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Coronakrise trifft Handball : Die Hauptdarsteller müssen Opfer bringen

  • -Aktualisiert am

Eine der Figuren des deutschen Handballs: Torhüter Johannes Bitter Bild: dpa

Auch die deutsche Handball-Bundesliga pausiert wegen der Coronakrise. Viele Vereine plagen deshalb Existenzängste. Klar ist: Ohne eine entsprechende Reaktion der Profis wird es nicht weitergehen können.

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          Der Blick richtet sich jetzt auf die nächste und die übernächste Saison. „Unser Ziel muss es sein, dass die Vereine der Handball-Bundesliga liquide bleiben und ihre volle Wirtschaftskraft möglichst bald zurückhaben“, sagt Uwe Schwenker: „Und das wird schwer genug, denn die Unternehmen, die die Partner der Klubs sind, werden nicht automatisch wieder an Sportsponsoring denken, wenn es ihnen besser geht.“ Eine lange Flaute im deutschen Vereinshandball? Keineswegs ausgeschlossen, folgt man Schwenker, dem Vizepräsidenten der Handball-Bundesliga-Vereinigung (HBL). Gemeinsam mit Frank Bohmann informierte Schwenker am Montagvormittag Vertreter der 18 Klubs aus der ersten Liga; später am Tag die der zweiten Spielklasse.

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          „Es ging uns darum, alle Klubs auf Stand zu bringen“, sagt Schwenker. „Wir wollten keine Beschlüsse fassen, sondern Informationen an die Klubs geben. Die Vereine sind sich alle ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst und tragen unseren Beschluss mit, die Saison auszusetzen. Aber sie haben alle auch ihre wirtschaftliche Situation im Blick.“ Die HBL hatte Ende der vergangenen Woche beschlossen, wegen der Corona-Pandemie bis Ende April zu pausieren. Noch besteht die Hoffnung bei den Vereinen, die Saison bis zum 30. Juni zu Ende zu bringen – auch deswegen, weil es zunächst keine Länderspiele mehr geben wird. Doch wie am Freitag schon bei Frank Bohmann war auch bei Schwenker herauszuhören, dass er nicht davon ausgeht, dass es noch Bundesliga-Handballspiele in der ersten Jahreshälfte geben wird.

          „Ruhig, besonnen und solidarisch“, sei die Stimmung in der Schalte gewesen, berichtete Schwenker: „Es geht um jeden einzelnen Klub, aber natürlich auch um die Gesamtheit des deutschen Vereinshandballs. Die Vereine sind die Keimzelle des Handballs. Bei den Angestellten der Vereine gibt es Existenzängste, ob auf den Geschäftsstellen oder bis herunter zu den Caterern und anderen Dienstleistern. Letztlich haben gerade alle Vereine die gleichen Sorgen, ob klein oder groß.“

          „Sind sich ihrer Verantwortung bewusst“

          Auch bei den Spielern ist angekommen, dass es ohne Gehaltsverzicht nicht gehen wird. Nationaltorwart Johannes Bitter und der frühere Profi Marcus Rominger von der Spielergewerkschaft „Goal“ holten am Montag ebenfalls Informationen ein. „Sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst“, sagte Schwenker. Es ist ja absehbar, dass, wenn irgendwann wieder gespielt werden sollte und Etats womöglich deutlich abgeschmolzen sind, auch die Hauptdarsteller des Handballs Opfer werden bringen müssen. Zwei von ihnen, Holger Glandorf von der SG Flensburg und Mads Mensah Larsen von den Rhein-Neckar Löwen, sind aktuell persönlich betroffen: Glandorf ist nach Kontakt mit einer erkrankten Person wohlauf zuhause in Quarantäne. Er ist nicht mit dem Coronavirus infiziert. Mensah Larsen selbst war es schon – nach grippeähnlichen Symptomen ließ er sich vergangene Woche testen und das Ergebnis war positiv. Es geht dem Dänen gut.

          Inhaltlich ging es am Montag neben der reinen Information vor allem darum, den Managementfahrplan der HBL vorzustellen. Er sieht vor, den zu erwartenden finanziellen Schaden bei den Klubs zu erfassen und die wirtschaftlichen Risiken einzudämmen. Wie zu hören war, haben erste Vereine schon Kurzarbeitergeld beantragt. „Es ist wichtig, dass wir uns abstimmen, und nicht jeder einzeln sein Ding macht“, sagte Schwenker: „Da waren die ersten Tage etwas chaotisch, was auch nicht verwunderlich ist, wenn es stündlich einen neuen Informationsstand gibt.“

          Ab sofort haben die Vereine die Möglichkeit, sich an bestimmten Tagen und Uhrzeiten bei der HBL einzuwählen und den neuesten Informationsstand in Sachen Corona und Handball abzufragen. Schon jetzt sei die Informationsweitergabe und Hilfe der Klubs untereinander beeindruckend, sagte Schwenker: „Wir sitzen gerade wirklich alle in einem Boot.“ Ihm und Bohmann sei auch klar, dass die Vorschläge der HBL nicht für jeden Klub gleichermaßen umsetzbar seien; es gehe nur um einen hilfreichen Handlungsrahmen.

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