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Britta Heidemann im Gespräch : „Ich bin konsequent“

Mal wieder Edelmetall: Britta Heidemann zeigt Silber Bild: dpa

Gerade von der Fußball-WM zurückgekommen, gewinnt Britta Heidemann WM-Silber mit dem Degen. Die Fechterin im Gespräch über Eigenverantwortung und das Prinzip der langen Leine.

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          Eben noch Fußball-WM-Reporterin in Brasilien, jetzt schon WM-Zweite beim Degenfechten in Kasan. Hat Sie der Erfolg der Nationalmannschaft besonders beflügelt?

          Meine Theorie ist, dass natürlich der Trainingszustand stimmen muss, aber eine gute Atmosphäre und dadurch Motivation gehören auch dazu, und das alles war diesmal der Fall – gerade auch dank der Fußball-WM. Ich habe mich am Sonntag vor den Gefechten einfach sehr gut gefühlt, schon als ich aufgewacht bin. Und vorher hatte ich superspannende Wochen in Brasilien, es war toll, als Botschafterin der Bundesliga-Stiftung und als Reporterin fürs ARD-Morgenmagazin die Fußball-WM zu erleben. Auch die letzten zwei Wochen zu Hause im Training sind super gelaufen.

          Konnten Sie in Brasilien im Hinblick auf die eigene WM schon trainieren, oder haben Sie sich ganz auf die verbliebenen 14 Tage verlassen?

          In Brasilien habe ich versucht, so viel wie möglich zu machen, also natürlich nicht Fechten, sondern Fitness. Vor allem Beinarbeit, damit die Fecht-Beinmuskulatur schon mal angeregt ist. Und ich habe mich von Klaus Eder behandeln lassen, denn ich plage mich schon länger mit Achillessehnenproblemen, von daher war das eine ganz gute Symbiose in Brasilien.

          Die anderen Fechterinnen hatten sich ja vermutlich etwas intensiver auf die WM vorbereitet. Glauben Sie, die machen irgendwas falsch im Training, wenn Sie jetzt Ihre eigenen Erfolge gegenüberstellen?

          Also, ich habe ja auch viel Erfahrung in der Hinterhand. Wenn man schon mehrere goldene Medaillen gewonnen hat, wie ich, 2007 bei der WM, 2008 bei Olympia und 2009 bei der EM, dann gibt einem das natürlich unglaubliche Sicherheit für den Hinterkopf. Das ist das Eine. Und das Zweite ist: Ja, ich bin der Meinung, dass diese absolute Fokussierung auf den Sport nicht immer zwingend gut tut – aber auch da ist jeder Sportler anders. Für mich ist Vielseitigkeit genau das, was den Ausschlag macht. Ich bin körperlich verhältnismäßig gut auf der Höhe. Und ich hatte ein sehr gutes inneres Gefühl, das ist das Wichtigste.

          Wenn Sie die Freiheiten nicht hätten, Ihre Vielseitigkeit auszuleben, würden Sie dann aufhören mit dem Fechten?

          Ja, wenn ich deshalb weniger Erfolge gehabt hätte, bestimmt. Aber ich hatte in meinem Sportlerleben unheimlich Glück mit toleranten Trainern. Natürlich ist das auch immer im Zusammenhang mit ersten Erfolgen zu sehen. Als die gemerkt haben, „die Britta macht das ein wenig anders als der Rest, aber es funktioniert“, haben die mich gelassen. Ich bin sehr konsequent beim Training, das wissen meine Trainer. Und wenn ich zu Hause in Köln bleibe und sage, „ich geh laufen“, dann geh ich auch laufen. Was Trainingsfleiß angeht, ist auf mich Verlass, und deshalb lässt man mich an der langen Leine, und genauso hat das jetzt jahrelang funktioniert.

          Erst im letzten Gefecht wird Britta Heidemann von Rossella Fiamingo (l.) geschlagen

          Die meisten Gefechte auf dem Weg zu Silber haben Sie recht knapp gewonnen. Was gab den Ausschlag? Nervenstärke, Können, Glück?

          Ich hatte bei den Gefechten zwischendurch immer schon recht klar geführt, hatte aber immer so ne kleine Schwächephase drin – das könnte man mit meiner Vorbereitungsphase in Zusammenhang bringen –, um dann am Ende aber immer noch den entscheidenden Treffer zu setzen. Ich glaube, ich habe selten so selbstsicher gefochten wie am Sonntag. Auch im Finale hatte ich geführt, aber dann hat meine Gegnerin Rossella Fiamingo sich umgestellt, und im Zusammenspiel damit, dass meine Kräfte immer mehr entfleuchten, hat sie das Ding dann noch gewonnen – auch zurecht.

          Die Fragen stellte Achim Dreis.

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