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Die Privilegien des Sports : Es geht auch anders

  • -Aktualisiert am

Alles auf einem Haufen: Jubelnde Bayern-Profis Bild: dpa

Der Sport bringt in Corona-Fragen einen interessanten Flickenteppich zusammen. Hygienekonzept heißt das Zauberwort, um vieles doch möglich zu machen. Doch das kann auch nach hinten losgehen.

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          Es sind ja so ganz andere Themen als sonst, mit denen sich der Sport beschäftigen muss in diesen Zeiten. Dürfen Fußballspieler sich also beim Jubel um den Hals springen, weil sie das schon immer gemacht haben, oder müssen sie auch da momentan Abstand halten? Und wie glaubwürdig ist das, wenn sie sich übereinandertürmen bei einem Torerfolg, aber kurz vorher auf der Auswechselbank noch mit Abstand saßen und eine Maske trugen?

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          Der Sport bringt wie die deutschen Bundesländer einen interessanten Flickenteppich zusammen, was die Corona-Frage angeht. Was bei den einen möglich ist, wundert die anderen sehr. Der Handball etwa wollte seinen Sport unbedingt in die Schlagzeilen bringen, das sei quasi wichtig, um den Handball zu retten. Aber dass ausgerechnet mitten in einer Pandemie die größte Handball-WM in der Geschichte dieses Spiels mit 32 Mannschaften gespielt wird? War gut gemeint, dieses Turnier in Ägypten, aber das Timing passt nicht – wäre ja fast so, als würde man gerade in diesem Jahr eine Fußball-EM in zwölf Ländern planen. Vielleicht eine nette Idee, lappte aber gerade jetzt doch ins Absurde.

          Aber stopp – Hygienekonzept! Das ist das Zauberwort im Sport. Wenn das passt, dann geht doch eigentlich alles, auch trotz Corona, das hat auch der Handball gedacht oder zumindest vorgegeben, dass sie alle daran fest glauben. Nun ist die WM in den Schlagzeilen, wenn auch anders als erhofft. Die Vereinigten Staaten und Tschechien kamen gar nicht erst wegen etlicher positiver Fälle, die Schweiz und Nordmazedonien mussten zwei Tage vor dem Start schnell nachrücken, Quarantäne stand ja eh nicht im Hygienekonzept. Kap Verde kam also trotz positiver Fälle im Kader mit neuen, frisch getesteten Spielern, und nun sind sie draußen, abgereist, nach zu vielen Corona-Fällen im Team nicht mehr spielfähig.

          Die Menschen, heißt es allenthalben, werden nach so langer Zeit mit vielen Einschränkungen sorgloser, das lässt sich im Sport auch beobachten. Woanders wäre die gesamte WM von den Gesundheitsbehörden einkassiert oder gar nicht erst durchgewunken worden, in Ägypten wird weiter gespielt. Mit Risiko auch für den Geschäftsbetrieb Bundesliga – rund 100 Spieler sind im Einsatz. Den Handball retten, das könnte nach hinten losgehen.

          Geht ja auch anders, ganz rigoros. Dass Australien so niedrige Zahlen hat, liegt nicht nur an den sommerlichen Temperaturen. Würde man das Hygienekonzept der Australian Open der Tennisspieler über die Handball-WM stülpen, sähe die ganze Geschichte dort schon anders aus. Eine vierzehntägige Quarantäne, wie in Australien in diesen Zeiten üblich, war in Melbourne ohnehin vorgesehen, allerdings dürfen die mittlerweile angereisten Tennisspieler für einige Stunden mit festen Trainingspartnern nach einem ausgeklügelten Sicherheitssystem auf den Platz.

          Nur ebenjene 72 Profis nicht, die wegen eines Corona-Falls auf ihrem Flug ihr Zimmer gar nicht mehr verlassen dürfen – und danach ohne Training ins Turnier starten müssen. Klagen darüber haben keinen Erfolg, denn die Stimmung in Politik und Bevölkerung würde keine Ausnahmen für die Profis akzeptieren. Sollten die Fußballspieler bei ihren Jubelszenen vielleicht auch bedenken. Wäre ja nur eine Geste für die, die momentan gar nichts dürfen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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