Aktiven und Offiziellen „nicht zu den Risikogruppen“ in Sachen Corona gehörten.

Das könnte auch anderswo als Signal wirken. Beim neuen Boxstall der Agon Sports & Events GmbH in Berlin, wo auch die ehemaligen Champions Jack Culcay und Tyron Zeuge trainieren, ist das Konzept eines Kampfabends für ein reines TV-Publikum erarbeitet worden. Das brauchte Dr. Horst-Peter Strickrodt, der Teammanager und Justitiar, bei Gelegenheit nur aus der Schublade zu ziehen. Demnach wäre bei dem Studio-Event „nur essentielles Personal“ vor Ort, so Strickrodt, vom Unparteiischen bis zu den Kameraleuten. Gleichzeitig weiß er: „Jeder geht da ein Restrisiko ein.“

Die ambitiösen Newcomer haben erst neulich einen Durchbruch erzielt, als sie beim Senat einen Antrag stellten, in Kleingruppen trainieren zu dürfen. Dafür entwickelten sie einen detaillierten Plan, wie Chefcoach Michael Stachewicz je vier Aktive gleichzeitig anleiten kann und welche Abstände diese bei Partnerübungen auf Distanz – den sogenannten Adaptionsübungen – zueinander haben sollten. Das überzeugte die Entscheider. Seither findet im Agon-Gym nahe dem Olympiastadion jeden Morgen ein Symptomcheck statt, der mit den Ärzten der Charité abgesprochen ist; dann folgen schweißtreibende Übungen in sozialer Runde. „Unsere Boxer sind erleichtert“, meldet Strickrodt, „es ist wieder ein Reiz da.“ Außerdem seien alle Abstände und Maßnahmen wegen Corona nach knapp zwei Wochen „schon im Kopf verankert“. Deshalb ist es wohl eher eine Frage von Tagen als Wochen, wann der Boxstall wegen Aufsicht und Genehmigung einer Veranstaltung beim BDB vorsprechen wird. Ähnliche Anfragen an den Verband, regionale Stellen und Gesundheitsämter dürften folgen.

Die Hiebe in den Zeiten von Corona mögen nicht systemrelevant sein – für die Akteure des Kampfsports sind die nächsten etwaigen Schritte im Zweifel indes von existentieller Bedeutung. Vor dem Hintergrund hofft auch Jürgen Brähmer, dass sich bald etwas bewegt. „Ich will doch überhaupt nichts Utopisches versuchen“, betont er. Zumindest in seiner Familie tut sich nun was: Die achtjährige Tochter Jasmin kann wohl bald wieder mit mehreren Mädchen rhythmische Sportgymnastik betreiben. Eine Halle mit Innenhof ist gefunden, so Brähmer: „Zur Not machen wir da das Fenster auf.“

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