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Brustschwimmer Lucas Matzerath : Dünner Musterknabe wird deutscher Meister

  • -Aktualisiert am

Lang und dünn und schnell: Lucas Matzerath von der SG Frankfurt schwimmt zum Sieg Bild: dpa

Lucas Matzerath sieht nicht aus wie der typische Brustschwimmer. Mit spezieller Technik bringt er seinen langen dünnen Körper dennoch zum deutschen Meistertitel.

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          Lucas Matzerath ist ein Schlaks. Auf den ersten Blick erscheint der zwei Meter große Sportler nicht wie der typische Brustschwimmer. „Die meisten haben eine andere Figur als ich“, stimmt der 21-Jährige zu. Doch indem er seinen Schwerpunkt auf die Arme setzt und diese mit einer hohen Frequenz kombiniert, komme auch er mit seinem langen dünnen Körper schnell vorwärts.

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          Bei den deutschen Meisterschaften am Freitag in Berlin hat der Sportler der SG Frankfurt dies wieder bewiesen. In 59,44 Sekunden sicherte er sich seinen ersten deutschen Meistertitel. „Ich bin super zufrieden mit dem Rennen“, sagte er danach. „Aus dem Training heraus zwei Hundertstel über meiner Bestzeit zu schwimmen, hätte ich nicht gedacht. Es war einfach ein tolles Rennen.“ Selbst Trainer Mark Jayasundara war baff: „Dass er in dieser Phase so eine Zeit herausholt, ist sensationell“, sagte er.

          Es war nicht das erste Ausrufezeichen, das der aus der kleinen Gemeinde Titz bei Düren stammende Athlet in den vergangenen Wochen gesetzt hat. Schon im Dezember blieb der Wahl-Hesse bei einem Kaderwettkampf in Würzburg über 100 Meter Brust in 59,75 Sekunden erstmals unter der Norm für die Olympischen Spiele in Tokio.

          Bei den entscheidenden Trials vier Monate später in Berlin konnte er diese Zeit in 59,63 Sekunden sogar noch toppen und darf damit für die Reise nach Japan planen. Zudem verbesserte Matzerath bei der EM im Mai in Budapest, wo es für ihn über seine Paradestrecke bis ins Halbfinale ging, dreimal hintereinander seinen persönlichen Rekord über die nicht-olympischen 50 Meter auf 27,13 Sekunden und sorgte als Fünfter für die beste Platzierung in der deutschen Delegation.

          „Ich wollte nie in ein Internat ziehen“

          „Die Verschiebung der Spiele hat dafür gesorgt, dass ich überhaupt die Möglichkeit zur Teilnahme bekomme“, sagt Matzerath ehrlich. Im vergangenen Jahr wäre er dafür noch nicht weit genug in seiner Entwicklung gewesen. Trainer Jayasundara lobt die in jeder Hinsicht professionelle Einstellung seines Athleten. Ob Pünktlichkeit, Training, Erholung oder Ernährung – der junge Mann sei stets sehr zuverlässig und versuche immer das Beste aus sich herauszuholen.

          Gemeinsam waren die beiden 2016 von der SG Mönchengladbach an den Main gekommen. Der Coach löste hier den langjährigen Erfolgstrainer Michael Ulmer am Beckenrand bei der ersten Mannschaft ab, weil dieser kürzertreten wollte. Der auslandserfahrene A-Lizenz-Inhaber fragte bei Matzerath an, ob er ihn begleiten würde. „Ich wollte nie in ein Internat ziehen“, betont das Einzelkind. Doch noch viel weniger wollte er seinen vertrauten Betreuer verlieren und noch einmal irgendwo anders mit einem neuen Mann an der Seite anfangen. Entsprechend zog der Frankfurter Neuzugang ins Haus der Athleten am Waldstadion um und machte sein Abitur an der Carl-von-Weinberg-Schule, der Eliteschule des Sports in der hessischen Großstadt. „Das war für mich die größte Umstellung“, sagt er.

          In Nordrhein-Westfalen war er als G8-Schüler gerade mit der zehnten Klasse fertig geworden und sollte hier im G9-System gleich in die zwölfte gehen. Am Ende hat er diese Herausforderung und seinen Abschluss mit einem Notendurchschnitt von 2,2 gemeistert. Nun studiert er an der Hochschule Rhein-Main in Rüsselsheim Elektrotechnik. Derzeit genießt er dort ein Urlaubssemester, um sich ganz auf den Sport zu konzentrieren.

          Zu diesem, zumindest das Bahnenziehen im Becken, war Matzerath erst spät gekommen. Nach Schwimmkursen bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft war er zwischenzeitlich seinem besten Freund zum Judo gefolgt. „Aber da war ich nicht aggressiv genug.“ So ging es gemeinsam wieder zurück zu Flossenwettkämpfen und Ende 2011 dann in die Gladbacher Startgemeinschaft. Nur wenige Monate später übernahm Jayasundara dort die dritte Mannschaft und begann das Talent zu fördern.

          Er rannte damit offene Türen ein: Jedes Angebot zu einer Extraeinheit nahm der fleißige Arbeiter an, gerade weil es dabei um intensive Technikschulungen ging. Genau darin, auf jeder Bahn eine neue Aufgabe zu lösen, statt einfach nur Kacheln zu zählen, liegt für den Junioren-EM-Teilnehmer von 2018 der Reiz bei seiner Leidenschaft. Das Wasser sei für ihn aber auch ein Ort zum Abschalten, in dem man „seine Sorgen vergessen kann“.

          Elendt knackt zwölf Jahre alten deutschen Rekord

          Olympia-Starterin Anna Elendt (SG Frankfurt) hat bei den deutschen Schwimm-Meisterschaften einen deutschen Rekord aufgestellt. Die 19-Jährige schlug am Freitag in Berlin über 100 Meter Brust in 1:06,50 Minuten an. Sie war damit 51 Hundertstelsekunden schneller als Sarah Poewe bei der WM 2009 in Rom und gewann den Titel klar vor Julia Titze (München) und Bente Fischer (Neckarsulm). (dpa)

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