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Turn-Star Marcel Nguyen : Wenn die Uhr im Kopf nicht mehr tickt

Barren und Schnurren: Marcel Nguyen an seinem Behelfsgerät im Garten seiner Mutter Bild: Picture-Alliance

Die Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in Tokio macht dem Wettkampfgeist von Spitzenturner Marcel Nguyen zu schaffen. Auch sein Körper meldet sich.

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          Geduld ist keine Sportart. Im Kopf eines Hochleistungsathleten muss eigentlich immer eine Uhr ticken. Er hetzt auf ein bestimmtes Ziel zu, er muss Vorgaben schaffen, die Zeit droht ihm davonzusausen. Das überragende Ziel in diesem Jahr waren für viele Sportler die Olympischen Spiele in Tokio. Sie fixierten diese Spiele wie einen riesigen Berg, der erklommen werden musste. Sie hatten ihn schon längst sorgfältig vermessen, sich für die Expedition gerüstet und einen genauen Zeitplan aufgestellt, der bereits angefangen hatte zu laufen. Doch nun ist alles abgesagt. Im Kopf ist es plötzlich still. Die Uhr tickt nicht mehr weiter.

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          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          „Es ist echt schwierig“, sagt der Turner Marcel Nguyen am Telefon. „Mir fehlt momentan ein bisschen das Ziel. Wir sind es gewohnt, uns auf etwas vorzubereiten.“ Dabei kann Nguyen eigentlich aufatmen, denn seine Hetzjagd in Richtung Olympia war monatelang viel stressiger als die seiner Konkurrenten, weil er nach einer gravierenden Schulteroperation seine Form erst wieder aufbauen musste. Eigentlich kommt ihm die Verschiebung der Spiele in Tokio um ein Jahr sogar entgegen. Aber: „Es ist schwierig, sich zu motivieren, wenn man gar nicht weiß, wann es wieder nötig ist, Leistung zu bringen.“

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