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Comeback bestätigt : Armstrong: „Versuche, eine achte Tour zu gewinnen“

  • -Aktualisiert am

„Wir werden nicht versuchen, Zweiter zu werden” Bild: REUTERS

Lance Armstrong kehrt zurück. „Ich komme wieder“, sagte der siebenmalige Tour-de-France-Gewinner und gibt als Ziel einen achten Sieg in Frankreich an. Noch sucht der bald 37-Jährige allerdings einen Rennstall.

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          Er will tatsächlich zurückkehren, es soll den Radprofi Lance Armstrong wieder geben. „Ich komme wieder“, sagte der 2005 zurückgetretene Amerikaner am Dienstag in einem Interview der „Vanity Fair“. „Ich werde versuchen, eine achte Tour de France zu gewinnen“, erklärte er auf der Internetseite des Magazins.

          Zuvor hatte Armstrongs Sprecher Mark Higgins die Tour 2009 als „Ziel“ bezeichnet. Manager Bill Stapleton sagte der Nachrichtenagentur AP: „Wir werden nicht versuchen, Zweiter zu werden.“ Bei welchem Rennstall er sein Comeback feiern werde und welche anderen Rennen er bestreiten wolle, sei noch unklar. Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, der Rennstall Astana halte eine Tür für Armstrong offen.

          Einen Tag lang hatte Armstrong nicht auf die Fragen von Reportern geantwortet, die sie ihm per SMS und E-Mail schickten. Das Schweigen deuteten die meisten Medien als Zeichen, dass an dem Bericht auf der amerikanischen Website „velonews.com“, die von einer Rückkehr im kommenden Jahr sprach, doch etwas sein müsse. Denn es gab auch Indizien: So hatte sich der Mann, der in ein paar Tagen 37 Jahre alt wird, Anfang August bei der amerikanischen Anti-Doping-Agentur gemeldet, um sich in den kommenden Monaten jenen Dopingtests zu unterziehen, ohne die ein Sportler nach so langer Wettkampfpause gar nicht erst wieder zugelassen wird.

          Wofür trainiert Lance Armstrong?

          Wieder im Sattel, wieder fit

          Obendrein nahm Armstrong vor ein paar Wochen am „Leadville Trail 100“ teil, einem anspruchsvollen Mountainbike-Rennen über 160 Kilometer in Colorado, wo er den zweiten Platz belegte. Es war ein Auftritt, der Fachleuten den Eindruck vermittelte: Armstrong, der zuletzt zweimal den New York Marathon gelaufen war, sitzt wieder im Sattel, trainiert ernsthaft, und er ist fit. Johan Bruyneel, Armstrongs ehemaliger Team-Direktor bei US Postal Service und Discovery, der heute die Geschicke beim Team Astana lenkt, wiegelte noch ab: „Ich weiß nicht, woher die Gerüchte kommen“. Und sein Pressemann ergänzte: „Er ist nicht Teil unseres Teams. Wir haben keine Pläne mit ihm.“

          Armstrong möchte bei der Tour of California, Paris-Nizza, Tour de Georgia, der Dauphiné Libéré und der Tour de France 2009 starten. Erst vor etwas mehr als einem Jahr hatte er die ihm zusammen mit Manager Bill Stapleton gehörende Firma Tailwind Sports aufgelöst, die im Radsport aktiv war. Die öffentlichen Erklärungen für den endgültigen Abschied vom Radrennsport zwei Jahre nachdem er vom Rad gestiegen war, klangen damals nach Resignation.

          Hoffnung auf einen „Bernie Ecclestone“

          In einer Telefonpressekonferenz machte Armstrong hauptsächlich den Zwist zwischen dem Internationalen Radsportverband (UCI) und den Veranstaltern der Tour de France für die Glaubwürdigkeitskrise der von Dopingenthüllungen geplagten Sportart verantwortlich - aber er selbst hatte ja als Profi auch nicht den besten Leumund gehabt. „Vielleicht gibt es einen Bernie Ecclestone“, sagte Armstrong damals in Anspielung an den Mann, der seit Jahrzehnten die Formel 1 lenkt, „der einsteigt und eine Menge der Probleme löst und vielleicht sogar den Sport wirtschaftlich übernimmt. Im Augenblick befinden sich alle im Krieg: die Mannschaften, die Rennveranstalter, die Fahrer, die Presse, die Fans.“ Seine öffentliche Äußerung prangt seit kurzem an amerikanischen Kiosken, in einer Ausgabe des Magazins „Men's Journal“. Der Texaner wird darin mit den Worten zitiert: „Ich bin froh, dass ich keine Rennen mehr fahre.“

          Armstrong war jedoch schon immer fähig, sich wie ein Politiker zu inszenieren, der seine wahren Absichten mit rhetorischen Mitteln verschleiert. Auch bei Bruyneel ist das so eine Sache: Der Belgier hatte vor einem Jahr erklärt, er werde aus dem Geschäft aussteigen. Wenige Monate später hatte ihn die kasachische Regierung mit hinreichenden Argumenten überzeugt, dass nur er das ramponierte Astana-Projekt auf Vordermann bringen könne. Obendrein brachte er den spanischen Tour-Sieger Alberto Contador mit.

          Wenn Armstrong nun wieder in die Pedale tritt, erhält die kommende Saison zumindest aus amerikanischer Sicht einen ganz besonderen Zuschnitt. Schließlich dürfte auch Floyd Landis nach dem Ablauf seiner zweijährigen Dopingsperre von Januar an wieder mitmachen; er befindet sich derzeit auf der Suche nach einem Team. Auch Tyler Hamilton spielt wieder eine Rolle: Vor kurzem wurde er amerikanischer Meister. Der Olympiasieger von 2004, der wenig später des Blutdopings überführt wurde, fährt derzeit für das Team Rock Racing, das von Michael Ball finanziert wird, einem Jeanshersteller, der ein Herz für geächtete Rennfahrer zu haben scheint. Auch Armstrong ist keineswegs unumstritten, und doch sagte UCI-Präsident Pat McQuaid nun: „Wenn er zurückkommen will, hat er jedes Recht dazu.“

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