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Bundesligastart im Basketball : Ein Vorgeschmack auf eine NBA für Europa

Es geht wieder rund: Wie im Finale gegen Ulm im Juni wollen Nikolaos Zisis (oben) und Bamberg auch in dieser Saison wieder erfolgreich sein Bild: dpa

Madrid, Istanbul – und zunächst Frankfurt: Mit Bundesliga und Euro League stehen den Basketballern aus Bamberg zum Saisonstart große Herausforderungen bevor. Doch der Meister sieht in dem Marathon-Programm ein reizvolles Handicap.

          Der Meister ist so gut, dass er in der Bundesliga mit Handicap spielen muss. Brose Bamberg hat sich mit Titel Nummer acht für die Euro League qualifiziert, in der die sechzehn besten, nein: die sechzehn allerbesten Basketball-Mannschaften Europas jeder gegen jeden spielen. Die reduzierte Zahl der Teilnehmer und die erhöhte Zahl der Begegnungen ergibt einen Vorgeschmack auf so etwas wie eine NBA für Europa und allein bis Ende März dreißig Partien für jede Mannschaft von ZSKA Moskau und Real Madrid über Maccabi Tel Aviv und FC Barcelona bis Panathinaikos Athen und Zalgiris Kaunas.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Da werden für die Bamberger nicht nur die hochkarätigen Gegenspieler zum Faktor, sondern auch die Reisestrapazen. Kasan mit seinem Final-Four-Team Unics liegt sieben Flugstunden gen Osten, und das Basketball-verrückte Istanbul mit den vier Euro-League-Klubs Galatasaray, Fenerbahce, Anadolu Efes und Darussafaka wird für die Bamberger so etwas wie die zweite Heimat werden. Gemütlich einrichten werden sich die Basketball-Profis aus Franken am Bosporus und im internationalen Wettbewerb nicht können. Allein bis zum Beginn der Play-offs im Mai stehen in der Bundesliga 34 Partien an. Auf dem Weg zur Titelverteidigung in Deutschland, zum seit 2012 stets verpassten Pokalsieg und zur angestrebten Qualifikation für die Play-offs der besten acht in Europa, dürften für die Bamberger Profis achtzig bis neunzig Spiele zusammenkommen.

          Erfolgreichster Rebounder des Euro-Cup

          Trainer Andrea Trinchieri geht mit fast allen Spielern aus der vergangenen Spielzeit in seine dritte Bamberger Saison. Darius Miller und Nikolaos Zisis, Janis Strelnieks, Nicolo Melli und Leon Radosevic sind - einige dank lukrativer Angebote von der internationalen Konkurrenz mit drastisch verbesserten Bezügen - weiterhin an Bord ebenso wie die deutschen Nationalspieler Daniel Theis und Patrick Heckmann. Den in die Türkei gewechselten überragenden Aufbauspieler Brad Wanamaker ersetzen der erfahrene französische Point Guard Fabien Causeur und der junge deutsche Aufbauspieler Maodo Lo; außerdem verstärkt der weißrussische Riese Wladimir Veremeenko das Team, mit seinen 2,08 Meter Länge der erfolgreichste Rebounder des Euro-Cup.

          Alles spricht dafür, dass Trinchieri seinen mitsamt Nachwuchsspielern auf sechzehn Profis gewachsenen Kader teilen und die einen national, die anderen international einsetzen wird. Dafür sprechen auch die zwei verschiedenen Trikots, in denen die Bamberger spielen werden. Zum Saisonauftakt gegen die Skyliners Frankfurt an diesem Freitag wird zwar noch Brose allein als Sponsor darauf stehen, das Unternehmen des Klub-Eigentümers und -Förderers Michael Stoschek. Doch in wenigen Wochen sollen neue Partner präsentiert werden; einer fürs nationale, einer fürs internationale Geschäft.

          Der 33 Jahre alte Zisis, der vor elf Jahren mit der griechischen Auswahl Europameister wurde, soll sich zunächst nur auf die Euro League konzentrieren. Doch ob gleichzeitig der Liga-Debütant Lo nach vier Jahren am College in den Vereinigten Staaten ein Lehrjahr allein in der Basketball-Bundesliga (BBL) bestreiten wird, erscheint fraglich. Trinchieri hat auch für Patrick Heckmann im Jahr eins nach der Hochschule Aufgaben in der Euro League gefunden; noch dazu hält er von den üblichen Rollen im Basketball nicht viel, sondern setzt am liebsten so viele Point Guards wie möglich ein: vielseitige Spieler, die schießen und passen, zum Korb ziehen und aus der Distanz treffen. Bei der Europameisterschafts-Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft hat Lo - learning by doing - einen Schnellkurs in europäischem Basketball und in Verantwortung fürs Spiel absolviert. Verlängert er seine steile Lernkurve in Bamberg, hat er in dieser Saison einige weite Reisen vor sich.

          Am Ehrgeiz der Verantwortlichen wird die Entwicklung der Bamberger Spieler nicht scheitern. Die beiden Trikotsponsoren tragen zu einer Steigerung des Budgets um achtzehn Prozent bei, wie Geschäftsführer Rolf Beyer verriet; bei dem kolportierten Vorjahres-Budget von 16 bis 17 Millionen Euro, das vor allem auf dem Engagement des Milliardärs Stoschek basiert, kratzt Bamberg nun als erster und einziger BBL-Klub an den zwanzig Millionen. Das ist allerdings nur halb so viel, wie ZSKA für sein Team lockermachen kann, und von zweistelligen Millionenbeträgen von Real, Darussafaka und Fenerbahce entfernt. Aber auch die Summe wird, neben Titel und Startrecht in der ersten Liga Europas, die Herausforderung für die Bayern und den zurückkehrenden Uli Hoeneß vergrößern.

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          Um das Schaufenster Euro League optimal zu nutzen, ziehen die Bamberger für die Partien gegen Efes Istanbul (15. Dezember) und Real Madrid (25. Januar) nach Nürnberg um. Doch eine langfristige Perspektive für das internationale Geschäft bietet auch die Arena dort mit 8000 Plätzen nicht. Die Bamberger wollen Gesellschafter der Euro League werden, die in den kommenden Jahren vermutlich wachsen wird. Wie die amerikanische Liga dürfte sie zum closed shop werden; nur fünf der sechzehn Plätze sind für diese Spielzeit ausgespielt worden.

          Um unabhängig von der Qualifikation mittels Meisterschaft zu werden, wollen die Bamberger sich einkaufen. Das wird, wenn Stoschek denn zugreifen darf, nicht billig werden. Zu den Voraussetzungen, langfristig Euro League zu spielen, gehört eine Halle mit zehntausend Plätzen. Die Bamberger, so ist zu hören, seien bereit, eine Arena dieser Dimension zu bauen. Dann soll nicht die Euro League das reizvolle Handicap sein, sondern die deutsche Meisterschaft.

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