https://www.faz.net/-gtl-9yeh3

Tri@home in der Corona-Krise : So lief Frodenos verrückter Triathlon daheim

  • Aktualisiert am

„Manchmal braucht man verrückte Ideen“: Jan Frodeno (Bild von 2019) Bild: dpa

Jan Frodeno hatte eine kuriose Idee – und setzte sie um: Beim Triathlon zu Hause sind viele Prominente dabei. Mario Götze bekommt gar ein schlechtes Gewissen. Dazu gibt es eine große Spendensumme als Hilfe in der Corona-Krise.

          2 Min.

          Auf den letzten Kilometern freute sich Jan Frodeno erst recht, es mal wieder geschafft zu haben. Sonst genießt er den roten Teppich im Zieleinlauf und den Jubel der Zuschauer. Diesmal schaltete Frodeno nach rund 8:33,40 Stunden das Laufband aus und freute sich über die Spendensumme von mehr als 200.000 Euro, die bei seinem „Tri@home“ zunächst zusammenkam. Geld, das den Helfern in der ersten Reihe im Kampf gegen den Coronavirus in seiner spanischen Wahlheimat Girona und der Organisation „Laureaus Sports for Good“ zugute kommen soll. „Manchmal braucht man verrückte Ideen“, betonte Frodeno.

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Gegen acht Uhr begann Frodenos Triathlon in den eigenen vier Wänden. 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,2 Kilometer Laufen. Nur nicht wie sonst. „Es ist mental ein große Herausforderung, diese 226 Kilometer zu bewältigen, ohne mich nicht mehr als fünf Meter von der Stelle zu bewegen“, betonte Frodeno. Geschwommen wurde im 13 Grad kalten Pool mit Gegenstromanlage, Rad gefahren auf einem Smart-Rollentrainer, gerannt auf dem Laufband.

          Und – außer beim Schwimmen – mit einem Frodeno in Plauderlaune, der hier und da neugierig beobachtet wurde von Hund Duke und bestens versorgt war mit Bananenbrot von seiner Ehefrau. „Das ist der erste Ironman, bei dem ich mehr Kalorien zu mir nehme, als ich verbrenne“, scherzte der Triathlon-Superstar. Das Rezept lieferte er per Einspieler gleich mit.

          Nach rund 47 Minuten im Pool und einer kurzen Pause zum Umziehen ging es aufs Rad. Begleitet von etwa 1000 Athletinnen und Athleten, die die virtuelle Strecke auf einer Online-Trainingsplattform mitfahren konnten. Darunter auch der ehemalige Radstar Fabian Cancellara. „Heute jage ich Jan Frodeno“, sagte der Schweizer, der sein Rad auf der Rolle auf einem Balkon aufgestellt hatte. Der 39-Jährige kam mächtig ins Schwitzen, für einen Daumen hoch für Frodeno reichte die Kraft aber noch. „Du gibst dem Sport Emotionen“, lobte der zweimalige Olympiasieger im Zeitfahren.

          Cancellara war nicht der einzige, der sich vor Frodeno verneigte. „Da kriegt man ja ein schlechtes Gewissen“, meinte Borussia Dortmunds Fußballprofi Mario Götze, der wie eine Reihe prominenter Sportler von Boris Becker, Andrea Petkovic über Felix Neureuther bis Götzes Weltmeister-Tor-Vorbereiter André Schürrle per Livevideo dazu geschaltet wurde.

          Sämtliche Erlöse des „Tri@home“ sind für gute Zwecke vorgesehen, vor allem zur Direkthilfe in Girona. Denn Frodeno kennt die Zustände in den dortigen Krankenhäusern durch sein ehemaliges Kindermädchen nur allzugut, wie er schon vorher im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erzählt hatte. Die ausgebildete Krankenschwester meldete sich freiwillig, um zu helfen, und wurde per Video nach einer Nachtschicht ebenfalls dazu geschaltet. So wie Frodenos Eltern, die nur wenige hundert Meter von Ironman-Champion entfernt wohnen. Besuchen dürfen sie sich derzeit nicht.

          Für die Radstrecke benötigte Frodeno rund 4:15 Stunden. Zwischendurch richtete auch Kumpel und Widersacher Sebastian Kienle einen Gruß: „Jan, warum machst du das? Ich bin mir sicher, du hattest leichtes Fieber vergangene Nacht.“ Mit einem Tempo von über 14 Kilometer pro Stunde nahm Frodeno den abschließenden Marathon in Angriff, der Puls dabei phasenweise unter 120 Schlägen. Um seine sportliche Ausnahme-Leistungsfähigkeit ging es diesmal aber nur bedingt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          
              Will eine Impfpflicht einführen: Olaf Scholz kommt zum Bund-Länder-Treffen im Bundeskanzleramt an

          Corona-Politik : SPD und Union gehen getrennte Wege

          Noch regiert die große Koalition. Bei den Verhandlungen über neue Corona-Maßnahmen zeigen beide Partner den Willen zu einer allgemeinen Impfpflicht. Doch es wird auch klar, dass sie sich in Kürze trennen.
          Ein Kinderspiel sind die aktuellen Fragen rund ums Impfen nicht mehr.

          Pandemie-Bekämpfung : Die Impfpflicht ist das kleinere Übel

          Arbeitgeber und Industrie wollen lieber impfen als in den Lockdown. Sie sind schon jetzt von Lieferengpässen enorm gebeutelt. Eine Impfpflicht wäre billiger umzusetzen und leichter zu kontrollieren.
          Besonders schwere Fälle können nicht mehr verlegt werden, weil der Transport aufwändig ist.

          Patienten-Transporte : „Die Leute können nicht mehr“

          Erst half Deutschland seinen Nachbarländern – nun ist das Gegenteil der Fall: Corona-Patienten müssen ins Ausland verlegt werden. Nicht nur Bayern will auf internationale Hilfe setzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.