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Chaos im Handball : „Davor haben wir alle gewarnt“

  • -Aktualisiert am

In Quarantäne: Nationaltorhüter Johannes Bitter Bild: Imago

Corona nach der Länderspielwoche: Die Handball-Bundesliga gerät schon aus dem Takt und könnte nun vor großen Problemen stehen: „Es wird sehr schwierig, Nachholspiele zu plazieren.“

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          Es waren denkwürdige Worte Filip Jichas vor dem Champions-League-Spiel am 21. Oktober in Aalborg. „Genießt es“, hatte der Trainer des THW Kiel seinen Spielern gesagt, „wir wissen nicht, wie lange wir das noch machen können.“ Der THW gewann im Schongang. Es waren Zuschauer in der Halle, es ging vor allem um Sander Sagosens Tore. Man sprach über Handball. Ein Hellseher ist Jicha nicht, aber er hatte damals schon eins und eins zusammengezählt. Nationalspieler Hendrik Pekeler hatte vor dem Lehrgang des Deutschen Handballbundes (DHB) Anfang November von der Einschätzung seines Trainers erzählt. Er teilt sie. Pekeler ist ein kluger Kopf, ein kritischer Geist. Am Mittwoch sagte er: „Jetzt hat sich im Endeffekt das bestätigt, wovor wir alle gewarnt haben.“

          Was ist passiert? Zwei Corona-Fälle aus dem Kreis der deutschen Nationalspieler haben den Bundesliga-Betrieb fürs Erste mehr oder minder lahmgelegt. Am Dienstag hatte sich Torwart Johannes Bitter vom TVB Stuttgart in häusliche Isolation begeben. Am Mittwoch folgte Spielmacher Marian Michalczik von den Füchsen Berlin. Beide sind symptomfrei. Die beiden „Fälle“ plus ihre Kontaktpersonen aus der Nationalmannschaft-Woche ergeben eine Vielzahl von Spielern, die an diesem siebten Spieltag der Bundesliga am Mittwoch und Donnerstag nicht auftreten werden. Die HBL verlegte deswegen die Spitzenspiele SG Flensburg-Handewitt gegen MT Melsungen (Mittwoch) und THW Kiel gegen Füchse Berlin (Donnerstag). Auch die Partie FA Göppingen bei der TSV Hannover-Burgdorf am Donnerstag wird verschoben. Daraus spricht Vorsicht, denn die negativ getesteten Nationalmannschaftsrückkehrer trainierten isoliert.

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          Der Flensburger Manager Dierk Schmäschke sagte: „Die Absage ist bedauerlich. Aber sie entspricht den Vorsichtsmaßnahmen, denn die Nationalspieler hatten Kontakt zu den positiv Getesteten. Wir gehen verantwortungsvoll mit den Spielern um. Allerdings können sich Spieler auch bei uns im Verein infizieren oder in der Champions League. Doch sind sie im Verein in einem stärker abgeschotteten Umfeld, als wenn sie kreuz und quer durch Europa fliegen. Wir werden uns mit solchen Situationen leider arrangieren müssen.“

          Die Melsunger waren am Dienstag schon in Flensburg angekommen, übernachteten dort und fuhren am Mittwoch zurück nach Nordhessen. Kiel und Flensburg haben zusätzlichen Termindruck, weil bei beiden schon je eine Partie in der Champions League ausgefallen ist. Der Kieler Geschäftsführer Viktor Szilagyi sagte: „Wir spielen bis zum Ende des Jahres sowieso im Drei-Tage-Rhythmus. Es wird daher sehr schwierig sein, mittlerweile zwei Nachholspiele zu plazieren.“

          Obwohl die Folgen der Lehrgangswoche des DHB mit Spielen gegen Bosnien und in Estland der Bundesliga arg zusetzen, blieb Kritik am DHB aus. Allenthalben wurde das Verbandshygienekonzept gelobt. Liga-Verband, DHB und der Kontinentalverband EHF wissen, wie kompliziert und komplex die Lage ist. Schuldzuweisungen und Skandalisierungen mit Blick auf mögliche Wettbewerbsnachteile bleiben bislang aus.

          Spielplan der Handball-WM 2021 in Ägypten

          Aber die Positiv-Fälle zeigen, dass die besten Vorsichtsmaßnahmen fehlschlagen können, wenn Spieler aus vielen Vereinen an vielen Orten in Europa zusammenkommen, um gegen Gegner zu spielen, für die das Gleiche gilt. Aus Sicht der HBL wäre eine Fokussierung auf den Ligabetrieb wünschenswert – keine Reisen über den Kontinent, keine Länderspiele. Doch auch die HBL sorgt sich um die Sichtbarkeit der Sportart, sollten nicht nur Qualifikationsspiele gestrichen werden, sondern am Ende auch Großveranstaltungen wie die Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten – wonach es bisher nicht aussieht.

          Noch seien die abgesagten Spiele in den engen Liga-Kalender einzupassen, sagte HBL-Chef Frank Bohmann am Mittwoch. Aber mit jeder weiteren ausgefallenen Partie werde es schwieriger, den Spielplan einzuhalten. Notpläne mit einer verkürzten, aber trotzdem gewerteten Saison gibt es schon. Das ist mit Blick auf die unsichere Situation nach der WM notwendig. Schon am Samstag und Sonntag soll weitergespielt werden. Vermutlich werden sich Bitter und Michalczik und die mit ihnen in Kontakt getretenen Kollegen bis dahin weiter in Quarantäne befinden.

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