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Brose Baskets Bamberg : Der Basketball-Souverän

  • -Aktualisiert am

Gute Zeiten: Basketball in Bamberg ist derzeit eine Erfolgsgeschichte Bild: picture alliance / dpa

14 Spiele, 14 Siege - so souverän ist lange keine Mannschaft mehr aufgetreten. Die Bamberger sind in der Bundesliga das Maß aller Dinge. Der Klub erlebt das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte - und sucht nach neuen Herausforderungen.

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          In Bamberg vergeht kein Tag ohne konkreten Plan. Penibel unterscheidet Basketballtrainer Chris Fleming zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Zielen. Seinen Spielern teilt der Vierzigjährige unter anderem mit, wo sie sich jeweils in den kommenden „drei bis fünf Begegnungen“ verbessern müssen. Das sind die kurzfristigen Vorgaben des Amerikaners. Alle Spiele in dieser Bundesliga-Hauptrunde zu gewinnen könnte indes ein mittelfristiges Vorhaben der ergebnisorientierten Oberfranken sein.

          Schließlich geht es im Moment nicht besser: 14 Spiele, 14 Siege - so souverän ist schon lange keine Mannschaft mehr aufgetreten. Und seit dem vorvergangenen Wochenende sind die Bamberger der Konkurrenz endgültig unheimlich, demütigten sie doch auf Topniveau Alba Berlin bei ihrem 103:52-Heimsieg. „Genial“ fand Manager Wolfgang Heyder den famosen Auftritt des deutschen Branchenführers in dem Prestigeduell.

          Vielleicht hat sich Fleming im Angesicht der Bamberger Sternstunde auch an die Zeit vor einem Jahr erinnert. Damals musste er trotz seiner Gewissenhaftigkeit hart um seinen Posten kämpfen - weil sein Verein aufgrund von Verletzungssorgen und mangels Teamzusammenhalts die hohen Erwartungen noch nicht erfüllen konnte. „Ich weiß, wie es jetzt ist, in den Stiefeln des Berliner Trainers Luka Pavicevic zu stecken“, sagt Fleming.

          „Gelegentlich muss ich mich deswegen schon zwicken“

          Alba, das als Bayern München des hiesigen Basketballs gilt, musste die höchste Niederlage der Klubhistorie einstecken. Und das gegen einen Gegner, dessen Gesamtetat mit sechs Millionen Euro stattlich ist, der aber immer noch unter dem der Berliner liegt. Trotzdem warnt der Bamberger Headcoach: „Zu erwarten, bis zu Beginn der Play-offs kein Spiel zu verlieren ist utopisch und Unsinn.“ Groß waren die Fußstapfen, die Bundestrainer Dirk Bauermann bei seinem Weggang 2008 aus Bamberg hinterließ. Aber nach Anlaufschwierigkeiten verschaffte sich der introvertierte Amerikaner, der seit 16 Jahren in Deutschland lebt und zuvor mit den Artland Dragons Pokalsieger wurde, einen guten Stand in der Domstadt.

          Schließlich sind die Bamberger dabei, zum Schrittmacher im nationalen Basketball aufzusteigen. Deutscher Meister, Pokalsieger, Gewinner des Champion-Cups und noch ungeschlagen in der Liga - der Bundesliga-Spitzenreiter schaut auf das erfolgreichste Jahr in seiner Geschichte zurück. Nicht einmal eine Handvoll Spiele hat Bamberg in diesem Jahr abgegeben. „Gelegentlich“, sagt Heyder, „muss ich mich deswegen schon zwicken.“

          Auf eindrucksvolle Weise zeigte das erstaunlich ungleiche Gipfeltreffen mit Berlin die Stärken des Bamberger Systems auf. Der Liga-Primus spielt im besten Sinne des Wortes Team-Basketball - mit Profis, die ihren Sport leben und bereit sind, hart für den Erfolg zu arbeiten. „Diven oder Schönspieler“, so der Manager, seien deshalb in Bamberg fehl am Platz. Unter der Leitung von Fleming ist ein gut strukturiertes und harmonisches Ensemble entstanden, das als Gruppe hart verteidigt und im Angriff die Bälle teilt. Wer am besten postiert ist, soll den Wurf nehmen. Für Egoismus ist kein Platz.

          „Früher haben wir Fehler im Scouting gemacht“

          Natürlich haben die Verantwortlichen im Sommer lange überlegt, ob die Führungsspieler mit dem großen Erfolg der Vorsaison umgehen können, bevor die Bamberger schließlich die Verträge mit Casey Jacobsen, Predrag Suput und Anton Gavel verlängerten. Da deren Ehrgeiz, wie erwartet, ungebrochen ist, ist die Kontinuität im Kader heute das größte Faustpfand des Titelträgers.

          Und mit den beiden einzigen Neuzugängen Terry Reyshawn und Kyle Hines lagen die Bamberger ebenfalls richtig. Der Amerikaner Brandon Rooney, festangestellter Scout des Klubs, beobachtete Hines lange in der zweiten italienischen Liga. Dass sich dieser jetzt in der Bundesliga so gut behaupte, sei „kein Zufall“, sagt Heyder. „Früher haben wir Fehler im Scouting gemacht und sind bei der einen oder anderen Neuverpflichtung auf die Schnauze gefallen.“

          „In der Bundesliga ist die Qualität in der Spitze besser denn je“

          Nie war eine Bamberger Mannschaft besser - das sagt der Vereinsmanager. Für die Königsklasse, die Euroleague, ist das aber immer noch nicht gut genug; international verpasste der deutsche Meister den Einzug in die nächste Runde. Auf dem Weg zur Titelverteidigung in Meisterschaft und Pokal sucht der deutsche Basketball-Souverän nun nach Herausforderungen im eigenen Land. An diesem Montag wollen die Bamberger zunächst einmal mit einem Heimerfolg gegen Oldenburg (18.05 Uhr) Sieg Nummer 15 perfekt machen.

          Ein Anreiz für die Bamberger ist, dass sie in der Rückrunde alle Spitzenspiele auswärts austragen müssen. „Ich glaube, dass in der Bundesliga die Qualität in der Spitze besser denn je ist“, meint Fleming. Wer die Gegner dann so beherrscht, müsste sein finales Ziel eigentlich sicher erreichen: die Meisterschaft. Wieder ein Spieljahr nach Plan, würde der Trainer dann sagen.

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