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Chinas Heim-WM : Alles auf Schwimmen

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Die Dauerbelastung zehrt. Zhang Lin, mit seinem Sieg über die 800 Meter Freistil 2009 in Rom Chinas erster Weltmeister bei den Männern, kämpft seit Monaten um seine Form. In Schanghai wird er seinen Titel nicht verteidigen und wohl nur in der Lagenstaffel schwimmen, sagte Nationaltrainer Yao Zhengjie.

Gigantische Schwimmpaläste im deutschen Design

Ausgebrannt und erschöpft sei sie gewesen, sagt auch Liu Zige, die Überraschungs-Olympiasiegerin von Peking über 200 Meter Schmetterling. Nach der Weltmeisterschaft in Rom trat sie kürzer, 2010 war sie kaum zu sehen bei Wettkämpfen. Das tat der stillen und oft in sich gekehrten Liu Zige offenbar gut. Auch sie schwamm in Wuhan Jahresweltbestzeit. Ein schlechteres Ergebnis hätte womöglich nicht für die WM-Qualifikation gereicht, so hauchdünn war der Vorsprung vor der 19 Jahre alten Jiao Liuyang. Die drei Jahre ältere Liu Zige musste schwer kämpfen, um nicht die Weltmeisterschaft in ihrer Heimatstadt zu verpassen.

Dort ist schon seit Monaten alles vorbereitet. Neben dem Gelände der Weltausstellung von 2010 haben die Bautrupps gleich drei Schwimmpaläste hochgezogen, gigantische Dimensionen im deutschen Design. Bogenförmige Dachlandschaften spiegeln sich in einem flachen künstlichen See, eine Reverenz an die nahen Brücken über den Huangpu. „Wir hatten nur zwei Jahre Planungs- und Bauzeit für das gesamte Areal. Wir haben schon etliche Sportstätten realisiert, aber das ist selbst für uns Rekord“, sagt Magdalene Weiss, Projektleiterin der Schanghaier Filiale der Hamburger Architekten GMP. Nie zuvor wurden eigens für eine Schwimm-WM pompösere Anlagen errichtet. 250 Millionen Euro soll der olympiareife Komplex gekostet haben. Die beiden Stadien für Wasserball und Turmspringen haben jeweils 5000 Plätze, das zentrale Schwimmstadion fasst sogar 18.000 Zuschauer. Es könnten noch mehr sein, hätten die chinesischen Auftraggeber nicht auf eine ausladende Ehrentribüne mit separaten versteckten Zugängen und überbreiten Sesseln bestanden, Pflichtbestandteil jeder Sport- oder Veranstaltungsarena in der Volksrepublik. „Darauf wird sehr viel Wert gelegt“, sagt Magdalene Weiss.

Nur Weltmeister haben ausgesorgt

Alles wurde akribisch geplant, eine Peinlichkeit wie vor fünf Jahren, als Schanghai die Kurzbahn-WM ausrichtete, wollten die Sportkader unbedingt vermeiden. Kurz vor den Wettkämpfen mussten damals die Funktionäre des Weltverbands Fina feststellen, dass das vorgesehene Schwimmbecken einige Zentimeter zu kurz war. Daraufhin wurde die WM ins größte Tennisstadion Chinas verlegt, auf den Center Court wurde ein temporärer Pool gesetzt. Diesmal hat Zhou Jihong selbst alles überprüft. Die erfolgreichste Wassersprungtrainerin der Welt sei mehrmals auf die Baustelle gekommen, sagt die deutsche Architektin Magdalene Weiss - perfekte Weltmeisterschaften sollen es sein.

Für Chen Yin werden es wohl die letzten. Mit 25 Jahren ist er bereits einer der Ältesten im chinesischen Aufgebot, der ganz große internationale Erfolg blieb ihm bislang verwehrt. In Wuhan sicherte er sich zwar noch einmal den Landestitel über 200 Meter Schmetterling. Doch Chen Yins bisherige Bestmarke weckt keine Medaillenhoffnungen. Dennoch will er im Schwimmsport weiterarbeiten, er hat wohl auch keine andere Wahl. Anders als in westlichen Ländern biete Chinas Sportadministration ihren Topathleten keine Möglichkeit, neben dem Training zu studieren, klagt Chen. Wer die Normen nicht mehr erfüllt und aus d em Kader fliegt, muss bei null anfangen - zurück auf die Schulbank, einen Abschluss machen, einen Job suchen. Nur Olympiasieger, Weltmeister und Titelträger bei den Nationalspielen haben im Reich der Mitte ausgesorgt. Doch über ihre Zukunft denken nur wenige der chinesischen Athleten nach.

Chen Yin möchte das ändern. „Sollte ich Trainer werden, würde ich das selbständige Denken meiner Athleten fördern. Das ist wichtig“, sagt er. „Im Wasser ist der Sportler allein. Der Trainer kann seine Strategie entwickeln aufgrund des Feedbacks, das er von seinem Sportler bekommt. Doch wenn ich selbst meinen Körper kenne, ist das viel besser, als auf die Analyse des Trainers zu warten.“

Es ist eine Herkulesaufgabe. Selbständiges Denken ist in China bislang nur selten erwünscht.

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