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Everest Challenge mit Rad : „Ich habe mir überlegt, etwas Verrücktes zu machen“

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8848 Höhenmeter in neun bis zehn Stunden. Emanuel Buchmann hat sich einiges vorgenommen. Bild: dpa

Als Tour-de-France-Vierter kommt Emanuel Buchmann die Berge ganz gut hinauf. 8848 Höhenmeter hat er aber auch noch nicht an einem Tag zurückgelegt. Nun absolviert der Radprofi eine ganz besondere Kletterpartie.

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          Die Tour de France wird in diesem Jahr – falls sie denn in Zeiten von Corona stattfindet – in den Bergen entschieden. Da ist im Vorfeld eine Kletterpartie keine verkehrte Sache. Deutschlands Tour-Hoffnung Emanuel Buchmann nimmt am Freitag gleich mal den Mount Everest in Angriff – zumindest als Kopie. 8848 Höhenmeter will der 27-Jährige im Ötztal zurücklegen, immer den gleichen Berg rauf und runter. Neun bis zehn Stunden soll seine persönliche Everest Challenge dauern und nebenbei Spendengelder für einen guten Zweck – unter anderem für ein Kinderhilfswerk – einbringen: rund 88.000 Euro, also etwa zehn Euro pro Höhenmeter.

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          „Der Trainingsalltag ist gerade ein wenig eintönig ohne Rennen. Da habe ich mir mal überlegt, etwas Verrücktes zu machen oder eine Herausforderung einzubauen“, erklärte Buchmann im Interview der Deutschen Presse-Agentur seine Beweggründe. Die Berge sind ohnehin sein Terrain, 59 Kilogramm bringt das Leichtgewicht auf die Waage.

          2019 schaffte es Buchmann so auf den vierten Gesamtplatz der Tour de France. „Da ist noch was möglich“, sagt er und peilt das Podium an – trotz der großen Konkurrenz mit den letzten Siegern Egan Bernal, Geraint Thomas und Chris Froome. Sogar der zweite deutsche Tour-de-France-Sieg nach Jan Ullrich (1997) soll kein Traum bleiben: „Vom Podium bis zum Sieg ist es nicht weit, letztes Jahr hat beim vierten Platz auch nicht so viel gefehlt.“

          Aber findet die Tour überhaupt statt? Buchmann ist davon überzeugt. „Die Fußball-Bundesliga spielt auch wieder“, sagt der gebürtige Ravensburger, sieht aber auch die Problematik: „Die spielen im Stadion, es sind 22 Spieler. Es ist nicht vergleichbar mit 200 Leuten, die quer durch das Land Radrennen fahren.“

          Bis Ende August seien noch drei Monate Zeit. Dann muss Buchmann die Berge womöglich einsam hochfahren. Wenn das Virus noch zirkuliert, werde es den Sport nicht wie vorher geben, sagte Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu am Wochenende im TV. „Ohne Impfstoff gibt es keine Rückkehr zur Normalität. Tennis in Roland Garros oder die Tour sind ohne Zuschauer eigentlich nicht möglich, aber die Realität ist, dass an anderen Szenarien gearbeitet wird.“

          „Der Trainingsalltag ist gerade ein wenig eintönig ohne Rennen“: Emanuel Buchmann (Bild von August 2019)

          Buchmann hätte „für ein Jahr“ kein Problem damit. „Wir fahren auch viele Radrennen, wo nicht so viele Zuschauer sind. Bei der UAE Tour in Abu Dhabi sind auch kaum Zuschauer am Straßenrand. Es ist also nichts Neues für uns“, sagt der deutsche Meister von 2015, wohlwissend, dass ein Ausfall des Radsport-Highlights die Branche hart treffen würde.

          Bei mehreren Team mussten die Radprofis bereits Gehaltskürzungen hinnehmen, bei Bora-hansgrohe sind Buchmann und Co. davon verschont geblieben. „Wir kriegen nach wie vor das volle Gehalt. Da sind wir sehr glücklich, dass die Sponsoren uns so unterstützen“, berichtet der Rundfahrtspezialist.

          Das ist nicht der Normalfall im Radsport – auch nicht in punkto Dopingtests. „Ich hatte meinen letzten Test Mitte März kurz vor dem Lockdown. Seitdem hatte ich keine Dopingkontrolle mehr“, erklärt Buchmann. Mit unliebsamen Überraschungen in Person von ganz neuen Konkurrenten rechnet er aber nicht. „Ich weiß auch nicht, ob es Sinn gemacht hätte, Ende April für die Tour zu dopen.“ Womöglich nicht, Trainingseinheiten in den Bergen aber sicher schon. Die Everest Challenge ist dabei aber auch für Buchmann Neuland, so viele Höhenmeter hat er noch nie bewältigt – weder im Training noch bei der Tour.

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