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Verbot der Regierung : China verbietet Extremläufe nach tödlichem Unglück

Für 21 Sportler des Extremrennens in China kam jede Hilfe zu spät. Bild: dpa

Ein Ultramarathon in China endet in einer Tragödie mit 21 Toten. Überlebende Läufer erheben schwere Anschuldigungen gegen die Organisatoren. Die Regierung reagiert nun mit einem drastischen Verbot.

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          Die chinesische Regierung hat bis auf weiteres alle Extremläufe im Land verboten. Die Entscheidung ist eine Reaktion auf das tödliche Unglück während eines Ultramarathons in der Gansau-Provinz. Bei dem 100 Kilometer langen Gebirgslauf starben am 22. Mai 21 Teilnehmer während eines extremen Unwetters. Unter den Opfern befanden sich auch mehrere erfolgreiche chinesische Sportler, die in einem unzugänglichen Abschnitt der Strecke von Eisregen, Hagel und Sturmböen überrascht wurden.

          Alexander Davydov
          Sportredakteur.

          In einer aufwendigen Rettungsaktion konnten die restlichen 151 Athleten gerettet werden. Mehrere Läufer mussten wegen Entkräftung und Unterkühlung im Krankenhaus behandelt werden. Mehrere Teilnehmer beklagten nach dem Unglück die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen während des Rennens. So seien beispielsweise trotz des rapiden Temperaturumsturzes nicht ausreichend Wärmedecken für die Athleten bereit gestellt worden.

          Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters berichtete einer der überlebenden Läufer, dass das Mitführen von warmer Kleidung zwar vom Organisator empfohlen wurde, aber nicht verpflichtend war. Auch hätten an wichtigen Stellen Helfer und Streckenposten gefehlt. Die Athleten seien den extremen Wetterbedingungen praktisch schutzlos ausgeliefert gewesen. Im Internet wurden zudem auch die staatlichen Regularien kritisiert, die das Rennen sanktioniert hatten. Der Bürgermeister der Gastgeberstadt Baiyin äußerte in einer Fernsehübertragung seine Bestürzung angesichts des Vorfalls. Die Provinzregierung ordnete eine Untersuchung an.

          Konsequenzen aus der Tragödie

          Nun zieht Chinas Sportverwaltung Konsequenzen aus der Tragödie: „Um die Gesundheit und Sicherheit der Menschen wirksam zu schützen, werden wir ab sofort aufkommende Hochrisikosportveranstaltungen mit unklaren Managementverantwortungen, nicht ausreichenden Regeln und zu unklaren Sicherheitsschutzstandards aussetzen“, heißt es in einer offiziellen Erklärung.

          Betroffen seien demnach sämtliche Ultraläufe und Rennen, die unter extremen Bedingungen stattfinden, wie etwa im Gebirge oder der Wüste. Auch seien Flüge mit sogenannten Wingsuits untersagt. Ziel des Verbots sei es, die staatlichen Regulierung zu verbessern, sowie Standards und Regeln zu stärken und damit die Sicherheit für die Teilnehmer zu erhöhen.

          Medienberichten zufolge wurden zudem im Vorfeld des 100-jährigen Jubiläums der Kommunistische Partei Chinas lokale Behörden aufgefordert, sämtliche sportlichen Veranstaltungen abzusagen, bei denen man ein Gefahrenpotential vermute. In China erfreuen sich Extremläufe einer wachsenden Beliebtheit. Laut einem Bericht der Chinese Athletic Association fanden im Jahre 2019 insgesamt 1828 Rennen mit mehr als sieben Millionen Teilnehmern statt. Die chinesischen Behörden ließen offen, wie lange das Verbot von Ultraläufen dauern werde.

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