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Amerikanischer College-Sport : Nun stellen die Frauen die Rechnung

  • -Aktualisiert am

Sedona Prince reichte eine Sammelklage ein. Bild: AFP

Die Basketballspielerinnen im amerikanischen College-Sport sind populär. Doch sie fühlen sich gleich in mehrfacher Hinsicht benachteiligt. Nun wehren sich die Frauen gegen die Ungleichbehandlung.

          3 Min.

          Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte. Besonders, wenn sie einen Kontrast sichtbar machen. Bild eins, das die Sportphysiologin Ali Kershner von der kalifornischen Universität Stanford vor zwei Wochen auf Instagram hochlud, zeigt einen riesigen Saal voller Fitnessapparaturen und Hanteln beim Finalturnier um die College-Basketballmeisterschaft in Indianapolis. Das andere einen Ausschnitt von den kargen Trainingsmöglichkeiten in San Antonio.

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          Der entscheidende Unterschied? In Indianapolis waren Mitte März alle 68 Mannschaften der Männer zum Schutz gegen Covid-Infektionen in einer Blase zusammengezogen worden. Sie sollten bei dem populären Wettbewerb, der normalerweise unter dem Slogan „March Madness“ auf vierzehn unterschiedliche Orte verteilt wird, möglichst perfekte Bedingungen haben. Eine logistische Herausforderung, in die die National Collegiate Athletic Association (NCAA) drei Monate an Planungszeit investiert hatte.

          Einen ähnlichen Aufwand mit mehreren zentral gelegenen Hotels und Hallen, in denen mehrere tausend Aktive, Trainer und Betreuer untergebracht werden konnten, hatte die NCAA in Texas zwar auch für die parallel stattfindende Meisterschaft der College-Basketballerinnen getrieben. Doch dabei war den Organisatoren offensichtlich eines nicht ganz klar gewesen: Auch die Frauen brauchen ausreichend Fitnessgeräte.

          Menschen zweiter Klasse

          Die Panne wurde, kaum dass die Fotos in den sozialen Medien kursierten, rasch behoben. Und der Affront mit einer fadenscheinigen Erklärung („begrenzter Platz“) so gut wie möglich wegretuschiert. Doch der Eindruck blieb haften: Selbst im amerikanischen Bildungssystem, für das eine Gleichbehandlung der Geschlechter auch im Sport seit einem halben Jahrhundert gesetzlich verankert ist, werden Frauen oft genug als Menschen zweiter Klasse behandelt.

          Doch inzwischen werden die vielen kleinen und großen Formen der Ungleichbehandlung von den Betroffenen nicht länger stillschweigend als gegeben hingenommen. Zumal die Enthüllung Wirkung zeigte. NCAA-Präsident Mark Emmert sah sich genötigt, das Thema gleich mehrmals aufzugreifen. Nachdem erste Beschwichtigungsversuche nichts bewirkt hatten, bat er am Freitag um Entschuldigung vor den Achtel- und Viertelfinalbegegnungen bei den Basketballspielerinnen und erklärte, die Realität „spiegelt nicht wider, wie sehr wir sie schätzen und wie sehr wir uns um ihren Erfolg als Sportlerinnen“ kümmern.

          Die Rhetorik mag angemessen klingen. Was Emmert dabei gerne ignoriert, ist der heraufdämmernde große Kassensturz. So hatte das für die Staaten im Westen des Landes zuständige Bundesberufungsgericht im vergangenen Jahr eine Entscheidung der unteren Instanz bestätigt, wonach die NCAA gegen die Kartellgesetze verstößt, wenn sie den College-Sportlern mit Hinweis auf ein uraltes Amateur-Reglement strikt jede Möglichkeit untersagt, neben dem Studium – etwa durch Werbeverträge – Geld zu verdienen.

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