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Comeback im Tennis : Die Achtziger sind wieder in Mode

Trainer werden ist nicht schwer, Trainer sein dagegen sehr: Wenn Novak Djokovic spielt, wird Boris Becker zum echten Hingucker Bild: dpa

Becker gegen Edberg, Lendl gegen Chang: Die Tennisduelle früherer Tage werden heute abseits des Platzes ausgetragen. Die Champions treffen nun als Coachs der aktuellen Stars aufeinander.

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          Wie bei jedem bedeutenden Tennisturnier, so werden auch am Rande der Australian Open wieder einige rüstige Jungsenioren zum Schläger greifen und zeigen, dass sie ihr feines Händchen immer noch geschickt einzusetzen verstehen. Gewöhnlich sind diese Wettbewerbe der weltberühmten „Legenden“ echte Attraktionen, die dem geneigten Publikum zur Zerstreuung dienen und Erinnerungen an große Duelle der Vergangenheit heraufbeschwören. In acht Tagen allerdings, wenn der erste Saisonhöhepunkt des Tennisjahres beginnt, wird sich der Blick weniger auf frühere Grand-Slam-Turniersieger wie Mats Wilander, Yannick Noah und Pat Cash richten, die in Melbourne auf dem Platz stehen, sondern vielmehr auf jene alten Kollegen, die auf den Tribünen sitzen. Denn in dieser ATP-Saison sind die Trainerstühle besser besetzt als die Schauplätze, auf denen um die Ehre gespielt wird. „Man sollte jetzt noch ein Turnier für die Trainer einführen“, sagte Goran Ivanisevic, der sich nun selbst als Coach von Marin Cilic versucht. War nur als Spaß gemeint.

          Wiedersehen macht Freude: Lendl und Edberg
          Wiedersehen macht Freude: Lendl und Edberg : Bild: Imago Sport
          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tatsächlich liest sich die Liste der Altstars, die sich nun Coach, Headcoach oder Berater nennen, wie ein „Who’s who“ der jüngeren Tennisgeschichte. Unter ihnen ist Ivan Lendl fast schon ein alter Hase, er betreut Andy Murray seit etwas mehr als zwei Jahren und hat den Schotten zum Olympiasieger, US-Open-Champion und Wimbledon-Gewinner gemacht. Der Kreis um Lendl hat sich in den vergangenen Wochen rasant erweitert. Boris Becker steht Novak Djokovic zur Seite. Stefan Edberg berät Roger Federer. Ivanisevic hilft seinem kroatischen Landsmann Cilic. Michael Chang soll den Japaner Kei Nishikori zum dauerhaften Top-Ten-Spieler formen. Und Sergi Bruguera, der zweimalige French-Open-Sieger aus Spanien, wurde vom Franzosen Richard Gasquet angeheuert. Wenn die ATP einen neuen Slogan benötigte, könnte sie sich bei privaten Radiostationen aus Deutschland bedienen. Bietet doch das aktuelle Herrentennis nicht weniger als das Beste aus den Achtzigern und Neunzigern und die Stars von heute.

          „Es ist einfacher zu spielen, als auf der Bank zu sitzen“

          Nun wird nicht nur das Publikum in einer Woche fasziniert nach Melbourne blicken, wo die Idole früherer Tage am Rande des Centre Courts sitzen und alte Schlachten aufs Neue schlagen. Becker gegen Edberg (35 Mal), Becker gegen Lendl (21 Mal), Becker gegen Ivanisevic (19 Mal), Edberg gegen Lendl (27 Mal), Lendl gegen Chang (siebenmal): Das waren Duelle, die die Massen elektrisierten – darunter die Stars von heute, als sie noch in den Kinderschuhen steckten. Von daher sind die zu Ausnahmekönnern gereiften Herren selbst überaus gespannt, wie sich ihre neuen Betreuer abseits des Platzes schlagen. „Wie großartig ist es, all diese Legenden unseres Sports als Trainer zu haben“, schrieb Murray bei Twitter, „ich liebe es total.“ Bei aller ernsthaften Vorfreude hat sich der Wimbledonsieger sogleich den Schabernack erlaubt, den Konkurrenzkampf vorab schon mal virtuell zu schüren. Seinen Twittereintrag hat Murray unter dem Schlagwort „mycoachisbetterthanyoursnanananana“ verbreitet. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Lendl wirklich der Trainerprimus inter Pares ist.

          Wieder im Spiel: Ivanisevic trainiert seinen Landsmann Cilic
          Wieder im Spiel: Ivanisevic trainiert seinen Landsmann Cilic : Bild: dpa

          Dass der stets stoisch wirkende Lendl es mit viel Rat und Tat geschafft hat, das Phlegma aus Murrays Spiel weitgehend zu verbannen und den Schotten aus dem Schatten der langjährigen Seriensieger Federer, Nadal und Djokovic zu befreien, ist ein Verdienst, das nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die neue spannende Frage ist, welche Wirkung die Trainerneulinge Becker und Edberg auf ihren jeweiligen Schützling haben werden. Die beiden Stars des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts stehen für eine Spielweise, die heute zur Rarität geworden ist: bei erstbester Gelegenheit den Weg ans Netz suchen, sooft wie irgend möglich Serve-and-Volley spielen. Becker behauptet zwar, „dass die Art, wie wir in den achtziger Jahren gespielt haben, sich nicht besonders davon unterscheidet, wie heute gespielt wird“. In Wirklichkeit jedoch prägen seit einiger Zeit die Konterspieler das Tennis, neben Nadal vor allem der von Becker betreute Djokovic.

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