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Comeback der Olympiasiegerin : Sie will nur schmerzfrei spielen

„Noch viel Luft nach oben“: Beachvolleyball-Olympiasiegerin Kira Walkenhorst will es noch einmal wissen. Bild: Imago

Kira Walkenhorst gewann mit Laura Ludwig, was es zu gewinnen gab. Dann bremste sie ihr Körper. Nun gibt die Beachvolleyball-Olympiasiegerin ihr Comeback – mit junger Partnerin und reduzierten Zielen.

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          „Es sieht schon wieder sehr geschmeidig aus“, sagt Laura Ludwig in ihrer fröhlichen Art, nachdem sie Kira Walkenhorst im Training beobachtet hatte: „Man sieht, dass sie es nicht verlernt hat“, sagt die eine Beachvolleyball-Olympiasiegerin über die andere. Die so gelobte Kira Walkenhorst selbst sieht ihren Fitnesszustand zwar „maximal bei 60 Prozent“, aber die Essenerin hat in den vergangenen eineinhalb Jahren gelernt, sich gedanklich neu zu positionieren. „Ich arbeite aktuell nur mit kurzfristigen Zielen“, sagt sie: „Diese sind, schmerzfrei zu spielen und dabei vor allem Spaß zu haben.“

          An diesem Freitag gibt die 29-Jährige in Düsseldorf ihr Comeback im Wettkampfsport: Auf der „Road to Timmendorf“, der verkürzten Qualifikationsserie des deutschen Volleyball-Verbands zur deutschen Beach-Meisterschaft, spielt sie nach zweijähriger Pause erstmals wieder ein Turnier. An ihrer Seite wird Anna-Lena Grüne stehen, gerade 18 Jahre alt, und als hoffnungsvolles Talent am Strand gehandelt. „Eine tolle, junge, frische Partnerin“, wie es Laura Ludwig ausdrückt. Kira Walkenhorst hatte sie auf ungewöhnlichem, aber für die Zeit typischen Weg für sich gewonnen – über eine Suchanfrage auf ihren Social-Media-Plattformen.

          „Es ist mir eine Ehre, an Kiras Seite zu spielen“, sagt die junge Niedersächsin. Doch übertriebene Bewunderung will ihr Kira Walkenhorst umgehend austreiben: „Ich brauche keine Mitspielerin, die vor Ehrfurcht vor einer Olympiasiegerin erstarrt. Sie soll ganz unbeschwert aufspielen“, lautet die Ansage vor der Premiere. „Die ersten gemeinsamen Trainingseinheiten waren vielversprechend“, lobte Walkenhorst schon mal, räumte aber ein: „Natürlich ist noch viel Luft nach oben.“ Anna-Lena Grüne wiederum freut sich auf die Zusammenarbeit, erwartet, spielerisch einen großen Schritt nach vorne zu machen, bekannte aber auch: „Natürlich werde ich mega aufgeregt sein.“

          Anna-Lena Grüne: „Es ist mir eine Ehre, an Kiras Seite zu spielen“.

          Kira Walkenhorst hatte gemeinsam mit Laura Ludwig einige Jahre lang die Beach-Arenen der Welt gerockt. Die beiden ergänzten sich kongenial. Hier die ruhige Blockspielerin Walkenhorst, da die quirlige Abwehrspielerin Ludwig. Gemeinsam gewannen sie, was es zu gewinnen gab, holten zweimal den EM-Titel, triumphierten 2016 als Krönung bei Olympia und siegten zudem noch bei der Weltmeisterschaft 2017 und dem anschließenden World-Tour-Finale. Auch bei Publikum und Sportjournalisten kamen die beiden gut an, zweimal wurde das Duo zur „Mannschaft des Jahres“ gewählt. „Kira war die beste Spielerin der Welt“, sagt Laura Ludwig heute und bedauert noch immer das Ende ihrer sportlichen Beziehung. Was freilich nicht daran lag, dass Kira die Motivation verloren hätte: „Sie musste aufhören, weil sie ihr Körper gestoppt hatte.“

          Schulterverletzungen, Pfeiffersches Drüsenfieber und vor allem chronische Rückenprobleme begleiteten Walkenhorsts Weg selbst in sportlich guten Tagen. Mehr als zehn Operationen musste sie über sich ergehen lassen. Anfang 2019 zog sie dann „nach einer schier unendlichen, monatelangen medizinischen Odyssee“ einen Schlussstrich – der sich nun, eineinhalb Jahre später, doch als vorläufig erwies. „Nach erfolgreicher Therapie“, so erklärt es die einst leidgeprüfte Sportlerin, habe es ihr „wieder in den Fingern gejuckt“. Derzeit seien die Probleme „allesamt behoben. Mir geht es so gut wie lange nicht mehr.“

          Haben gemeinsam die Beach-Arenen der Welt gerockt: Laura Ludwig (links) und Kira Walkenhorst gewannen EM, WM und Olympia.

          Ihr Rücktritt Anfang 2019 hatte eine Kaskade der neuen Teambildungen in der deutschen Beach-Volleyball-Szene nach sich gezogen und einigen Sand aufgewirbelt. Laura Ludwig suchte und fand die ehemalige Hallen-Rekordnationalspielerin Margareta Kozuch als neue Spielpartnerin. Die von Kozuch verlassene Karla Borger schloss sich mit Julia Sude zusammen. Die von Sude düpierte Chantal Laboureur engagierte die aufstrebende Sandra Ittlinger, deren Freundin Kim Behrens wiederum mit Cinja Tillmann ein neues Team bildete. Alle gemeinsam kämpfen gegeneinander um zwei Plätze für die auf 2021 verschobene Olympiaqualifikation.

          Davon ist Kira Walkenhorst, die längst auf dem Olymp gestanden hatte, derzeit weit entfernt. Gleichwohl hat sie dank ihres neu entfachten inneren Feuers die Olympischen Spiele 2024 in Paris als Fernziel noch nicht ganz abgeschrieben. Einstweilen muss sie sich allerdings realistisch einordnen: Am Qualifikationsturnier zu den nationalen Titelkämpfen darf sie am Wochenende in Düsseldorf im Duett mit Anna-Lena Grüne nur dank einer Wildcard teilnehmen. An ihrem wieder entflammten Ehrgeiz änderte die Neuorientierung nach unten freilich nichts: „Natürlich ist die erfolgreiche Qualifikation für die deutsche Meisterschaft unser Ziel.“

          Sollte es in Düsseldorf noch nicht klappen, besteht 14 Tage später in Hamburg eine zweite Chance, den Sprung an den Timmendorfer Strand zu schaffen. Dort werden Anfang September die Titelträger gekürt. Dreimal stand Walkenhorst auch hier ganz oben auf dem Treppchen – jeweils mit Laura Ludwig. Die betrachtet das Wiedersehen mit ihrer einstigen Partnerin vor allem von der emotionalen Seite: „Ich glaube, Kira freut sich tierisch drauf, wieder ins Feld zu steigen, und ich freue mich auch drauf.“

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