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Darts geht online : Duell im Wohnzimmer der Superstars

Scheibe im Bild, Zählung via Statistik-Tool: Webcam-Darts bringt Fernduelle ins eigene Heim. Bild: Daniel Meuren

Der Erfolg des Darts als Fernsehsportart hängt maßgeblich mit der Feierstimmung unter den Zuschauern zusammen. Dennoch wagt der Profi-Dartsverband PDC in der Corona-Krise ein Experiment.

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          Darts-Puristen werden sich freuen: In der Corona-Krise zieht sich der Profi-Dartsverband PDC gezwungenermaßen aus den immer größeren Arenen zurück an die Trainings-Boards der Spieler. Statt des lärmenden Drumherums der großen Turniere steht dann plötzlich der reine Darts-Sport im Mittelpunkt. Statt Gesängen auf Phil Taylor oder Beleidigungen scheinbar unbeliebter Spieler ist dann plötzlich der Sound des auf das Dartboard treffenden Pfeils die Tonlage, die vorherrscht.

          Von Freitag an werfen die 128 Tour-Card-Holder der PDC in der „Home Tour“ um den Sieg im ersten online ausgetragenen Wettbewerb der PDC-Geschichte. Jeweils vier Profis spielen an 32 Abenden um den Gruppensieg, der Erste qualifiziert sich dann für die Runde der besten 32. Ende Juni soll dann ein Turniersieger feststehen. Die Spiele sind vorerst nur für registrierte Nutzer der PDC-Website zu verfolgen. Siegprämien für die Spieler sind offenbar zunächst nicht vorgesehen, sie erhalten alleine Antrittsprämien für jeden Abend, an dem sie im Einsatz sind.

          PDC folgt Trend der Hobbyspieler

          „Es ist mir eine große Freude, dass wir den Fans in diesen schwierigen Zeiten wieder Live-Darts liefern können“, sagt PDC-Chef Barry Hearn. „Wir haben in den vergangenen Wochen geschaut, was möglich ist und ich bin froh, dass wir etwas geschaffen haben, das allen Spielern die Möglichkeit zum Mitspielen bietet.“

          Der kluge Darts-Vermarkter, der den Aufschwung des Sports mit seiner Agentur MatchroomSports maßgeblich zu verantworten hat, macht dabei nicht nur aus der Not eine Tugend. Er folgt auch einem Trend unter Dartsspielern. Seit Beginn der Corona-Krise haben Online-Plattformen erheblichen Zulauf.

          Darts wird in der „Home Tour“ gänzlich anders rüber kommen als gewohnt: Normalerweise prägt die sanges freudige Stimmung unter den großteils alkoholisierten Fans die Wahrnehmung des Darts sowohl in der Halle als auch als Fernsehsport. Das reine Duell am Board dürfte indes nun andere Reize bieten: Die PDC will den Zuschauern mit neuen Statistik-Live-Analysen zusätzliche Informationen liefern.

          Zudem können die Zuschauer auch den Gesprächen der Spieler lauschen, was in den lauten Hallen bislang nicht geboten wurde. Nicht zuletzt dürfte es spannend werden, welche Einblicke die Spieler in ihr häusliches Umfeld gewähren: Nicht jeder Spieler wird einen eigenen Trainingsraum im Keller oder auf dem Speicher des Eigenheims besitzen; manche haben ihr Trainings-Board womöglich im Wohnzimmer hängen. „Die Home Tour bietet den Fans regelmäßigen Live-Sport und bringt die einzigartigen Talente und Charaktere unserer Spieler auch neuen Zuschauern nähen“, sagt Hearn.

          Schon am Freitagabend greift Weltmeister Peter Wright ins Geschehen ein: Der Schotte trifft im Eröffnungsspiel ab 20:30 Uhr auf Peter Jacques. Jamie Lewis und der niederländische Youngster Niels Zonneveld komplettieren Gruppe eins. Von Samstag bis Montag folgen die Gruppen zwei bis vier, ehe es am kommenden Wochenende weiter geht.

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