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„Carbon Challenge“ : Segeln unter grüner Flagge

„Sonne, Wind und Wasser sind sowohl für das Segeln als auch beim Klimawandel entscheidende Elemente” Bild: dpa

Umweltschutz kommt im Sport zu kurz und findet nur bei den herausragenden Massenveranstaltungen überhaupt Berücksichtigung. Das Segelsyndikat „Carbon Challenge“ will nun erstmals im professionellen Sport den ökologischen Gedanken in den Mittelpunkt stellen.

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          Bei den Olympischen Spielen heißt die Initiative "Green Games". Unter "Green Goal" firmiert das Ökoprogramm bei der Fußball-WM, und die Formel 1 gibt sich den grünen Schein mit Begriffen wie "Hybridmotoren" oder "Biosprit". Hinter diesen Schlagwörtern lässt sich guter Wille erkennen, wenn auch der Aspekt der Nachhaltigkeit im Sport meist zu kurz kommt und nur bei den herausragenden Massenveranstaltungen überhaupt ein wenig Berücksichtigung findet.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Weltkonferenz für Sport und Umwelt forderte gerade generell mehr Umwelt- und Klimaschutz von der Bewegungsbranche - und so dürfte das Vorhaben einer noch im Hintergrund agierenden Gruppe wie der Aufbruch in eine neue Zeit gewertet werden. Erstmals soll professioneller Sport als Teil des heutigen Unterhaltungsprogramms mit wirtschaftlichem Erfolg und dem Kampf gegen den Klimawandel verknüpft werden - über das Segeln und mit einer globalen Botschaft. "Wir sehen das Rennen gegen die Erderwärmung als sportlichen Wettkampf und wollen zeigen, dass man gleichzeitig Emissionen reduzieren und Leistung steigern kann", sagt Uwe Sasse, einer der Initiatoren.

          Kompensationszahlungen an Windpark

          In diesen Tagen wird sich das Segelsyndikat mit dem bezeichnenden Namen "Carbon Challenge" für die Anfang Oktober in Alicante startende Weltumrundung beim Volvo Ocean Race anmelden und eine bis dahin unbekannte Mission aufnehmen. Auf ihrer Fahrt soll die Öko-Crew später auch den America's Cup ansteuern - die Krone des Segelsports - und dort im High-Tech-Wettstreit die grüne Flagge zeigen. Die Herausforderung im Kampf gegen das Treibhausgas CO2 ist in englischer Übersetzung im Namen aufgenommen worden und steht für das Programm.

          Die "Carbon Challenge" soll großen Konzernen und Marken die Möglichkeit geben, ihr Engagement beim Schonen natürlicher Ressourcen und in Sachen Schadstoffreduzierung darzustellen, die neuen Ansprüche aber auch zu erfahren. Das über eine Schweizer Holding geführte Sportunternehmen will von Beginn an mit Hilfe von Kompensationszahlungen an eine Windturbinenfarm in der Türkei CO2-neutral arbeiten und dann im nächsten Schritt die ganz allgemein vom UN-Klimarat für 2050 angestrebte Halbierung der Emissionswerte für sich bereits 2015 erreichen. Das gilt für die gesamte Organisation inklusive Zulieferer, vom Bootsbau bis zum Catering.

          „Sport verfügt über eine brutale Kraft“

          Eine eigene Umweltstiftung erhält jährlich mindestens 250.000 Franken der Holding für Umweltprojekte. Das Gesamtbudget soll unter zwanzig Millionen Euro liegen, aber vor allem das neuartige Finanzierungsmodell dürfte in der Welt des Sports für besondere Aufmerksamkeit sorgen, erhoffen sich die Macher neben den Einnahmen aus Sponsoring und Hospitality weitere Erlöse aus dem Aufbau einer Akademie. Ein mobiles "Boathouse" geht mit dem Segelteam auf Weltreise und ist nicht nur Sportbasis, sondern auch Standort für Konferenzen sowie Seminare zum Thema Klimawandel, welche von Unternehmen für ihre Mitarbeiter und Führungskräfte gebucht werden können. "Sport verfügt über eine brutale Kraft. Und wir wollen Menschen motivieren, diesen Weg mitzugehen. Dabei passt Segeln gut zu unserem Ansatz, denn Sonne, Wind und Wasser sind sowohl für das Segeln als auch beim Klimawandel entscheidende Elemente", sagt Sasse.

          Für ihn ist das Projekt gleichzeitig ein großes Comeback. Vor drei Jahren hatte der Unternehmer die erste deutsche Segelkampagne beim America's Cup auf den Weg gebracht, bis er sich kurze Zeit später mit dem Hauptfinanzier, Internet-Milliardär Ralph Dommermuth, überwarf und man sich schließlich trennte. Seit fast zwei Jahren hat Sasse hinter den Kulissen die Idee in einem kleinen Expertenzirkel vorangetrieben und nun mit Unterstützung namhafter Partner wie der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers, der Boston Consulting Group und dem Stararchitekten David Chipperfield an die Startlinie gebracht.

          Tonnenweise Schadstoffe in der Luft

          Weil der America's Cup derzeit durch einen juristischen Streit lahmliegt, hat sich die "Carbon Challenge" erst einmal das Volvo Ocean Race als Präsentationsplattform für die Geschäftsidee gewählt. Das Rennen wird vom nächsten Herbst an über mehrere Monate rund um die Welt gehen und Häfen auf allen Kontinenten ansteuern. Es wird wohl das gebrauchte Boot des vormaligen Zweiten "Pirates of the Caribbean" übernommen werden.

          In Zeiten des Ökowandels soll die Botschaft Früchte tragen und vorbildhaft wirken, aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. "Wir kommen nicht als Missionare", sagt Sasse. "Aber wir brauchen auch keine Leute an Bord, die unsere Idee nur cool finden. Es geht um eine ernsthafte Auseinandersetzung." So wären Unternehmen "präferierte Werbepartner", die in Sachen Nachhaltigkeit überzeugen. In jedem Fall sollte erst einmal Natur-Image des Segelsports zurechtgerückt werden: Bei großen Regatten wie dem America's Cup werden alleine von Hunderten Zuschauer- und Begleitbooten sowie stundenlang kreisenden Hubschraubern tonnenweise gefährliche Schadstoffe in die Luft geblasen. Und das über Wochen.

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