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Volleyball-Bundesliga : „Wir sind einfach kaputt"

Die Grenze des Belastbaren ist fast erreicht: Felix Koslowski über den Volleyball in der Corona-Zeit. Bild: dpa

Die Corona-Pandemie macht eine längerfristige Spielplanung für die Volleyball-Bundesliga fast unmöglich. Die dauerhafte Unsicherheit bringt selbst eine Spitzenmannschaft an den Rand ihrer Belastungsgrenze.

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          Das oft gehörte, bisweilen etwas abgedroschen klingende Sportlermotto „von Spiel zu Spiel denken“ hat in der Volleyball-Bundesliga derzeit einen ganz neuen Klang bekommen. „Wir wissen manchmal nicht genau, wann wir das nächste Mal spielen“, sagt Felix Koslowski, Coach des Spitzenteams SSC Palmberg Schwerin. Doch in Corona-Zeiten müsse man es eben nehmen, wie es kommt, so der Coach. „Wichtig ist, dass wir unsere Sportart überhaupt am Leben erhalten.“

          Der 36-Jährige Koslowski ist kein Typ, der sich beschwert. Es wäre seiner Position auch nicht angemessen, schließlich ist er nicht irgendein Volleyball-Enthusiast. Und Schwerin ist nicht irgendein Verein. Die Nordostdeutschen gehören seit Jahrzehnten zu den Topteams des Landes, waren alleine zwölfmal deutscher Meister und gewannen sechsmal den Pokal.

          Koslowski ist zudem seit 2015 auch Bundestrainer der Volleyball-Frauen. Dass ein Vereinstrainer auch als Nationalcoach agiert, ist in seiner Disziplin absolut üblich. Sie lebt von Enthusiasten, die die im Breitensport weit verbreitete, im Spitzensport aber bisweilen hinterherhinkende Ballsportart hoch halten – wie es ja auch Sinn des Spiels ist, den Ball nicht in der eigenen Hälfte zu Boden sinken zu lassen. Deshalb ist Koslowski auch nicht weiter in Frage gestellt worden, obwohl sein Team, „die Schmetterlinge“, im Januar die Olympiaqualifikation für Tokio knapp verpasst hatte. Seit Athen 2004 war kein deutsches Frauenteam mehr bei Olympia – somit war der Einzug ins europäische Qualifikations-Finale gegen die Türkei schon ein Erfolg, trotz der 0:3-Niederlage. Diese Funktion ruht derzeit allerdings: „Frühestens im Mai geht es mit der Nationalmannschaft weiter.“

          Fünf Spiele in zehn Tagen

          Über die Herbst-Winter-Phase wird versucht, die Bundesliga durchzuziehen, nachdem schon die vergangene Saison wegen der Corona-Krise vorzeitig abgebrochen werden musste – mit Schwerin als Tabellenführer, als unvollendetem Meister sozusagen. In der laufenden Spielzeit mussten Koslowski und sein Team auch schon 14 Tage in Quarantäne, nachdem es im Umfeld einen positiven Fall gegeben hatte. Dafür mussten zuletzt fünf Partien in zehn Tagen bewältigt werden. Einige Spiele wurden verschoben. Bei manchen ist der Nachholtermin noch unklar. Kommende Spieltage in der Champions-League und ihre Folgen sind zusätzlich schwer einzukalkulieren.

          Eine gewisse Müdigkeit ist dem gebürtigen Schweriner schon jetzt anzusehen – und er bestätigt es auch: „Wir sind einfach kaputt.“ Am Mittwoch hatte sein Team zu Hause das Pokal-Viertelfinale gegen Aachen gespielt und 3:0 gewonnen, am Donnerstag sogleich im Halbfinale gegen Titelverteidiger Dresden mit einem 3:1 erfolgreich nachgelegt. Doch statt sich über den Sieg und den Einzug ins Endspiel gebührend zu freuen, stieg der junge Familienvater am Freitag in den Bus, um mit dem gesamten Team eine achtstündige Anreise zum Bundesliga-Spiel beim VC Wiesbaden auf sich zu nehmen.

          Dort kassierte der SSC am Samstag eine überraschende, aber auch nicht verwunderliche 2:3-Niederlage bei dem hessischen Underdog und fuhr wieder nach Hause. „Wir waren insgesamt keine 24 Stunden in der Stadt“, sagte Koslowski mit einem müden Lächeln nach der Schlappe in Hessen, dafür fast genauso lange im Bus – und zuckte mit den Schultern, was so viel heißen mochte wie: Ist halt Volleyball. Und weiter geht‘s, irgendwie, irgendwann.

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