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Judo-Grand-Slam in Tiflis : Der nächste Corona-Hotspot im Sport

Beim Judo kommen sich die Kämpfer zwangsläufig nahe. Bild: AFP

Nach 50 Corona-Fällen zieht sich das deutsche Team vom Grand Slam in Tiflis zurück. Dort trafen Judo-Kämpfer aus 82 Nationen aufeinander. Einer, der die Infektion schon erlebt hat, berichtet.

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          „Bis jetzt bin ich noch negativ“, sagt der frühere Judo-Weltmeister Alexander Wieczerzak nach seiner verfrühten Rückreise aus Tiflis, wo sich ein internationales Trainingscamp als Superspreading-Event entpuppt hat. „Ich weiß aber nicht, ob ich Anti-Körper gebildet habe“, so der 30-Jährige vom JC Wiesbaden. Und es sei auch noch nicht bekannt, ob die Corona-Fälle in Georgiens Hauptstadt auf eine Mutation zurückzuführen sind. Wieczerzak hatte bereits im Januar eine Corona-Erkrankung durchgemacht, die ihm ziemlich zusetzte. Aktuell beteiligt er sich an einer Studie der Sporthochschule Köln für mit Corona infizierte Leistungssportler.

          Achim Dreis
          (ad), Sport

          Aus Tiflis hatte der Deutsche Judo-Bund (DJB) seine komplette Mannschaft zurückgezogen, nachdem sich sieben Personen des 31-köpfigen Teams angesteckt hatten. Bei den Frauen soll es einen positiven Fall gegeben haben. Das Männerteam beklagt sechs Infizierte. Insgesamt wird die Zahl der positiven Fälle auf 40 bis 50 geschätzt, doch die Dunkelziffer dürfte erheblich höher sein. „Durch den Rückzug gehen uns wichtige Punkte für die Olympia-Qualifikation verloren, aber die Gesundheit der Athleten hat absoluten Vorrang“, erklärte DJB-Vorstand Frank Doetsch.

          Für den Grand-Slam an diesem Wochenende waren 504 Judo-Kämpfer aus 82 Nationen in Tiflis angemeldet. Zuvor hatte es bereits seit dem 10. März ein großes Trainingscamp gegeben, an dem insgesamt etwa 1000 Personen beteiligt waren. „Wir wurden mehrfach getestet“, versichert Wieczerzak, der sich mittlerweile schon so an die Mund-Nasen-Maske gewöhnt hat, dass er sie fast 24 Stunden am Tag trägt: „Außer beim Kämpfen.“ Doch es muss ein Leck in der Blase gegeben haben, das Hygiene- und Sicherheitskonzept der Organisatoren hat offensichtlich nicht gehalten.

          Nachdem er sich nach seiner Corona-Infektion im Januar „am Nullpunkt“ angekommen wähnte, und anschließend bei Leistungsüberprüfungen dramatisch schlechte Werte erzielte, fühlt sich der in der 81-Kilo-Klasse kämpfende Wieczerzak mittlerweile wieder weitgehend hergestellt. „Ich bin wieder fitter“, sagt er, nachdem er erheblichen Aufwand in sein Aufbautraining investierte, „doch es fehlen noch zehn Prozent.“

          Corona zieht sich durch das Olympia-Jahr: Alexander Wieczerzak war schon im Januar infiziert, reist nun verfrüht aus dem Trainingslager in Tiflis ab.
          Corona zieht sich durch das Olympia-Jahr: Alexander Wieczerzak war schon im Januar infiziert, reist nun verfrüht aus dem Trainingslager in Tiflis ab. : Bild: Imago

          Vor allem der Kampfgeist sei ihm abhanden gekommen. Was allerdings damit zusammen hängt, dass er wegen der Pandemie-Bestimmungen kaum noch Trainingspartner hat. Am Stützpunkt in Köln, wo der Wiesbadener gewohnheitsmäßig trainiert, sind ihm die Sparringspartner abhanden gekommen, denn außer den Hochleistungsathleten dürfen keine Judokas mehr auf auf die Matte. „Die B-, C- und D-Kader fehlen“, bedauert der Weltmeister von 2017 und WM-Dritte von 2018. Auch deshalb schien das internationale Trainingslager in Georgien so verlockend.

          Die dort infizierten Athleten, die nach DJB-Angaben symptomfrei sind, befinden sich derzeit noch in Tiflis in Quarantäne. Wieczerzak hatte am Mittwoch die Heimreise angetreten und sich danach noch zweimal testen lassen. Schon am ersten April-Wochenende steht für ihn in Antalya ein weiteres Großturnier auf dem Programm. Doch noch ist unklar, ob und wann er hinreisen wird. „Es ist alles ein Riesenfragezeichen.“

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