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City-Biathlon in Wiesbaden : Der Sieger heißt nicht Bø

  • -Aktualisiert am

Auf Rollskiern durch die Landeshauptstadt: Tarjei Boe führt zunächst das Feld an. Bild: Imago

Nur 900 statt der üblichen 15.000 Zuschauer. Auch die Sommer-Biathleten müssen sich an Corona-Regeln halten. Ob die Stars deshalb so viele Fahrkarten schießen?

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          Für ihre Eltern müssen sich die Brüder Bø nun etwas anderes einfallen lassen. Ursprünglich planten die beiden Norweger, das Weihnachtsgeschenk für Vater und Mutter aus Wiesbaden mitzubringen. Ein gemeinsamer Titel-Hattrick sollte es sein. Doch nach jeweils neun Schießfehlern überquerten weder Premierensieger Johannes Thingnes noch dessen Nachfolger Tarjei diesmal beim City-Biathlon in der hessischen Landeshauptstadt als Erster die Ziellinie am Bowling Green.

          Wie bei den Frauen, wo Julia Simon mit perfektem Schießergebnis triumphierte, stand auch bei den Männern am Ende der dritten Auflage des Rollski-Rennens um das Kurhaus die Mannschaft aus Frankreich ganz oben: Quentin Fillon Maillet hatte nach drei Fehlschüssen mehr als 30 Sekunden Vorsprung vor dem zweitplatzierten Tarjei Bø. Aus deutscher Sicht sorgte Debütant Lucas Fratzscher aus Oberhof als Fünfter für das beste Resultat.

          Ein anstrengender Sommer liege hinter ihm, erklärte der viertplatzierte Favorit Johannes Thingnes Bø. Im Januar war sein erster Sohn Gustav zur Welt gekommen. Trotz der Einschränkungen durch das Coronavirus sei er nie mehr gefordert gewesen, betonte der 27 Jahre alte Gesamtweltcupsieger. Ständig auf den Knien herumzurutschen und darauf zu achten, dass der Nachwuchs nicht für Unfug sorgt, das sei hart gewesen. „Ich bin froh, dass ich schon so früh große Erfolge im Sport hatte“, sagte der zehnmalige Weltmeister und Olympiasieger von 2018. Jetzt könne er mehr Wert auf Privates legen.

          Vom ersten Weltcup-Rennen an, das Ende November wie das letzte vor dem Abbruch wegen der Pandemie im finnischen Ort Kontiolahti ausgetragen werden soll, wolle er sich durchweg in Topform bewegen. Mit dem neuen Gewehr sollte es dann besser als am Sonntag funktionieren. Nicht nur den Skandinaviern mangelt es noch an Wettkampfroutine, nachdem die meisten Tests während der Vorbereitung ausfielen.

          Opfer der Krise wurde auch die Serie, die der City-Biathlon in Wiesbaden von diesem Jahr an mit zwei weiteren Veranstaltungen in Frankreich und Norwegen bilden sollte. „Wir wissen noch nicht, was nächstes Jahr passiert“, sagte Anton Wolf, einer der beiden Geschäftsführer der in Hessen verantwortlichen Agentur n plus sport. „Aber wir sind froh, dass wir ein Signal dafür setzen konnten, dass solche Events zu organisieren sind, wenn man sich auf die Situation einstellt und Lösungen findet.“ Nur bis zu 900 Zuschauer durften das Geschehen auf dem auf 1,6 Kilometer verkürzten Kurs beobachten; lediglich 500 Tickets gab es im freien Verkauf, der Rest wurde an Ehrengäste und Sponsoren verteilt. Die Runde, die sechsmal absolviert werden musste, war anders als sonst, da geschätzte 15.000 Passanten die Sportler begleiteten, nur von vier abgesperrten Zonen aus einzusehen. Die Tribüne, auf der die Fans bislang im Rücken der Sportler am Schießstand die Daumen drückten und Treffer bejubelten, gab es nicht. „Während des Rennens ist man vollkommen auf sich fixiert“, sagte Johannes Thingnes Bo. „Aber im Zielbereich fehlte schon die Soundkulisse.“ Der Wunsch nach Wettkämpfen sei jedoch so groß, dass man seine Arbeit auch gerne vor weniger Publikum verrichte.

          Die Veranstalter mussten höheren Aufwand betreiben, um in gesundheitlicher Hinsicht für Sicherheit zu sorgen. Nach dem ersten Liegendschießen kletterte jeweils ein Trüppchen Helfer aufs Podium, um schnellstmöglich mit bereitstehendem Sprühmittel die Matten zu desinfizieren. Ein scharfer Geruch breitete sich aus, der bis zum nächsten Ansturm der Athleten verflog. Durch die Verschiebung sei man diesmal mit dem City-Biathlon näher an der Saison, sagte Olympiasieger Ricco Groß, der als Nationaltrainer Österreichs vor Ort war. „Die Messer werden bereits gewetzt.“ Trotz der Zwangspause, die viele der Sportler überbrücken mussten, habe nun jeder „seine Hausaufgaben gemacht“. Was nicht für die Bøs galt. Sonst hätten sie bei ihrer Klasse ihr Weihnachtsgeschenk für die Eltern in Wiesbaden abgeholt.

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