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„Ich bin schockiert“ : Spring-Break-Partys trotz Corona

  • Aktualisiert am

Konnte seinen Augen kaum trauen: Eishockey-Trainer Marco Sturm Bild: dpa

Eishockey-Trainer Marco Sturm lebt und arbeitet in Amerika. Dort erlebt er teilweise erschreckende Zustände angesichts des grassierenden Coronavirus.

          2 Min.

          Die Fernsehbilder aus New York mit gestapelten Leichen in Kühlwagen im Hinterkopf stieg Marco Sturm in Los Angeles auf einem fast menschenleeren Airport in den Flieger – und traute nach der Landung seinen Augen nicht. „Ich war schockiert, was da noch in Florida los war“, erzählt der ehemalige Eishockey-Bundestrainer im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Es war Spring Break, die jungen Leute waren unterwegs und haben am Strand Party gemacht.“

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          In Kalifornien, wo der Olympiazweite von 2018 als Ko-Trainer der LA Kings in der NHL arbeitet, war das öffentliche Leben wegen der Corona-Pandemie schon früh wie in Deutschland heruntergefahren worden. In Florida, wo Sturm mit seiner Familie wohnt, zögerte Gouverneur Ron DeSantis, „ein Kumpel von Donald Trump“, noch länger – und ließ die College-Studenten aus den gesamten Vereinigten Staaten an den Stränden weiter feuchtfröhlich feiern und das Virus verteilen.

          Mittlerweile sind auch in Florida die meisten Geschäfte geschlossen, berichtet Sturm, „jetzt wird es strenger. Die Zahlen steigen auch bei uns“. Der Sonnenstaat meldete bis Donnerstag „nur“ etwas mehr als 300 Corona-Tote. Zum Vergleich: In New York City starben fast 5000 Menschen an Covid-19, im gesamten Land rund 15.000. „Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten ein, zwei Wochen so richtig losgeht“, sagt Sturm.

          „Retten, was noch zu retten ist“

          Dass er in den nächsten Monaten noch einmal bei einem NHL-Spiel an der Bande steht, glaubt der 41-Jährige nicht: „Wenn ich mir die Bilder von New Orleans oder New York anschaue, dann kann ich mir wirklich nicht vorstellen, dass wir diese Saison fertig spielen.“ Seit dem 12. März liegt der Spielbetrieb auf Eis. Derzeit werden verschiedene Szenarien durchgespielt, auch der Plan, „an einem Ort, an dem die Gefahren nicht so groß sind, den Stanley Cup als Turnier auszuspielen“. Die Liga, die jährlich umgerechnet 4,5 Milliarden Euro umsetzt, versuche „natürlich alles, um zu retten, was noch zu retten ist“.

          Ein Abbruch würde in besonderem Maße Leon Draisaitl treffen. Der deutsche Superstar führt die Scorerliste mit 43 Toren und 67 Vorlagen überlegen an, spielt die Saison seines Lebens und gilt als Favorit auf die Hart Trophy für den wertvollsten Spieler der Liga. Draisaitl sei „ein wahnsinniger Typ“, schwärmt Sturm, es mache sogar Spaß, „gegen ihn zu spielen und zuzusehen, wie der einfach die Kontrolle übernimmt. Nicht nur in seiner Mannschaft, sondern mittlerweile auch in der Liga.“

          Auch den wahrscheinlich nächsten deutschen NHL-Star trifft die Coronakrise: Ausnahmetalent Tim Stützle darf nicht im Stadion des Rekordmeisters Montreal Canadiens auf die Bühne steigen und vor Tausenden Fans auf den Rängen und Millionen Fernsehzuschauern das Trikot seines neuen Klubs überziehen. Der NHL-Draft, auf unbestimmte Zeit verschoben, wird voraussichtlich als Videokonferenz durchgeführt.

          Sturm würde den 18 Jahre alten Mannheimer gerne für Los Angeles auswählen. „Es kann sein, dass wir ihn draften, wir haben ihn intensiv verfolgt, es gibt nur Positives über ihn zu sagen. Ich hoffe, dass es klappt und wir dann einen Deutschen in unseren Reihen haben.“ Stützle führt die offizielle NHL-Liste der besten europäischen Talente an und könnte sogar an zweiter Stelle gezogen werden – noch früher als Draisaitl, den die Edmonton Oilers 2014 als insgesamt dritten Spieler drafteten.

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