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Britta Steffens Rückzug : Eine Formkrise, die ratlos macht

Abgang: Britta Steffen verlässt die Bühne – nach dem völlig missglückten Auftritt Bild:

Britta Steffen steht selbst vor einem Rätsel: Die Olympiasiegerin erfüllt auch im Vorlauf über 100 Meter Freistil ihre Ansprüche nicht mehr und gibt auf. Sie tritt bei der WM in keinem Rennen mehr an, auch nicht in der Staffel. Die Kritik bleibt nicht aus.

          Es war eine zweite Chance für Britta Steffen, die Möglichkeit zu einem Neustart in eine Schwimm-WM, die für sie schlimm begonnen hatte. In der 4×100-Meter-Freistil-Staffel am Sonntag war sie weit unter ihren Ansprüchen geblieben. Im Vorlauf schwamm sie 54,86 Sekunden, aber das habe „null zu bedeuten“, sagte sie, im Finale am Abend gebe es kein Pokern mehr. Im Finale am Abend schwamm sie dann 54,51 Sekunden, und Britta Steffen wusste „Das ist keine Zeit“, nicht für sie jedenfalls.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Seither herrschte Sorge im Deutschen Schwimm-Verband (DSV), dass die Doppel-Olympiasiegerin 2008 und Doppel-Weltmeisterin 2009 womöglich in ernsthaften Schwierigkeiten stecken könnte. Doch noch am Mittwoch berichtete Bundestrainer Dirk Lange, dass die Berlinerin zuletzt einen hervorragenden Eindruck gemacht habe, dass „die Formkurve nach oben geht“. Alles war bereitet für die zweite Chance der Britta Steffen.

          Und dann, im Vorlauf über 100 Meter Freistil am Donnerstag, diese Zeit: 54,86 Sekunden. Genau so schnell wie im Vorlauf der Staffel. Es war Platz 16, die Zeit hätte gerade so gereicht, um das Halbfinale zu erreichen. Doch darum ging es für Britta Steffen längst nicht mehr. Die Zeit war eine Enttäuschung, eine weitere Enttäuschung, und sie bedeutete für Britta Steffen zugleich die Erkenntnis, dass für sie bei dieser WM in Schanghai mehr einfach nicht möglich sein würde - Trainingseindrücke hin oder her.

          Abgetaucht: Steffen im Becken von Schanghai

          Kurz darauf verkündete ihr Heimtrainer Norbert Warnatzsch mit steinerner Miene und in dürren Worten: „Wir müssen Britta Steffen nicht weiter ins Rennen schicken, wenn wir wissen, dass es nicht besser geht. Sie ist angetreten, hat sich gezeigt, und damit bewiesen, dass sie nicht kneift. Aber jetzt ist es an der Zeit, Britta zu schützen. Sie wird keine Wettkämpfe mehr hier bestreiten.“ Im Klartext: Britta Steffen wird sowohl auf die Titelverteidigung über 100 und 50 Meter Freistil verzichten, als auch für die Lagenstaffel nicht zur Verfügung stehen.

          Steffen: „Ich bin gut drauf, aber kann es nicht zeigen“

          „Ich habe mir sehr große Mühe gegeben, dass es besser wird als in der Staffel, habe alles gegeben, was drin war“, sagte Britta Steffen. Aber es wurde nicht besser. Im Gegenteil. Warum das so war, konnte sie sich nicht erklären. „Ich war in einer Super-Form, hatte ein gutes Gewicht, habe mich bombig entwickelt, was Ausdauer und Kraft betrifft, ich war sehr zuversichtlich, habe mit meiner Mentaltrainerin gearbeitet“, sagte der 27 Jahre alte Schwimmstar. Doch all die Anstrengungen, die sie bis zuletzt unternahm, halfen nichts - im Wettkampfbecken verpufften sie spurlos. „Britta Steffen muss jetzt lernen, dass man super vorbereitet sein kann, es aber trotzdem nicht funktioniert“, formulierte die Berlinerin in eigenartiger Diktion. Im Kern hieß das: „Ich bin gut drauf, aber kann es nicht zeigen.“ Und eventuell als Fünfzehnte im WM-Halbfinale ausscheiden, das wollte sie sich offenbar nicht antun. Deshalb würde sie jetzt „gerne erst einmal die Augen zumachen, die Ohren zumachen und dann noch einmal auf das Rennen zurückblicken“.

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