https://www.faz.net/-gtl-13uwi

Claudia Bokel über Olympia 2016 : „Es wird spannender als bei der Bundestagswahl“

  • Aktualisiert am

„Wir Sportler achten auf kurze Wege zu den Sportstätten”: Athletensprecherin Claudia Bokel Bild: dpa

Claudia Bokel ist die erste deutsche Frau im IOC. Als Mitglied der Athletenkommission stimmt sie am Freitag über die Olympiastadt 2016 ab. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über die Interessen der Sportler, „Bid Books“ und den Wahlkämpfer Barack Obama.

          Claudia Bokel ist die erste deutsche Frau im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Im August 2008 wurde die 36 Jahre alte ehemalige Degenfechterin in die Athletenkommission des IOC gewählt. An diesem Freitag stimmt sie in Kopenhagen über die Olympiastadt 2016 ab. Zur Auswahl stehen Chicago, Madrid, Rio de Janeiro und Tokio. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Claudia Bokel zuvor über die Interessen der Sportler, „Bid Books“ und Wahlkämpfer Barack Obama.

          Wissen Sie schon, welcher der vier Bewerberstädte Sie Ihre Stimme geben?

          Spätestens am Donnerstagabend bin ich mir sicher, wen ich am Freitag wählen werde.

          Gibt es irgendwelche Vorgaben, eine Art Fraktionszwang seitens des Deutschen Olympischen Sportbundes oder können Sie frei wählen?

          Ich kann mich völlig frei entscheiden. Außerdem sitze ich ja als Vertreterin der Athleten im IOC und werde bei dieser Wahl die Interessen der Sportler vertreten.

          Welche sind das?

          Wir Sportler achten auf kurze Wege zu den Sportstätten und gute Transportmöglichkeiten dorthin. Uns ist die Ausstattung des Olympischen Dorfes sehr wichtig, wie groß die Zimmer sind zum Beispiel. Außerdem wollen alle Sportler die Möglichkeit haben, etwas von der Atmosphäre des Olympischen Dorfes und von den anderen Sportarten mitzubekommen. Letztes Jahr waren die Segler enttäuscht, dass sie so weit vom Dorf in Peking entfernt waren. Diese Sportler sollten die Chance haben, nach ihren Wettkämpfen ins Hauptdorf umzuziehen.

          Nun haben Sie ja selbst, zumindest offiziell, nie eine der vier Bewerberstädte besucht. Wie informieren Sie sich?

          Ich habe die letzten zehn Tage kaum etwas anderes gemacht, als die „Bid Books“ durchzuarbeiten. Das sind pro Stadt drei Bewerberbücher, insgesamt rund zehn Zentimeter dick, die jede der vier Städte vorgelegt hat. Also zwölf Bücher. Da stehen so gut wie alle Infos drin. Es liegt mir zudem der Evaluationsbericht des IOC vor. Und im Juni haben sich ja auch schon alle vier Städte in Lausanne präsentiert.

          Früher gab es offene Bestechungsversuche der Bewerber, um an Stimmen zu kommen.

          Meine Arbeitskollegen haben mir schon ironisch gesagt, nach dem Wochenende in Kopenhagen müsse ich ja wohl nicht mehr zur Arbeit kommen. Aber das ist natürlich nicht so. Was früher war, weiß ich auch nicht. Aber wenn mir heute jemand ein Geschenk anbieten würde, dann würde ich es sicher ablehnen und meine Stimme einer anderen Stadt geben.

          Glauben Sie, dass der Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama in Kopenhagen einen Vorteil für Chicago bringt?

          Sicher ist Obama eine sehr charismatische Person. Aber gerade deshalb möchte ich mich schon vorher auf eine Stadt festgelegt haben. Das schützt vor Beeinflussung vor Ort.

          Welche Stadt wird gewinnen?

          Ich gebe keine Prognose ab. Aber eins weiß ich sicher. Die Wahl der Olympiastadt 2016 wird auf jeden Fall spannender als die Bundestagswahl.

          Weitere Themen

          Die „68“ und der große Traum

          Tschechien bei Eishockey-WM : Die „68“ und der große Traum

          Sie hoffen auf einen neuen Coup, auch die einstige Galionsfigur Jaromir Jagr ist begeistert. Bei der WM in der Slowakei ist Tschechiens Eishockey-Mannschaft so etwas wie das zweite Heimteam – mit teils kuriosen Folgen.

          Immer wieder Meister Video-Seite öffnen

          FC Bayern München : Immer wieder Meister

          Nach einem spannenden Finale heißt der Deutsche Meister zum 7. Mal in Folge: Bayern München. Somit hat das Team um Trainer Kovac die Chance, ihr selbst gesteckte Saisonziel zu erreichen.

          Topmeldungen

          Niki Lauda ist im Alter von 70 Jahren gestorben.

          Formel-1-Legende : Niki Lauda ist tot

          Formel-1-Legende Niki Lauda ist gestorben: Der dreifache Formel-1-Weltmeister wurde 70 Jahre alt.

          Österreichs Regierung am Boden : Von der Musterehe zum Rosenkrieg

          Aus den Rissen in der türkis-blauen Koalition wurden durch die Ibiza-Affäre in beeindruckender Geschwindigkeit Gräben. Die Neuwahl ist für Sebastian Kurz eine Chance, mehr Stimmen für die ÖVP zu gewinnen – aber sie birgt auch ein großes Risiko.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.