https://www.faz.net/-gtl-7bdl1

British Open : Grüns wie eine Eisbahn

  • -Aktualisiert am

Trocken und schnell: Wegen nur geringer Wassergaben sind die Grüns flotter als sonst Bild: AP

Herrlicher Sommer? Von wegen - bei den British Open beklagen sich zahlreiche Profis über zu schönes Wetter und störrische Gentlemen. Es gibt aber Ausnahmen.

          Das herrliche Sommerwetter auf der Insel stimmt nicht alle froh. Mögen sich die Briten auch über die längste Schönwetterperiode seit sieben Jahren und den trockensten Juli seit drei Jahrhunderten freuen - für die besten Golfer der Welt, die sich an der schottischen Nordseeküste zur 142. Auflage des ältesten Turniers der Welt versammelt haben, verwandelten Sonne und Wind den Platz in Muirfield in eine golferische Folterkammer. Die Fairways scheinen den Akteuren hart wie Beton, die Grüns keinen Deut weicher. „Die sind wie Glas“, jammerte Sir Nick Faldo, der erstmals seit drei Jahren wieder an einer British Open teilnahm.

          Aber was eigentlich für den heute überwiegend als Fernsehkommentator tätigen Engländer eine nette Reminiszenz an seine beiden British-Open-Siege 1987 und 1992 in Muirfield gedacht war, endet für den einstmals Besten der Welt nach zwei Runden von 79 und 78 Schlägen vorzeitig - ein Schicksal, das er mit den Nummern zwei und drei der Weltrangliste, dem Nordiren Rory McIlroy (154 /79+75 Schläge) und dem englischen US-Open-Sieger Justin Rose (152/75+77) teilte, die am Cut von 150 Schlägen (8 über Par) scheiterten.

          Das ist eine Lotterie

          Selbst der Titelverteidiger Ernie Els, der vor elf Jahren auf diesem Platz den ersten seiner zwei British-Open-Siege gefeiert hatte, beantwortete nach zwei Runden von je 74 Schlägen und Platz 49 nur mürrisch Fragen: „Der Platz ist hart. Er ist braun. Der Ball springt überall hin. Es ist schwer den Ball zu kontrollieren. Es ist ein harter Kampf. Der Platz ist grenzwertig.“ Können die Organisatoren etwas tun, um den Platz besser zu gestalten? „Wasser“. Marcel Siem aus Ratingen ließ nach zwei Runden von 75 und 76 Schlägen und dem auf Platz 86 um einen Schlag verpassten Cut richtig Dampf ab: „Das ist eine Lotterie.“

          Diskussionsthema Wetter: Es ist zu schön bei „The Open“

          Aber selbst die, die einigermaßen ungeschoren über die ersten beiden Runden kamen, hatten ihre liebe Müh’ und Not. „Heute kam der Wind aus einer ganz anderen Richtung“, sagte Woods am Freitag „und die Grüns wurden im Verlauf der Runde immer schneller. Da war es schwer, den Ball mit dem richtigen Tempo auf den Weg zu schicken.“ Der Weltranglistenerste lag bei Halbzeit mit 140 (69+71) Schlägen als Zweiter gemeinsam mit dem Engländer Lee Westwood, dem Schweden Henrik Stenson sowie dem Amerikaner Dustin Johnson (alle 140) in Lauerstellung - nur einen Schlag hinter dem Überraschungs-Spitzenreiter, dem 49 Jahre alten Spanier Miguel Angel Jimenez (139/68+71).

          “Die Grüns sterben und die Löcher sind am Rande der Grüns und dann auch noch auf Erhebungen. Es ist unmöglich, den Ball dort zu stoppen“, schimpfte der Amerikaner Phil Mickelson, der am Freitag nach vier Putts auf dem 16. Grün auf den elften Platz zurückfiel. Er hatte die Organisatoren vom Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews (R&A) vergeblich aufgefordert, ihr Ego zu vergessen und den Platz durch etwas Wasser und eine vernünftige Lage der Löcher spielbar zu gestalten. Aber solche Kritik stößt auf taube Ohren. „Der Platz ist weit davon entfernt, unspielbar zu sein. Er ist endlich einmal wieder so, wie wir uns einen Links Course wünschen, hart und schnell“, sagte Peter Dawson, der CEO des R&A, „aber natürlich hören wir die Kommentare der Spieler.“

          Was aber nicht heißt, dass sie sich von Kritik beeindrucken lassen. Über Nacht wurden die Grüns vor der zweiten Runde am Freitag von Hand ein bisschen von Hand gewässert. Die Fairways hingegen bekamen keinen einzigen Tropfen Wasser spendiert.

          Keinen Tropfen Wasser

          Durch diese spärliche Wassergabe seien die Grüns so „schnell“ wie in Augusta, dem Platz, auf dem alljährlich das Masters ausgetragen wird - nur, dass im amerikanischen Bundesstaat Georgia der Wind selten so bläst wie an schottischen Gestaden. Das machte es für die Spieler an Löchern mit Rückenwind fast unmöglich den Ball auf den Grüns zum Stoppen zu bringen. Aber die Kunst besteht bei Links Golf, also dem Spiel auf den Küstenplätzen in den Dünen der britischen Inseln, all diese Faktoren zu berücksichtigen und den Ball notfalls 30, 40 Meter vor dem Grün landen zu lassen.

          Der Nordire Graeme McDowell, der auf dem Links Courses von Royal Portrush in Nordirland das Spiel erlernte, sagte: „Der Platz ist nicht unfair, aber wenn man den Ball nicht an die richtige Stelle spielt, hat man keine Chance. Die Grüns sind wie eine Eisbahn.“ Auch Martin Kaymer aus Mettmann, der nach mit 146 (72+74) Schlägen auf dem 34. Platz lag, bezeichnete den Platz zwar als unglaublich schwer, aber dennoch als fair: „Hier gewinnt, wer die besten Schläge macht.“ Der Amerikaner David Duval, der British-Open-Sieger von 2003, musste auch in diesem Jahr vorzeitig abreisen, hatte für die schimpfenden Kollegen aber nur einen Satz übrig: „Hört endlich auf, zu jammern!“

          Weitere Themen

          Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho Video-Seite öffnen

          Transfer-Neuzugang : Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho

          Auf dem Spielfeld während des Trainings suchte man ihn noch vergebens. Der FC Bayern hatte aber bestätigt: Er und der FC Barcelona haben grundsätzlich eine Einigung über einen Transfer von Philippe Coutinho nach München erzielt.

          Topmeldungen

          Zweifelhaftes Manöver: CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer

          Streit zwischen AKK und Maaßen : Selbstdemontage einer Volkspartei

          Der Streit zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Hans-Georg Maaßen ist zwei Wochen vor den Wahlen in Ostdeutschland das Dümmste, was der CDU passieren kann.

          Bundesliga im Liveticker : Dortmund dreht auf – Bayer wieder vorne

          Bis zur Pause hält Augsburg ein 1:1 in Dortmund – doch nach Wiederanpfiff ist die BVB-Offensive nicht mehr zu halten. Zwei Aufsteiger drohen hingegen mit einer Niederlage in die Saison zu starten. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.
          Wer klug umschuldet, hat womöglich schneller als der Nachbar wieder Geld für den neuen Anstrich.

          Die Vermögensfrage : Umschulden macht Spaß

          Die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor. Davon können mehr Leute profitieren als gedacht. Wer einen alten Baukredit hat, spart besonders viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.