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Ringen : Burghausen und die Punkteregel siegen

Ungewohntes Bild: Der Burghausener Matthias Maasch hebt Weltmeister Frank Stäbler aus. Bild: Kadir Caliskan

Wacker Burghausen ist wieder deutscher Mannschaftsmeister im Ringen. Dem Klub kommt dank Galionsfigur Matthias Maasch auch die Punkteregel zugute. Das Klub-Eigengewächs hilft nicht nur durch ringerische Qualität.

          Für Matthias Maasch ging am Samstagabend ein Traum in Erfüllung. Deutscher Mannschaftsmeister im Ringen ist er mit seinem Klub SV Wacker Burghausen zwar schon im vergangenen Jahr erstmals geworden. Aber damals fand die Krönung nach dem Rückkampf gegen den KSV Köllerbach im fernen Saarbrücken statt. Nun aber durfte er den Finaltriumph gegen die Red Devils in eigener Halle höchstpersönlich besiegeln und dass auch noch nach einem Duell mit seinem engsten Ringerfreund.

          Als Maaschs Kampf mit einer denkbar knappen 3:5-Niederlage gegen Weltmeister Frank Stäbler beendet war, konnte Burghausen jubeln. Der Vorsprung nach dem 14:13-Hinkampfsieg in Heilbronn war nach dem vorletzten Duell des Rückkampfs nicht mehr einzuholen, am Ende gewann Burghausen auch vor heimischer Kulisse mit 12:9.

          „Es gibt nichts Schöneres, als mit dem eigenen Verein in eigener Halle so einen Erfolg zu feiern“ sagte Maasch. „Dass es dann auch noch endgültig besiegelt ist nach einem guten Kampf gegen Frank ist umso schöner, selbst wenn ich verloren habe.“

          Schon in der Vorwoche hatte Maasch dem Weltmeister, den er aus zahllosen gemeinsamen Trainingseinheiten so gut kennt wie kein anderer Ringer auf der Welt, mit guter Strategie getrotzt. Der am Samstag wegen einer Erkältung sichtlich angeschlagene Stäbler musste schon alle Willenskräfte mobilisieren und seine beste Waffe des Aushebers in Perfektion einsetzen, um einen 1:3-Rückstand zu drehen und wenigstens einen von vier Mannschaftspunkten zu erringen.

          Maasch bringt Leistung und wertvollen Spielraum

          Den Erfolg von Wacker Burghausen darf der Deutsche Ringerbund nun durchaus als einen Sieg auch einer neu eingeführten Regel bewerten: Vor der Saison der Ringer-Bundesliga hat der Deutsche Ringerbund im Zusammenspiel mit den Vereinen eine Punkteregel für die Zusammenstellung der zehn Ringer umfassenden Kader für einen Mannschaftskampf verabschiedet. Die Idee: Das finanzielle Wettrüsten der Teams beim Einsatz von ausländischen Weltklasseringern sollte eingedämmt, einheimische Ringer sollten begünstigt werden. Ausländische Weltmeister schlagen bei der Berechnung der maximal 28 Zähler also mit acht Punkten zu Buche, ein bislang international noch nicht mit Medaillen geehrtes deutsches Talent hingehen mit zwei oder gar nur einem Punkt zu Buche schlagen. Und Eigengewächse bringen sogar zwei Minuspunkte ein, die Spielraum schaffen für einen hochbewerteten Weltklassemann.

          Wie jede Regelung im Ringen hat zwar auch die Punkteregel ihre Tücken: So werden deutsche Spitzenringer mit zusätzlichen Punkten dafür bestraft, wenn sie deutsche Meistertitel oder internationale Medaillen gewinnen. Zudem entdeckten die findigen Ringer Möglichkeiten, um die Rechenspiele sinnwidrig auszunutzen. Entsprechend gingen am Samstagabend in Burghausen auf beiden Seiten auch chancenlose Athleten wie der 45 Jahre alte ehemalige Veterannen-Weltmeister Michele Rauhut auf die Matte, weil sie eben als Opfer gegen internationale Weltklasseleute Minuspunkte in die Kaderrechnung bringen. Solche Kämpfe schaden dem Ruf des Bundesligaingens eher.

          Galionsfigur Popp im Pech

          Sowohl Burghausen als auch Heilbronn sind aber aufgrund ihrer Galionsfiguren Maasch und Eduard Popp auch gute Beispiele für die positiven Folgen der neuen Regel. Maasch gehörte bis zum Einstieg ins Berufsleben als Sportlehrer einige Jahre zur Weltspitze, Eduard Popp ist aktuell einer der vier bis fünf deutschen Medaillenanwärter im starken Griechisch-Römisch-Nationalteam. Sie bescheren ihrem Klub also Minuspunkte und Qualität auf der Matte zugleich.

          Beide Vereine haben ihre Bemühungen um Aufbau und Finanzierung eines aussichtsreichen Bundesligateams zudem vor allem darauf gegründet, dass es die beiden in den jeweiligen Orten bekannten Aushängeschilder gab. Popps Heimatverein VfL Neckargartach wagte mit der Umbenennung in Red Devils Heilbronn den Sprung aus der Regionalliga in die Bundesliga auf der Grundlage eines persönlichen Sponsorenpools Popps. „Es gab vor 2016 die Vision, mich zu Olympia zu bringen“, sagt der nur wenige hundert Meter von seiner Heilbronner Trainingshalle aufgewachsene Popp. „Nachdem das gelungen war, haben wir es als Verein geschafft, auf dieses Basis den Sprung in die Bundesliga zu wagen.“

          Burghausen kehrte nach Jahren der freiwillig gewählten Zweitklassigkeit wieder in die Bundesliga zurück. Am Samstag stellten Maasch gegen Stäbler und vor allem Popp in einem famosen Freistilkampf gegen den deutschen Spitzenmann Erik Thiele ihre Bedeutung unter Beweis. Popp unterlag stilartfremd nur wegen großen Pechs mit dem Schlussgong. Der Pausengong ertönte just in dem Moment, als Popp Thiele am Boden wohl mehrfach punktebringend hätte durchdrehen können. Der Schlussgong wiederum kam zwei Sekunden zu spät für den Schwergewichtler: Thiele erzielte deshalb mit  der allerletzten Aktion die siegbringenden Punkte im Duell. Ein anderes Ende dieses Kampfes hätte die Waage zugunsten der Heilbronner kippen können, wie auch Maasch anerkannte. „Eddis Leistung hätte auch einen Meistertitel verdient gehabt“, sagte er. “Wir waren heute nicht die Besseren, sondern die etwas Glücklicheren zweier gleichwertiger Mannschaften.“

          Und so feiert Burghausen jetzt erst mal große Feste. In der Nacht zum Sonntag sogar bis morgens um sieben gemeinsam mit den bezwungenen Gegnern aus Heilbronn. „Das Finale war auch wegen des freundschaftlichen Ausklangs ein Sieg für den Ringsport“, sagte schließlich Frank Stäbler. Da kann sogar der seit 51 Einzelkämpfen unbezwungene Weltmeister mal eine Niederlage verkraften.

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