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Leichtathletik-EM in München : Warum Carolin Schäfer „nachsitzen“ musste

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg zu alten Höhen? Carolin Schäfer, hier 2020, will sich in München steigern. Bild: REUTERS

Schwere Zeiten liegen hinter Siebenkämpferin Carolin Schäfer. Doch bei der Europameisterschaft will die hessische Leichtathletin ihre alte Stärke demonstrieren.

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          In Ratingen erkannte Carolin Schäfer sich nicht wieder. Beim ersten Siebenkampf der Saison, im Mai, brachte die Leichtathletin der Frankfurter Eintracht, deren Bestleistung seit 2017 bei 6836 Punkten steht, nur 6170 Zähler zusammen. Es war ein Zeichen dafür, dass in der Vorbereitung etwas schiefgelaufen war. Nach intensiver Beratung mit ihren Trainern Stefanie und Michael Kaul zog sich die 30-Jährige zum Neuaufbau ins Training zurück. „Nachsitzen im Kraftraum“, nennt Schäfer das heute. Zum Glück sei dafür noch Zeit gewesen. Der „emotionale Höhepunkt der Saison“, die Europameisterschaften in München, waren noch drei Monate entfernt.

          An diesem Mittwoch beginnt für die Allrounderin das zweitägige Heimspiel im Olympiastadion. Erinnerungen an die kontinentalen Titelkämpfe 2018 in Berlin werden wach, als Schäfer beim finalen 800-Meter-Lauf mit Standing Ovations und Sprechchören im Ziel empfangen wurde. „Das kann man sich von außen kaum vorstellen, was das mit einem macht“, sagt die damalige Bronzemedaillengewinnerin. Für sie sei es keine Frage gewesen, diese seltene zweite Chance, vor eigenem Publikum aufzutreten, nutzen zu wollen.

          Schäfer hält eine Medaille für möglich

          Im Gegensatz dazu war die WM im Juli im amerikanischen Eugene nach dem ernüchternden Formtest beim Meeting in Ratingen kein Thema mehr. „Vielleicht wenn ich topfit gewesen wäre“, sagt Schäfer. Aber eine solche Doppelbelastung im Mehrkampf innerhalb von vier Wochen sei ein Wagnis.

          Was ihre Ziele bei der EM angeht, bleibt Schäfer zurückhaltend. Über einen Top-Sechs-Platz sei sie „immer happy“. Auch eine Medaille hält sie für möglich. Schäfer will beweisen, dass sie seit Ratingen erfolgreich an ihren Schwächen gearbeitet hat. „Wer mich kennt, der weiß, was für ein Kämpferherz ich habe“, sagt sie. Schon bei den Sommerspielen 2021 in Tokio hatte sie das mit Rang sieben bewiesen.

          In den Monaten zuvor hatte Schäfer nach einer Corona-Impfung die Kontrolle über ihren Körper verloren. Die Muskulatur ließ sich nicht mehr wie gewohnt ansteuern, der Fettstoffwechsel war gestört. Erst zwei Wochen vor dem Abflug nach Asien fühlte sie sich wieder normal. Dass der Auftritt in Tokio mit 6419 Punkten gut lief, habe ihr Vertrauen in sich selbst gestärkt.

          In der Hoffnung, endlich wieder eine normale Saison vor sich zu haben, startete Schäfer Ende 2021 in die erste „richtige“ Vorbereitung mit den Kauls – auch wenn nicht alle neuen Reize bei ihr anschlugen. Sie brauche weniger das wettkampfnahe als das allgemeine Grundlagentraining, sagt sie. Ob die vergangenen Wochen ausreichten, um zur alten Stärke zu finden, darüber will Schäfer nicht spekulieren. „Nach hinten zu schauen ist nicht so meine Art“, sagt sie. Aber in den zurückliegenden Trainingsergebnissen hat sich Schäfer wieder erkannt.

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