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Golfer Bryson DeChambeau : Der Professor mit der Schiebermütze

  • -Aktualisiert am

Fällt auf im Golf: Bryson DeChambeau. Bild: USA TODAY Sports

Bryson DeChambeau hat viele Zweifler widerlegt. Der Golfer ist vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Ausrüstung berühmt. Doch nicht alles, was er tut, ist auf dem Platz erlaubt.

          Die Hitze liegt Bryson DeChambeau: „Ich bin bei solchen Temperaturen aufgewachsen“, sagte der Amerikaner. Während er bei den British Open in Carnoustie (Schottland) in der Vorwoche, als das Thermometer zwischen 17 und 24 Grad anzeigte, nicht zu seinem Spiel fand und auf dem geteilten 51. Platz weit abgeschlagen landete, blühte der 23 Jahre alte Golfprofi bei 35 Grad Celsius in Winsen an der Luhe auf: Am Donnerstag übernahm er bei den Porsche European Open auf dem 6990 Meter langen Platz von Green Eagle nach einer Runde von 66 Schlägen die Führung.

          Eine glückliche Fügung für die Fans, die DeChambeau mit der Aussage überraschte, seine Mutter stamme aus Deutschland. Vor allem aber dürfte sich der fünfzig Jahre alte Schweizer Veranstalter Dominik Senn freuen. Da der beste deutsche Golfer Martin Kaymer, das Turnier wie im Vorjahr mied, hatte der ehemalige Skirennläufer und vorzügliche Hobbygolfer (Handicap +2) mit seiner Agentur fünf Profis, die normalerweise auf der amerikanischen PGA Tour spielen, nach Norddeutschland gelockt. Es waren der amerikanische Masters-Sieger Patrick Reed (12. der Weltrangliste/70 Schläge), der Engländer Paul Casey (15./69), der Amerikaner Pat Perez (36./74), der Südafrikaner Charl Schwartzel (48./70) und eben DeChambeau (23./66).

          Der „halbe Deutsche“ DeChambeau trumpfte auf, obwohl er nach eigener Aussage den Ball mit dem Driver nicht so traf wie er es sich wünschte. Aber das „kurze Spiel“ und das Putten gelang vorzüglich. Dass er seit einiger Zeit den Ball sicher ins Loch bringt, hat vor allem damit zu tun, dass der Mann, den sie den „Golf-Professor“ nennen, beim Putten neuerdings der Wissenschaft vertraut. Er ließ sich Anfang des Jahres von einem Putter-Hersteller seine Bewegung mit Hilfe eines Hightech-Geräts mit fünf Kameras und einem Laser (Quintec Ball Roll) analysieren und einen speziell auf ihn abgestimmten Putter anfertigen. Seitdem läuft es für den „Golf-Wissenschaftler“, der in seiner College-Zeit an der Southern Methodist University (SMU) Physik als Hauptfach belegt hatte. Er gewann im Mai das Memorial Tournament von Jack Nicklaus, eines der prestigeträchtigsten der PGA Tour, sein zweiter Erfolg nach dem John Deere Classic im Vorjahr.

          DeChambeau hat damit viele Zweifler widerlegt. Denn er nimmt eine Ausnahmestellung ein und ragt schon mit seiner Schiebermütze aus dem Heer der normalerweise Baseballkappen tragenden Golfprofis hervor. Aber der Mann aus Clovis ist vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Ausrüstung berühmt. Er spielt mit Eisen, die von den Wedges bis zu den „langen“ Eisen (2, 3, 4) alle exakt 37 ½ Zoll (95,25 Zentimeter), üblicherweise die Schaftlänge eines Eisen 7, aufweisen. Normale Eisensätze sind mit Schäften ausgerüstet, die zwischen 86 (Sandwedge) und 99,25 (Eisen 3) Zentimeter lang sind. DeChambeau, der schon als Siebzehnjähriger seine Eisen mit gleich langen Schäften versah, ist davon überzeugt, dass sich dieses Konzept durchsetzen werde. Dabei ist weder die Theorie neu, die dahintersteckt – Golf wird einfacher, wenn die meisten Schläger gleich lang sind –, noch ist DeChambeau der Erste, der auf solche Arbeitsgeräte vertraut.

          Der legendäre amerikanische Amateur Bobby Jones, der 1930 den damaligen „Grand Slam“, die zwei wichtigsten Amateur- und Profiturniere in Großbritannien und den Vereinigten Staaten gewann, hatte bei seinen Triumphen gleich lange Schäfte aus Hickory-Holz in der Tasche. Seitdem wurde immer wieder versucht, Eisen mit identischer Schaftlänge auf den Markt zu bringen – ohne großen Erfolg. Auch DeChambeau hat in Profikreisen bisher keinen einzigen Nachahmer gefunden. Nicht nur mit seiner ungewöhnlichen Ausrüstung hatte DeChambeau für Schlagzeilen gesorgt. Anfang 2017 verbot der amerikanische Golfverband (USGA) seinen Putter, mit dem er im sogenannten „side saddle„-Stil den Ball ins Loch schob und dabei, was erlaubt ist, statt seitlich frontal zum Ziel stand. Vor wenigen Wochen untersagte ihm die USGA die Nutzung eines Zeichenzirkels während der Runde. Mit diesem Zirkel hatte er in seinem „Green Book“, das alle Ondulierungen der Grüns enthält, die Lage des Lochs genauer eingezeichnet – ein wirkliches Novum in der Golfgeschichte.

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