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Chicago-Marathon : Vier Jahre bis zum Sieg

Hat beim Chicago-Marathon alle abgehängt: Dennis Kimetto aus Kenia Bild: REUTERS

Kurzer Anlauf: Dennis Kimetto gewinnt nach nur vier Jahren Training den Chicago-Marathon. Den Weltrekord hat der Kenianer nur knapp verpasst.

          Die Welt des Sports ist voller Wunder, die des Laufsports schon gar. Am Sonntag hat der Kenianer Dennis Kimetto, nach nur vier Jahren Training, den Chicago-Marathon gewonnen und dabei, ohne es recht zu bemerken, den Weltrekord um lediglich 22 Sekunden verpasst. Kimetto, der im Januar dreißig Jahre alt wird, brauchte 2:03:45 Stunden. Es war die zweitbeste Leistung des Jahres. Nur die Weltrekord-Läufer Wilson Kipsang (2:03:23 in Berlin vor zwei Wochen und 2:03:41 in Frankfurt 2011) und Patrik Makau (2:03:38 in Berlin 2011) waren auf den 42,195 Kilometer schneller. Sein Landsmann Emmanuel Mutai, Sieger des London-Marathons 2011, brauchte lediglich sieben Sekunden länger und ist damit nun die Nummer vier der Marathon-Welt. Erst vor fünf Jahren unterbot der Äthiopier Haile Gebrselassie bei seinem Sieg in Berlin als erster Marathonläufer der Welt 124 Minuten (2:03:59). Nun sind vier Kenianer schneller als er.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Kimetto hat die erstaunlichste Entwicklung genommen. In Chicago erzählte er, dass er bis 2010 vom Maisanbau lebte und die eine oder andere Kuh hielt. Dann traf er in einem Einkaufszentrum den Marathonläufer Geoffrey Mutai. Kimetto begann, regelmäßig zu laufen, schloss sich der Trainingsgruppe von Mutai an – und gewann 2011 den Nairobi-Halbmarathon. Im Jahr darauf verbesserte er beim Sieg im BIG Berlin (1:11:18 Stunden) den Weltrekord über 25 Kilometer um 32 Sekunden. Wenige Monate später, in Berlin 2012, gab er sein Marathon-Debüt: das schnellste, das es je gegeben hat. Strikt hinter Trainingspartner Geoffrey Mutai laufend, war er nach 2:04:06 Stunden im Ziel und muss sich seitdem fragen lassen, ob er auf das Überholen verzichtete, weil sein Förderer vor dem Gewinn der World Marathon Majors stand.

          Die Männer rannten auf Weltrekord-Kurs

          Im nächsten Jahr könnte Kimetto selbst die Prämie von 500.000 Dollar einstreichen; mit seinem Sieg beim Tokio-Marathon im Februar (2:06:50) führt er in der Wertung für 2013/14. Mit ein paar Monaten mehr Training dürfte von Kimetto noch viel zu erwarten sein. In diesem Sommer überwand er zunächst eine Malaria-Infektion, dann litt er an Rückenbeschwerden. Sechs Wochen ungestörtes Training, sagte er, hätten ausgereicht für eine perfekte Vorbereitung. Die Mühe wurde mit 175.000 Dollar Prämie belohnt, zusätzlich zu seinem Antrittsgeld.

          Im Rennen der Frauen siegte die 32 Jahre alte Kenianerin Rita Jeptoo (2:19:57 Stunden). Sie blieb dabei als erste Marathonläuferin in diesem Jahr unter 2:20 Stunden. 2012 war sie noch im Sprint besiegt worden. Im April hatte Jeptoo aber den Boston-Marathon (2:26:25) gewonnen. Nun dominierte sie das gesamte Feld. Die erste Hälfte des Rennens lief sie mit der Konkurrenz in 71:15 Minuten, auf der zweiten forcierte sie allein und brauchte nur 68:42. „Negative Zwischenzeiten“ nennen das Experten, weil Läufer und Läuferinnen üblicherweise auf dem zweiten Teilstück langsamer werden. Jeptoo hielt sich offenbar bis Kilometer dreißig zurück. Von dort ins Ziel, 12,195 Kilometer, lief sie in 39:05 Minuten. Berichterstatter rechneten das Tempo, wäre sie von Anfang an so schnell gelaufen, auf 2:15:13 Stunden hoch. Dann wäre die Siegerin zwölf Sekunden unter dem zehn Jahre alten Weltrekord der Britin Paula Radcliffe geblieben.

          Die Männer rannten dagegen vom Start weg auf Weltrekord-Kurs. Die Spitze war nach der Hälfte (61:52 Minuten) auf zwölf geschmolzen, selbst Halbmarathon-Weltrekordhalter Zersenay Tadese konnte nicht mithalten. Kurz darauf, bei Kilometer 25, schied der letzte Tempomacher aus. Er habe überhaupt nicht auf die Zeit geachtet, sagte Kimetto später. Erst auf der Ziellinie habe er bemerkt, dass er den Streckenrekord gebrochen habe. Bei Kilometer 40, nach einer Verpflegungsstation, hatte er Mutai, den Letzten, der mithalten konnte, bei einem energischen Antritt hinter sich gelassen. Dem fiel vor Schreck die Trinkflasche aus der Hand; er wurde zum sechsten Mal bei einem großen Marathon Zweiter. Kein Wunder, bei dem Gegner.

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