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Golfprofi Brooks Koepka : „Bomber“ mit Feingefühl bei British Open

  • -Aktualisiert am

Kraft am Abschlag, Präzision auf dem Grün: Brooks Koepka bei den British Open Bild: AP

Nach dem völlig Überraschenden Aus von Tiger Woods und Rory McIlroy ist bei den British Open nun ein anderer Golfprofi in Lauerstellung: Brooks Koepka setzt dabei vor allem auf eine bestimmte Fähigkeit.

          3 Min.

          Brooks Koepka hat sich damit abgefunden, dass er vielleicht nie die Anerkennung der Golffreunde genießen wird, die dem Besten dieses Sports eigentlich zusteht. Auch rechnet der amerikanische Weltranglistenerste nicht damit, dass die Fans ihn eines Tages wie Tiger Woods, Phil Mickelson oder Rory McIlroy frenetisch bei jedem gelungenen Schlag feiern. „Jeder Topathlet hat irgendein Problem“, sagt Koepka, aber solange er weiter so erfolgreich spiele wie in den vergangenen zwei Jahren, sei es ihm gleichgültig.

          Vielleicht liegt die fehlende Begeisterung für das 29 Jahre alt Kraftpaket daran, dass es seine Dominanz nur selten zeigt. Seit Koepka bei den US Open 2017 in Erin Hills (Wisconsin) den ersten seiner bisher vier Major-Titel einheimste, hat er fast ausschließlich bei den vier Saisonhöhepunkten brilliert und sich mit einem Sieg auf der regulären PGA Tour im Oktober vergangenen Jahres in Südkorea begnügt. Dafür liest sich seine Bilanz bei den letzten vier Traditionsturnieren hervorragend: Sieg bei der PGA Championship 2018, Zweiter beim Masters, Sieg bei der PGA Championship und noch einmal Zweiter bei der US Open in diesem Jahr.

          „Ich finde sie ätzend“

          Seit sein Landsmann Jordan Spieth 2015 nach zwei Siegen beim Masters und den US Open den „Grand Slam“ mit den Plätzen vier und zwei bei der British Open und der PGA Championship nur knapp verfehlte, hat kein Profi bei den Majors aufgetrumpft wie Koepka. „Beim Masters hatte ich am 12. Loch Pech mit dem Wind, der den Ball ins Wasser drückte. Bei den US Open bin ich einem unterlegen, der einfach besser gespielt hat. Da kann man nichts machen. Aber ich kann mich über zweite Plätze nicht freuen. Ich finde sie nur ätzend“, sagt Koepka.

          Auch bei der 148. British Open im Royal Portrush Golf Club, bei der Woods und McIlroy bereits überraschend ausgeschieden sind, brachte sich der Modellathlet aus West Palm Beach (Florida) für das Wochenende in eine gute Ausgangsstellung. Nach einer Runde von 68 Schlägen am Donnerstag benötigte er am Freitag 69 Schläge und lag drei Schläge hinter dem Führungs-Duo, dem Amerikaner J.B. Holmes und dem Iren Shane Lowry: „Ich habe nicht besonders gut gespielt, nicht viele Putts gelocht. Aber bei einem Major geht es vor allem darum, am Wochenende in der Nähe der Spitze zu liegen“, sagt Koepka. Und jeder Konkurrent weiß: Wenn sich Koepka die Chance bietet, ein Major zu gewinnen, ist er nur schwer zu stoppen.

          Auf den Dunluce Links des königlichen Klubs demonstrierte der Branchenprimus an den ersten beiden Tagen eindrucksvoll, wie kontrolliert er den Ball zwischen den Dünen und dem hohen Rough am Rande der engen Spielbahnen steuern kann. Er kann den Ball mit jeder gewünschten Flugbahn auf die Reise schicken: Draw, Fade, hoch oder flach – Koepka beherrscht jeden Schlag. Er zählt nicht nur zu den gewaltigsten „Bombern“, wie die Longhitter im amerikanischen Jargon der Branche genannt werden. Seit er vor fünf Jahren mit dem Engländer Peter Cowan einen Coach für das „kurze Spiel“ verpflichtete, demonstriert er von Jahr zu Jahr mehr Feingefühl bei den kurzen Annäherungsschlägen (Chips und Pitches) zum Grün.

          Die Fähigkeit, sich auch aus misslichen Lagen zu befreien, hilft vor allem bei den Majors, die an die Präzision höhere Anforderungen stellen als gewöhnliche Tour-Turniere. „Als ich mit ihm angefangen habe, war sein kurzes Spiel auf einer Skala von eins bis zehn bei eins. Jetzt ist es bei fünf oder sechs. Es gibt noch jede Menge Raum für Verbesserung“, sagt Cowan. „Brooks schlägt den Ball unheimlich weit und gerade. Vor allem aber kennt er keine Furcht“, nennt der Golflehrer aus Yorkshire die Vorzüge seines Schützlings, den er zusammen mit Schwungcoach Claude Harmon betreut.

          Koepka macht kein Hehl aus seiner Überzeugung, jedes Major gewinnen zu können: „Es gibt immer nur eine Handvoll Spieler, die ich bei einem Major schlagen muss.“ Man mag das als Arroganz werten, vielleicht aber ist es auch nur Ausdruck seines unerschütterlichen Selbstbewusstseins. Irgendwie hat Koepka das Geheimnis gelöst, wie man bei den Saisonhöhepunkten erfolgreich spielt. In Portrush hat Koepka noch einen weiteren Trumpf in der Tasche. Oder besser: Er trägt ihm die Tasche. Sein Caddie Ricky Elliott wuchs in dem Seebad an der Nordküste von Nordirland auf, hat als Amateur viele Runden auf dem spektakulären Platz gespielt. Die Frage, bei wie vielen Schlägen ihm sein Caddie mit seiner Platzkenntnis geholfen habe, beantwortete Koepka am Donnerstag kurz und knapp: „Bei allen 68. Es wäre doch eine tolle Geschichte, wenn ich mit ihm in Portrush gewinne. Dann wird er hier vielleicht zu einer Legende.“

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