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Tränen bei Simone Biles : Ein Flug-Genie am Boden

Die Luft ist ihr Zuhause: Simone Biles will ihr großes Ziel, die Olympischen Spiele in Tokio, nicht aufgeben. Bild: dpa

Turnstar Simone Biles wollte nach den Spielen von Tokio die Karriere triumphal beenden. Nun ist der Countdown angehalten, und vor der Amerikanerin liegt ein weiteres hartes Jahr.

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          Simone Biles kann abheben wie eine personifizierte Explosion. Beim Anblick ihrer ungeheuren Sprünge kann man sich eigentlich nur die Augen reiben. Wie ist das möglich? Ein kleiner, kompakter Körper, der wie aus Sprungfedern zusammengeschweißt zu sein scheint und permanent der Schwerkraft davonschnellt. Wie ein Über-Menschlein kann sie Salti und Schrauben kombinieren in einer Weise, die ihr niemand auf dieser ganzen Welt nachmachen kann. Der Turnerin, die seit ein paar Jahren in ihrer Mission als Medaillen- und Titelsammlerin rund um den Erdball unterwegs ist, schien bis gerade eben die Sportwelt nicht nur zu Füßen zu liegen, sondern tief unter ihrer Flugbahn.

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          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Bei den Olympischen Spielen, die für diesen Sommer geplant waren, schienen mindestens fünf Goldmedaillen für ihren Triumphzug bereitzuliegen. Tokio war schon dabei, die Bühne zu bereiten für Simone Biles, sie sollte den Sommerspielen 2020 ihren Stempel aufdrücken. Und jetzt?

          Simone Biles hütet jetzt ihr Zuhause in Montgomery County, Texas. Sie spielt mit ihrer französischen Bulldogge Lilo, versucht, ein Weilchen vor dem Fernseher stillzuhalten und eine Serie zu schauen, doch gleich schnellt sie wieder hoch auf ihre muskelbepackten Beine und fängt an zu putzen. „Ich sage meinen Freunden, ich weiß wirklich nicht, was ich machen soll, weil ich noch nie nichts gemacht habe“, sagte sie in einem von mehreren Interviews, die sie nach der Olympia-Verschiebung und ein paar Tagen Bedenkzeit vergangene Woche amerikanischen Medien gab. „Jetzt müssen wir buchstäblich zu Hause sitzen. Ich weiß nicht wirklich, wer ich als Person bin neben meiner Identität als Athletin.“ Das muss sie jetzt lernen.

          Simone Biles hält sich zu Hause nach der Anleitung ihrer Trainer Cecile und Laurent Landi fit, mit denen sie über Textnachrichten und Facetime verbunden ist. Sie macht Reha-Training, was bei einer Turnerin eigentlich permanent sinnvoll ist, tanzt wild zu Videos auf Youtube und versucht, die innere Balance nicht zu verlieren, jetzt, da der Countdown bis Tokio plötzlich angehalten wurde. Danach wollte sie ihre Karriere beenden. Sie freute sich auf die Zeit danach, wenn die jahrelange Spannung von ihr abfallen, ihr Körper sich ausruhen und sie ein neues, fröhliches Leben beginnen würde. Doch dann kam die Corona-Krise, das Leben winkte ab. Nicht vier, nein, noch einmal fünfzehn Monate würde sie sich quälen müssen für ihr großes Ziel. Ihr stockte der Atem. Doch nach ein paar Tagen wurde ihr klar, dass sie ihre Karriere so nicht beenden wollte. „Ich bin so weit gekommen. Ich kann jetzt nicht aufgeben. Ich habe zu hart gearbeitet, um das jetzt alles wegzugeben.“ Es ist zu erwarten, dass sie weitermacht.

          Als sie am 24. März, damals noch in der Trainingshalle, von der Verschiebung der Olympischen Spiele auf das Jahr 2021 hörte, traten Simone Biles Tränen in die Augen. Sie habe nicht gewusst, was sie fühlen solle, sagte sie. Sie schaute auf die vielen Trainingsjahre zurück, die eigentlich bald hätten zu Ende gehen sollen, und alles war plötzlich anders. Sie ist jetzt 23 Jahre alt. Vor 15 Jahren, als sie acht war, erkannte die amerikanische Spitzentrainerin Aymee Boorman das Talent des quirligen Mädchens und baute es systematisch zur Spitzenturnerin auf. Ihre Muskulatur, ihre Sprungkraft waren vielversprechend. Doch es gab erhebliche Defizite: nach innen gedrehte Füße und krumme Knie.

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