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Bryson DeChambeau : Die Revolution des Golf-Professors

  • -Aktualisiert am

Lichtgestalt des Golfsports? DeChambeau überzeugt jedenfalls mit seinen Alleinstellungsmerkmalen Bild: Reuters

Golfspieler Bryson DeChambeau ist noch Amateur und gilt schon als Wissenschaftler auf dem grünen Rasen. Der Amerikaner wirkt wie ein Traditionalist – und bricht dennoch mit den ungeschriebenen Gesetzen des Golfs.

          Rory McIlroy konnte der Versuchung nicht widerstehen. Bei der Abu Dhabi HSBC Championship in der vergangenen Woche schnappte sich der 25 Jahre alte Nordire heimlich die Golfschläger von Bryson DeChambeau. Der Weltranglistendritte wollte sehen, bevor er gemeinsam mit dem 22 Jahre alten amerikanischen Amateur auf die dritte Runde ging, ob er mit den ungewöhnlichen Arbeitsgeräten des Kaliforniers zurechtkommt. Der junge Mann aus Clovis hatte nach der ersten Runde mit 64 Schlägen das Weltklassefeld angeführt - und das mit Schlägern, die ein ungeschriebenes Gesetz des Sports brechen.

          Seine Eisen, von den Wedges bis zum Eisen 3, sind alle gleich lang, exakt 37,5 Zoll (95,25 Zentimeter), üblicherweise die Schaftlänge eines Eisen 7. Dabei weiß jeder Golfer: Die Eisen werden von den kürzesten Schlägern, den Lob-Wedges, bis hin zu den sogenannten „langen Eisen“ (4, 3 und 2) pro Schläger jeweils um einen halben Zoll (1,25 Zentimeter) länger, messen also in der Regel zwischen 86 (Sandwedge) und 99,25 Zentimeter (Eisen 3).

          Alleinstellungsmerkmale en masse

          Das Zusammenspiel verschiedener Lofts (Schlagflächenneigung) und unterschiedlicher Schlägerlänge führt dazu, dass der Spieler mit unterschiedlichen Eisen verschieden weit schlagen kann. So jedenfalls die Theorie, der Schlägerhersteller fast seit den Anfangszeiten des Golfs folgen - und die DeChambeau mit seinen sportlichen Erfolgen widerlegt. McIlroy hat der kurze Versuch mit gleichen Schlägerlängen nicht überzeugt. Er bleibt bei seinen traditionellen Werkzeugen.

          Aber nicht nur seine ungewöhnliche Ausrüstung sichert DeChambeau - nur seine Hölzer haben die übliche Länge - ein Alleinstellungmerkmal. Der Vierte der Amateur-Weltrangliste spielt nicht wie alle Profikollegen mit einer Baseballkappe, sondern wie der legendäre Ben Hogan in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit einer Schiebermütze. Aber diese Aussage trifft nicht die ganze Wahrheit: Er trägt diese mittlerweile aus der Mode gekommene Kopfbedeckung nur bei Turnierrunden. Im Training und bei Übungsrunden verzichtet er auf dieses Kleidungsstück, das für ihn zu einem Markenzeichen geworden ist.

          Volle Konzentration: Bryson DeChambeau nimmt Maß Bilderstrecke

          DeChambeau, der sich selbst als „Golf-Wissenschaftler“ bezeichnet, studiert an der Southern Methodist University (SMU) in Dallas im Hauptfach Physik - und das ist auch notwendig, um das Golfbuch zu verstehen, aus dem er seine Weisheiten bezieht. „The Golfing Machine“ von Homer Kelly wendet die Prinzipien der Physik auf den Golfschwung an. Dieses 1969 erschienene Werk, das der 1983 verstorbene Autor für Golflehrer schrieb, wird von seinen Anhängern als eines der wichtigsten, von den meisten allerdings als eines der am schwersten verständlichen Bücher über den Golfschwung bezeichnet.

          Kelly propagiert in seinem Werk die Idee von gleichen Schlägerlängen, weil dies den ohnehin extrem schwierigen Golfschwung etwas leichter mache. Eine Idee, die immer wieder einmal aufgegriffen wurde, sich aber nie durchsetzen konnte. DeChambeau hat seine Eisen 2011 alle auf eine Länge schneiden lassen. Zusammen mit einem kleinen amerikanischen Hersteller modifizierte er seine Eisen trotz der traditionellen Lofts so, dass er wie die Profis und Spitzenamateure die üblichen zehn bis 15 Meter Schlaglängendifferenz zwischen den einzelnen Eisen erreicht.

          Dazu kommt ein nicht gerade lehrbuchmäßiger Schwung und die Angewohnheit, seine Bälle in einem Bad aus Bittersalz auf Unregelmäßigkeiten zu testen. DeChambeau hilft das offensichtlich. Im Vorjahr gewann er die beiden wichtigsten Amateurturniere der Vereinigten Staaten, die US Amateur und die NCAA Championship (amerikanische Collegemeisterschaft). Der Sieg bei der US Amateur, neben der British Amateur die bedeutendste Veranstaltung im Amateurbereich, berechtigt ihn, in diesem Jahr bei den ersten drei Majors (Masters, US und British Open) anzutreten, vorausgesetzt er bleibt Amateur. Dass DeChambeau noch bis Ende Juli Golf spielt, ohne damit Geld zu verdienen, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

          Denn DeChambeau ist erst der fünfte Spieler, dem der amerikanische Doppelschlag in einem Jahr gelang - und alle, denen dieser Coup vor ihm glückte, machten bei den Profis Karriere: Jack Nicklaus, Phil Mickelson, Tiger Woods und Ryan Moore. Bis auf Moore, der auf der PGA Tour immerhin auch schon viermal siegte, gehören die Vorgänger von DeChambeau zu den größten Spielern der Geschichte. So erstaunt es nicht, dass viele Fachleute dem Mann mit der Schiebermütze ebenfalls eine große Zukunft voraussagen. In seinen bisher sieben Auftritten bei Profiturnieren bewies er, dass er auch als Amateur mit den Berufsspielern mithalten kann.

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          Beim Australian Masters im November 2015 in Melbourne belegte er den zweiten Platz und ließ dabei gestandene Weltklassespieler wie Adam Scott, den australischen Masters-Sieger von 2013, hinter sich. In Abu Dhabi brach er in der dritten Runde mit 78 Schlägen zwar ein und belegte nur den 54. Platz, war damit aber immer noch besser als zahlreiche etablierte Kollegen wie etwa der Südafrikaner Ernie Els, der den Cut verpasst hatte. DeChambeau erhielt wie schon in Abu Dhabi auch für das Qatar Masters, das von diesem Mittwoch bis Samstag ausgetragen wird, eine Einladung. Trotz der vielen großen Namen im Feld ist er eine der Attraktionen, ein Mann, der mit seiner Mütze aus einer anderen Zeit wie ein Traditionalist wirkt und doch mit althergebrachten Golfweisheiten bricht.

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