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Beachteam Laboureur/Sude : „Für zehn Bälle und eine Tasche“

  • -Aktualisiert am

Chantal Laboureur: „Der Verband sollte einfach keine andere Chance haben, als uns aufgrund unserer sportlichen Leistungen zu nominieren“ Bild: Picture-Alliance

Mit Julia Sude bildet sie das einzige deutsche Team bei der Beach-WM, das keinen Nationalkader-Status genießt. Wie sich das auswirkt, erzählt Chantal Laboureur im Gespräch mit FAZ.NET.

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          Chantal Laboureur und Julia Sude, überraschend als Gruppensieger in die Runde der besten 32 bei der Beachvolleyball-WM eingezogen, sind nun gescheitert. In der ersten K.o. Runde verloren sie 0:2 gegen Tatjana Maschkowa und Irina Zimbalowaus aus Kasachstan. 

          Laboureur/Sude ist das einzige deutsche Team bei der WM in den Niederlanden, das - im Gegensatz zu Karla Borger/Britta Büthe, Katrin Holtwick/Ilka Semmler sowie Laura Ludwig/Kira Walkenhorst - keinen Nationalkaderstatus genießt. Dadurch fehlen wichtige Einnahmen. Wie sich das auswirkt, erzählt Chantal Laboureur im Gespräch mit FAZ.NET.

          Nach einer tollen Vorrunde nun das Aus in der ersten K.o.-Runde. Wie konnte das passieren?

          Wir konnten zu keiner Zeit die Leistung der Vorrunde zeigen. Unsere Gegnerinnen haben gut aufgeschlagen. Jeder hatte die Erwartung, dass wir das Spiel gewinnen. Im Moment sind wir ziemlich enttäuscht.

          Mit drei Siegen aus drei Spielen haben sie trotzdem eine beeindruckende Vorrunde gespielt, vorher hatten sie auch Erfolge in der World-Tour. Trotzdem sind sie das einzige der vier deutschen Damenteams, das ohne Nationalkaderstatus bei der WM antritt. Warum?

          Die Nationalteams werden Ende des Jahres festgelegt, da waren wir punktemäßig das vierte Team. Dementsprechend war das berechtigt. Mittlerweile sind wir aber die Nummer drei. Ende des Jahres wird neu entschieden.

          Wo werden für Sie Unterschiede zu den Nationalteams offensichtlich bei der WM?

          Bei der WM sind die nicht so offensichtlich, weil der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) dort alle Kosten übernimmt. Es sind drei Physiotherapeuten und drei Scouts dabei, die wir nutzen können. Bei den Turnieren der World Tour ist es anders. Da schickt der Verband teilweise einen Physiotherapeuten mit und dann werden die Nationalteams bevorzugt behandelt. Wir dürfen ihn nur bei akuten Dingen nutzen.

          Und finanziell?

          Die Nationalteams bekommen Budgets, mit denen sie beispielsweise ihre Trainer bezahlen können. Das fehlt uns natürlich. Wir haben zehn Beach-Volleybälle und eine Balltasche bekommen. Da wir beide den B-Kader-Status haben, können wir immerhin die Olympiastützpunkte nutzen.

          Trotzdem sind Sie ein Kandidat für die Olympischen Spiele. Fühlen Sie sich benachteiligt?

          Chantal Laboureur (rechts) mit Julia Sude: „Wir schauen eigentlich nur auf uns“
          Chantal Laboureur (rechts) mit Julia Sude: „Wir schauen eigentlich nur auf uns“ : Bild: dpa

          Wir können den Zustand nicht ändern. Im November werden die neuen Nominierungen bekannt gegeben. Da sollte der Verband einfach keine andere Chance haben, als uns aufgrund unserer sportlichen Leistungen zu nominieren.

          Theoretisch kann der DVV fünf Nationalteams nominieren, es sind aber nur drei bei den Frauen. Warum nominiert er nicht mehrere?

          Gute Frage, die drei jetzigen sind einfach schon lange dabei und erfolgreich. Vielleicht will der DVV das Budget lieber unter drei Teams statt unter fünf aufteilen, um die Chancen zu erhöhen.

          Die Nationalteams sollen nun ihrerseits 30.000 Euro zahlen, weil sie sich selbst vermarkten können und das nicht durch den DVV geschieht. Was halten sie davon?

          Das ist ein sehr schwieriges Thema. Tatsache ist, dass der Nationalkaderstatus bei Sponsorenverhandlungen hilft, aber ich kann die Aufregung der Spieler gut verstehen. In unserem Sport kämpft man schließlich um jeden Cent und da sind 30.000 Euro eine Menge Geld.

          Was bedeutet das Aus nun für Ihre Chancen auf die Olympiaqualifikation? Schließlich ist die WM auch das wichtigste Qualifikationsturnier.

          Am Ende gehen die zwölf besten Ergebnisse jedes Teams in die Wertung ein. Es bleibt zu hoffen, dass unser 17. Platz am Ende nicht dazu zählen wird.

          Bei Olympia dürfen maximal zwei Teams einer Nation teilnehmen. Was ist schwieriger: unter die Top15 der Olympia-Rangliste zu kommen oder das mindestens zweitbeste deutsche Team zu sein?

          Ich denke, mindestens das zweitbeste deutsche Team zu sein ist schwieriger. Dadurch, dass in der Rangliste an der Spitze mehrere brasilianische Teams stehen, reicht es am Ende wahrscheinlich auch, in den Top18 zu sein.

          Ihre deutschen Kolleginnen sind als die härtesten Konkurrentinnen. Wie verfolgt Sie deren Spiele?

          Wir schauen eigentlich nur auf uns. Das Spiel in der ersten K.o. Runde (1:2 Niederlage) von Britta (Büthe) und Karla (Borger) habe ich mir angeguckt. Von Laura (Ludwig) und Kira (Walkenhorst) aber habe ich zum Beispiel dieses Jahr noch gar kein Spiel geschaut. Und Katrin (Holtwick) und Ilka (Semmler) habe nur als Gegnerinnen auf der anderen Netzseite gesehen.

          Zwei von sechs deutschen Teams überstehen die erste K.o.-Runde

          Von den deutschen Frauen-Teams zogen nur Katrin Holtwick und Ilka Semmler ins Achtelfinale ein. Sie gewannen gegen das Gastgeber-Team Jantine van der Vlist und Sophie van Gestel mit 2:0 (21:17, 23:21).

          Neben Chantal Laboureur und Julia Sude, die gegen Tatyana Mashkova und Irina Tsimbalova aus Kasachstan 0:2 (18:21, 14:21) unterlagen, sind auch die Vize-Weltmeisterinnen von 2013, Britta Büthe und Karla Borger schon zum Auftakt der K.o.-Runde ausgeschieden. Das deutsche Nationalteam scheiterte an Heather Bansley und Sarah Pavan aus Kandada mit 1:2 (13:21, 21:19, 13:15). Auch Laura Ludwig/Kira Walkenhorst scheiterten früh, sie unterlagen Jewgenia Ukolowa/Jekaterina Birlowa (Russland) 0:2 (16:21,16:21).

          Bei den Männern kamen die WM-Dritten von 2013, Jonathan Erdmann und Kay Matysik, gegen die Chilenen Marco und Esteban Grimalt mit 2:0 (21:17, 21:14) weiter. Am Abend unterlagen dagegen Alexander Walkenhorst und Stefan Windscheif gegen die Amerikaner Lucena/Brunner mit 0:2 (18:21, 15:21).

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