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Vuelta : Der Ausdauerathlet Froome

  • -Aktualisiert am

Eingerahmt von den Verfolgern: Chris Froome auf der letzten Etappe mit dem Italiener Vicenzo Nibali (r.) und dem Gesamtdritten Ilnur Zakarin aus Russland Bild: Lizon/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Im sechsten Anlauf gewinnt der britische Radprofi Christopher Froome die Vuelta – und somit das ersehnte Double aus Tour de France und Spanien-Rundfahrt.

          Irgendwo zwischen fassungslos und hoch zufrieden schwankte die Stimmungslage von Christopher Froome, als er oben angekommen war. Kein Wunder, wenn man so lange auf diesen Moment hingearbeitet hat. Ausgerechnet am Angliru, jenem schrecklichen Berg, an dem er 2011 zu lange auf seinen schwächelnden Kapitän Bradley Wiggins warten musste und so seine eigene Chance auf den Gesamtsieg bei der Spanien-Rundfahrt einbüßte, war der britische Radprofi diesmal ganz auf der Höhe und hielt souverän die Konkurrenz inklusive des Gesamtzweiten Vincenzo Nibali in Schach. Selbst Alberto Contador, der sich am letzten Anstieg seiner Karriere noch einmal einen Sieg – den ersten in dieser Saison – holte, war jederzeit unter Kontrolle von Froomes Equipe Sky. Nur ein weiterer Fahrer – neben Contador – ließ an diesem Tag Froome hinter sich: Wout Poels. Der war schon 2011 vor Froome ins Ziel gekommen, damals allerdings noch in Diensten des rivalisierenden Teams Vacansoleil. Inzwischen ist Poels Froomes wichtigster Berghelfer – wie es der Brite damals für Wiggins war.

          Aber jetzt kann Froome, der Tour-Dominator, endlich auch einen Haken hinter die Vuelta machen. Vier Mal hat er die Tour de France gewonnen, aber bei der Spanien-Rundfahrt hatte es bei fünf Versuchen höchstens zu Platz zwei gereicht. Im sechsten Anlauf gelang nun sogar das rare Double: Tour- und Vuelta-Sieg in einer Saison. Ein Triumph, der Froome Tränen in die Augen trieb. „Es ist einfach ein großartiger Moment. Auf dem Berg, auf dem ich erstmals als Grand-Tour-Fahrer richtig in Erscheinung trat, nun nicht nur die Vuelta gewonnen, sondern auch das Double perfekt gemacht zu haben – das ist einfach umwerfend“, sagte er am Samstagabend, als nur noch die letzte, fürs Klassement bedeutungslose Etappe nach Madrid bevorstand. „Dafür lohnen sich all die Entbehrungen, die viele Zeit fern von zu Hause.“ Den letzten Tagessieg holte sich im Sprint der Italiener Matteo Trentin.

          Es war ein hartes Stück Arbeit. Als „Höllenrennen“ beschrieb Froome den Ritt hinauf zum Angliru. „Es war nass und kalt, nicht das Wetter, das ich liebe. Die Etappe war nur kurz, wurde aber sehr aggressiv gefahren. Viele Anstiege gab es, viele nasse, schwierige Abfahrten. Alles hätte da passieren können. Und je näher wir dem Ziel kamen, umso mehr zählte ich die Kilometer herunter“, sagte er.

          Aber nicht nur die Hatz hoch zum Angliru mit seinen bis zu 23 Prozent steilen Rampen forderte den ganzen Mann, sondern die drei Wochen durch die spanischen Berge insgesamt. „Die Vuelta ist ein physisch sehr hartes Rennen. Fast jeden Tag gab es hier eine echte Schlacht um das Klassement“, sagte er. „Das war vielleicht die härteste große Rundfahrt, die ich je gefahren bin.“

          Risiko in der Vorbereitung

          Für das Unternehmen Double ging er sogar ein kleines Risiko bei der Tour-Vorbereitung ein. „Es stimmt, ich ging ein wenig frisch in die Tour hinein, mit wenig Rennhärte in den Beinen. Aber das half mir, diese drei Wochen hier in Spanien durchzustehen“, sagte Froome. Und stolz verwies der Brite am Ende auf seinen Platz in der Radsport-Historie. „Es ist ja ein Zeichen für die Schwierigkeit des Doubles aus Tour und Vuelta, dass dies bisher so wenigen geglückt ist. Ich bin zudem der Erste, dem es gelang, die Vuelta nur einen Monat nach der Tour zu gewinnen.“ Das unterscheidet ihn von seinen Vorgängern Jacques Anquetil und Bernard Hinault. Als denen das Double gelang, wurde die Vuelta noch im Frühjahr, mehrere Monate vor der Tour, ausgetragen.

          Froome erweist sich damit als ganz besonderer Ausdauerathlet. Die Rivalen, die ihm, zumindest zeitweise, bei der Tour zusetzten, gingen südlich der Pyrenäen unter. Der Tour-Dritte Romain Bardet hatte schon früh nichts mehr mit dem Ausgang der Vuelta zu tun. Fabio Aru, in Frankreich der schärfste Rivale Froomes, fiel nur durch Verzweiflungsattacken auf. Selbst ausgeruhte Fahrer wie Nibali oder der am Ende drittplazierte Katjuscha-Profi Ilnur Zakarin, die nach dem Giro eine längere Pause einlegten, vermochten Froome nicht entscheidend zu fordern.

          Um endgültig zu Heroen wie Hinault und Anquetil aufzuschließen, fehlt Froome nur noch der fünfte Tour-Sieg. „Die Motivation, weitere große Dinge im Radsport zu vollbringen, ist da“, behauptete er. Die nächsten Herausforderungen warten schon auf Froome: das Teamzeitfahren am 17. September bei der WM in Bergen und – „wenn ich mich gut erhole“ – das Einzelzeitfahren.

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