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Chiara Hoenhorst : Volleyballerin beendet Karriere ein Jahr nach Amokfahrt

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Nach dem Unglück spielte Chiara Hoenhorst (links) mit Kopfschutz. Bild: Picture-Alliance

Vor einem Jahr wurde Chiara Hoenhorst bei der Amokfahrt in Münster schwer verletzt. Nun muss die Spielerin ihre Karriere in der Volleyball-Bundesliga mit nur 22 Jahren beenden.

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          Volleyballspielerin Chiara Hoenhorst vom Bundesligaverein USC Münster hat ihre Profikarriere beendet. Die 22-Jährige, die bei der Amokfahrt in Münster vor einem Jahr von einem psychisch kranken Mann angefahren wurde und schwere Kopfverletzungen erlitt, belasten seit November sogenannte Doppelbilder. „Der Druck, der nach dem Unfall auf den Sehnerven gelastet hat, war so groß, dass diese Folgeerkrankung jetzt aufgetreten ist“, wird Hoenhorst auf der Website des Vereins zitiert: „Die Ärzte sagen, dass die Doppelbilder mit der Zeit auch wieder weggehen können. Dazu muss ich aber erst einmal kürzer treten und den Profisport an den Nagel hängen.“

          Bei der Amokfahrt am 7. April des vergangenen Jahres fuhr ein Mann mit einem Kleinbus in die belebte Altstadt von Münster und lenkte das Fahrzeug absichtlich in die Menge. Vier Menschen starben, der Täter erschoss sich anschließend selbst. Ihre Karriere beendet sie nun schweren Herzens. „Meine Mitspielerinnen sind meine Freundinnen geworden. Das bleibt natürlich auch so, wenn ich nicht mehr im Team bin. Und ich verdanke ihnen und dem Verein sehr viel. Der Sport hat mir damals sehr geholfen.“ Aber sie versucht positiv an die Zukunft zu gehen: „Das Leben wird natürlich schon komplett umgekrempelt. Aber ich freue mich auch auf die neu hinzukommende Freizeit. Gerade jetzt, wo Frühling und Sommer anstehen“

          Chiara Hoenhorst kann sich an Tag des Unglücks nicht erinnern, obwohl es um ein Haar der letzte Tag ihres Lebens gewesen wäre. „Mein Ersthelfer hat mir verraten, dass er damals nicht davon ausgegangen ist, dass ich das überlebe“, sagt sie im vergangenen September, als sie sich auf der Homepage ihres Vereins erstmals öffentlich äußerte. Sie verdankt ihr Leben den Rettungssanitätern am Unfallort und den behandelnden Ärzten, vor allem aber wohl ihrem Ersthelfer. „Er ist Berufssoldat und war daher in der Lage, die Schwere meiner Verletzungen sehr gut einschätzen zu können“, sagt sie.

          Im Herbst traf sie ihren Retter, die Begegnung sei für sie „sehr beeindruckend“ gewesen: „Er sagte mir, dass er verschiedene Anzeichen für eine schwere Kopfverletzung bei mir ausgemacht hat. Das hat er den herbeigeeilten Rettungssanitätern gleich mit auf den Weg gegeben.“ Wegen der starken Schwellungen im Schädel wurde Hoenhorst zwischenzeitlich ein Stück Schädeldecke entfernt, das später in einer zweiten OP wieder eingesetzt wurde.

          An den Tathergang kann Hoenhorst sich nicht mehr erinnern. „Ich war mit meiner Freundin shoppen“, sagt die junge Frau, die von ihrer Begleitung über die Geschehnisse aufgeklärt wurde: „Wir waren auf dem Rückweg Richtung Prinzipalmarkt. Vor der Terrasse des Restaurants Kiepenkerl fehlten zwei Poller, durch die der Fahrer durch ist. Wir sind genau in diesem Moment einfach über den Bürgersteig dort hergelaufen.“ Beide wurden von dem Kleinbus erfasst.

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