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Nächster Sport-Lockdown : Endlich Dampf ablassen

  • -Aktualisiert am

Wenn die Vereine wieder dichtmachen müssen, ist für viele die einzige Möglichkeit, Sport zu treiben, alleine oder mit einem Partner in den Park zu gehen. (Bild Ayoub El Baghdadi trainiert im Hafenpark in Frankfurt) Bild: Finn Winkler

Der organisierte Sport muss sich mit der Kraft der Argumente gegen die nächste Vollsperrung wehren. Es gibt handfeste Gründe, den geplanten Lockdown im vorgesehenen Umfang massiv in Frage zu stellen.

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          Kommando zurück: Nach ein paar Wochen an der frischen Luft auf dem Fußball- oder Freiplatz, auf der Laufbahn unter freiem Himmel werden die rund 90.000 Sportvereine in Deutschland ihre Kinder und Jugendlichen demnächst wieder wegschicken müssen. Zurück in den Stillstand. Denn die Infektionszahl steigt, und die Bundesregierung ist deshalb auf dem Sprung, über eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes einen bundesweiten Lockdown durchzusetzen. Das könnte in ein paar Tagen der Fall sein: Sport nur noch allein, zu zweit oder mit der Familie. Für zwei Wochen, vier Wochen, bis in den Spätsommer hinein?

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          Die Experten sind sich nicht einig. Den Sportverbänden schwant jedenfalls die nächste Vollsperrung ihres Spielraums vom Kinderturnen bis hinauf in die höchste Amateurklasse. Prompt fordert der Präsident des Leichtathletik-Verbandes eine „Perspektive“, sein Kollege im Turner-Bund befürchtet eine „Verschärfung“ der Lage. Ehrenwert.

          Aber warum so vorsichtig? Und warum bringt sich der organisierte Sport, allein der Deutsche Fußball-Bund wagt größeren Widerspruch, nicht mit der Kraft seiner Argumente und angesichts seines Selbstverständnisses, Stütze der Gesellschaft zu sein, vor der Bundesregierung in Stellung? Denn es gibt handfeste Gründe, den nächsten Lockdown für den Sport im vorgesehenen Umfang massiv in Frage zu stellen.

          Draußen ist es ungefährlich

          Bislang ist nicht bekannt, dass Bewegung in überschaubaren Gruppen draußen auf dem Spielfeld, dem Bolzplatz, im Wald die Infektionszahlen in die Höhe getrieben hätte. Im Gegenteil. Aerosolexperten halten das Spiel, auch einen Kick, an der Luft für ziemlich ungefährlich.

          Es stimmt, trotz überzeugender Hygienekonzepte: Auch Breitensport bleibt ein Restrisiko. Warum man das in Kauf nehmen sollte? Nicht weil Sport um des Sportes willen für die Erhaltung der Vereine getrieben werden muss. Sondern weil Bewegung die Entwicklung des Menschen von Kopf bis Fuß beeinflusst, ähnlich wie das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen. Es gibt, das ist belegt, Korrelationen. Den Körper auf Erden vom Geist trennen zu wollen ist wohl eine der dümmsten Ideen.

          Wer die Bedeutung der Bewegungskultur in diesem Land wenigstens für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht erkennen will, dem leuchtet vielleicht der wohltuende Nebeneffekt von regelmäßigem Sporttreiben in Zeiten der Pandemie ein. Der Drang, der Enge der Wohnung, der Stadt, der Verordnungen zu entfliehen, den wachsenden Kräften im Frühling freien Lauf zu lassen, nimmt zu. Sport ist in solchen Situationen ein Ventil, mit dem sich Überdruck regulieren lässt. Schließt man es, kommt es in absehbarer Zeit zu einem unkontrollierbaren Ausbruch.

          Vor allem die Jungen wird das nächste Verbot noch weiter in die Enge treiben, vermutlich in den Keller daheim, wo sie dann Dampf ablassen unter Missachtung jeglicher Hygieneregeln und sich das Virus, so zwanghaft abgeschottet, gegenseitig einhauchen. Wer dem Sport nichts abgewinnen kann außer Mühsal, könnte seinen Nebeneffekt nutzen: Er dient der Prävention.

          Anno Hecker
          (ahe.), Sport

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