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Neuer Schwimm-Wettbewerb : Eine dreiste Kopie mit Schwächen

  • -Aktualisiert am

Start mit Lichtshow: die Britin Louise Imogen Clark bei der Champions Swim Series Bild: EPA

Mit der Champions Swim Series orientiert sich der Weltverband Fina deutlich an einem geplanten Konkurrenz-Wettkampf. Dabei geht es vor allem um Geld – um Summen in Millionenhöhe.

          Ajna Kesély strahlte. Schnaufend, aber glücklich gab die Ungarin ihr Siegerinterview, und als sie sich beim Publikum in der Budapester Duna Arena bedankte, kamen der 18-Jährigen gar die Tränen. Eine strahlende Gewinnerin aus der Gastgeberstadt, dazu große Gefühle für die Nahaufnahme – es war ein Auftakt an diesem Wochenende, wie ihn sich jeder Veranstalter nur wünschen kann, wenn er ein neues Event aus dem Hut zaubert.Tatsächlich hat der Schwimm-Weltverband (Fina) einiges richtig gemacht mit der Champions Swim Series. Nur Finalläufe mit vier Schwimmern, 50- bis 200-Meter-Rennen – insgesamt ergibt das 90 Minuten gute Unterhaltung in einer Sportart, die sich „seit Millionen Jahren“ nicht verändert hat, wie Olympiasiegerin Sarah Sjöström sagt. Die Zuschauer im ohnehin schwimmverrückten Ungarn, die für ihre Tickets zwischen 10 und 15 Euro bezahlt haben, waren jedenfalls begeistert.

          Gut, es waren nicht, wie es das Konzept vorsah, jeweils Olympiasieger, Weltmeister, Weltrekordhalter und Weltranglistenerste, die gegeneinander antraten. Und doch waren einige Stars dabei – dazu dann meist immerhin Schwimmer aus den Top Ten des vergangenen Jahres, so dass es in vielen Rennen einigermaßen eng zuging. In anderen, wie den 200 Meter Brust, betrug die Spanne zwischen Siegerin Julija Jefimowa und der zweitplazierten Eszter Békési ganze fünf Züge.

          Top-Schwimmer, Top-Stimmung, Top-Event möchte man sagen. Einzig: Das, was an diesem Wettkampf gefällt, hat der Weltverband abgekupfert, als Antwort auf die Bestrebungen der International Swimming League ISL, eine professionelle Schwimmliga zu gründen. Also kopierte die Fina das ISL-Konzept zur Modernisierung des Schwimmsports, legte ordentlich Geld obendrauf und hoffte, damit die Schwimmer davon abzuhalten, gemeinsam für faire Beteiligung an jenen Millionen zu streiten, die die Fina Jahr für Jahr mit ihnen verdient.

          Warum kein Boykott?

          Warum also nicht gleich ein Zeichen setzen und diese dreiste Kopie boykottieren? Das sei nicht der richtige Weg, finden viele, und tatsächlich kann man dieses Event auch als „Schritt in die richtige Richtung“ sehen, wie es etwa Adam Peaty sagt, jener Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordhalter, der der Einladung der Fina nicht gefolgt ist. „Dieses Event ist ein guter Start. Der Schwimmsport verändert sich gerade ziemlich schnell, und das ist toll“, sagt Sjöström, die am Samstag 20.000 US-Dollar (etwa 17.800 Euro) für zwei Siege einstreichen konnte. Allein wegen dieser Prämien (auch für Platz vier gibt es noch etwa 4400 Euro) ist diese Fina-Serie für die vielen Top-Schwimmer, die anders als Peaty oder Sjöström nicht von ihrem Sport leben können, ein willkommenes Zubrot, zumal die Fina auch die Reisekosten übernimmt. Die ISL verspricht aber auch, die Hälfte des Gewinns an die Sportler abzugeben. Bei der Fina kommt man mit gutem Willen und dank der neuen Serie vielleicht auf ein Zehntel.

          Ob des wohlmeinenden Feedbacks ist auch Julio Maglione, der 83 Jahre alte Fina-Präsident, voller Begeisterung für das „brandneue Event mit den besten Schwimmern des Planeten“, schließlich sei deren positive Rückmeldung der „einzig wichtige Maßstab für Erfolg“. Und doch zeigte auch dieses pompös präsentierte Event, was die Fina immer noch nicht verstanden hat: dass es eben nicht nur darum geht, mit Geld auf Unzufriedenheit zu werfen. Es geht um Respekt, um Konzepte, die den Sport weiterbringen.

          All das macht die ISL, die im November Premiere feiern will. Sie sieht die Schwimmer als gleichberechtigte Partner, hat detaillierte Pläne für die Entwicklung des Sports, hat Medienpartner, die die Liga zu jenen bringen, die sie feiern sollen. Die Fina-Serie wird auf dem hauseigenen Internetkanal übertragen.

          Die Pläne des Weltverbands, wie man den ihm anvertrauten Sport modern und zukunftsfähig gestalten kann, enden indes offenbar bei der Idee, den Showanteil im Sportevent mit Akrobatik-Einlagen zu vergrößern. „Man merkt den Plänen der ISL an, dass sie mit Schwimmern zusammen entwickelt wurde“, stellt auch Philip Heintz fest, der als Fünftschnellster über 200 Meter Lagen 2018 von der Fina ebenso eingeladen wurde wie die WM-Zweite über 200 Meter Schmetterling, Franziska Hentke. So lägen die einzelnen ISL-Stationen nicht nur räumlich, sondern vor allem zeitlich näher zusammen, was es sehr viel leichter mache, die Starts in Trainingspläne einzubinden. Die drei Stationen der Champions Swim Series finden auf drei Kontinenten statt. Die sportliche Abfolge bei der Premiere in China war so wenig durchdacht, dass Schwimmer intervenierten. Immerhin: „Die Fina hat unser Feedback eingeholt und Dinge geändert“, sagt Michael Andrew.

          Der Kurzbahn-Weltmeister, der mit zwei weiteren Schwimmern in den Vereinigten Staaten Klage gegen das Wettkampfmonopol des Weltverbands eingereicht hat, freut sich ebenfalls über diese neuen Möglichkeiten für Schwimmer. Doch der 19-Jährige macht auch klar, dass dieses Event kaum mehr als ein „Pflaster“ auf einer großen Wunde sein kann: „Das wird nichts heilen.“ Die Fina sei zwar etwas bemühter als zuvor. „Doch das Loch ist bereits so tief, dass es der Fina schwerfallen wird, sich da rauszugraben.“

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