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Super Bowl 50 : Kampf gegen die Dampfwalzen

  • -Aktualisiert am

Wird Cam Newton nach dem 50. Super Bowl die Nummer eins sein? Bild: Picture-Alliance

Quarterbacks im Football müssen „halb Psychiater, halb verrückt sein“. Im 50. Super Bowl zwischen Denver und Carolina schaut Amerika mit Cam Newton auf einen Spielmacher, der schon mal Kopf und Kragen riskiert. Einigen gefällt das gar nicht.

          Man sollte jeden warnen, in einer Mannschaftssportart, deren Name bereits in die Irre führt, wichtige Begriffe auf die Goldwaage zu legen. Denn American Football wird fast ausschließlich mit der Hand gespielt. Der Ball, mit dem man hantiert, ist genau genommen gar keiner, sondern ein Ei mit zwei spitzen Enden. Und der Quarterback ist natürlich kein Viertel von irgendetwas, sondern die zentrale Figur, über die das ganze Angriffsspiel einer Mannschaft läuft. Egal ob er in den kurzen Zusammenkünften der Offensivformation auf dem Rasen die verschlüsselte Botschaft für den nächsten Spielzug ausruft, die hoffentlich jeder seiner Nebenleute auswendig kennt und versteht. Oder wenn es darum geht, das Geplante in die Tat umzusetzen.

          Dass dies etwas verworrener klingt, als es ist, hat historische Gründe. Denn die Erfinder des Spiels an den Eliteuniversitäten der amerikanischen Ostküste hatten zunächst einfach nur ein grobschlächtiges, wildes Kampfspiel im Sinn, das sie sich beim Rugby abgeschaut hatten. Vor etwas mehr als hundert Jahren jedoch kam ein wichtiger Schub: zu einem Mehr an Taktik, einem Mehr an Regeln und einem Mehr an Spezifizierung für alle 22 Positionen – elf im Angriff und elf in der Verteidigung.

          Als Quarterback ist sich Cam Newton auch für eigene Touchdowns nicht zu schade

          Aber keine Neuerung hatte eine derart weitreichende Wirkung wie die aus dem Jahr 1906. Da wurde der sogenannte Vorwärtspass zugelassen, der bis dahin wie im Rugby verboten war. Denn er schien die ideale Lösung, um ein extrem gewalttätiges, bisweilen tödliches, aber auch sehr populäres Spiel von einer selbstzerstörerischen Entwicklung abzubringen. Als idealer Spieler für diesen Pass galt sogleich der Quarterback, der sich daraufhin im Laufe der Jahrzehnte zu einem faszinierenden Hybrid-Athleten entwickelte. Er muss möglichst groß sein, aber auch beweglich. Er muss die Kraft und die Wurfpräzision besitzen, das Lederei über 50 Meter genau dorthin zu werfen, wo ihn ein spurtschneller Vordermann fangen kann. Und er muss die Nerven besitzen, sich nicht von der Dampfwalze der heranstürmenden Verteidiger aus der Ruhe bringen zu lassen, die es auf nichts anderes abgesehen haben, als ihn mit Karacho zu Boden zu reißen und ihn unter sich zu begraben.

          Joe Montana, einer der besten Quarterbacks in der Geschichte der NFL, der zwischen 1982 und 1990 mit den San Francisco 49ers viermal den Super Bowl gewann, hatte die Herausforderung mal relativ bescheiden beschrieben: „Mein Job ist, den Angriff im Fluss zu halten und große Fehler zu vermeiden. Die Quarterbacks, die große Fehler vermeiden, sind die Gewinner - so einfach ist das. Was jemanden auf der Position wirklich gut macht, ist die Fähigkeit, einerseits vorsichtig zu sein und andererseits rasch die Formation und die Bewegung der Verteidiger zu erkennen.“

          Von Glamour keine Spur. Von sehr schweren Verletzungen blieb der vergleichsweise schmächtige Montana verschont. Doch mit mittlerweile 59 Jahren spürt er den Verschleiß an allen Extremitäten. Ein Knie wurde mehrere Male operiert und lässt sich trotzdem noch immer nicht ganz durchdrücken. Außerdem hat er drei Halswirbeleingriffe hinter sich. Weshalb er beim Münzwurf, den er an diesem Sonntag vor dem 50. Super Bowl zwischen den Denver Broncos und den Carolina Panthers (Spielbeginn 0.30 Uhr MEZ / Live auf Sat. 1 ab 23.15 Uhr) übernehmen wird, froh ist, wenn nicht irgendetwas weh tut und er nicht wie ein alter Mann über den Rasen läuft.

          Man müsse als Quarterback „halb Psychiater und halb verrückt“ sein, hatte er einst gesagt, als er zu seiner mentalen Grundausstattung gefragt wurde. Was Tom Brady von den New England Patriots, der ebenfalls vier Super-Bowl-Erfolge erringen konnte, ein paar Jahre später bestätigte: „Die Psychologie des Spiels besteht darin: Du musst mit vielen Spielern und mit vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten umgehen. Als Quarterback musst du dafür sorgen, dass jeder integriert wird und alle mit Begeisterung dabei sind.

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