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Zehnkampf-Meeting in Götzis : Perfekte Symbiose bei den Eatons

  • -Aktualisiert am

Sie schwitzt, er coacht: Brianne Theisen-Eaton und Aston Eaton Bild: dpa

Eigentlich wollten Ashton Eaton und seine Frau Brianne Theisen-Eaton beim Mehrkampf-Meeting in Götzis einen Doppelsieg feiern. Es kommt anders – und doch sind am Ende beide glücklich.

          Es soll Ehepaare geben, die sich beim gemeinsamen Sporttreiben in die Haare bekommen. Weil er alles besser weiß, weil sie sich nichts sagen lassen will oder weil Männer und Frauen eben nicht zusammenpassen. Ashton Eaton und Brianne Theisen-Eaton beweisen das Gegenteil: Beide sind Leichtathleten, beide sind Mehrkämpfer. Und sie treten als perfekte Symbiose auf – der dunkelhäutige Amerikaner und die blonde Kanadierin. „Es ist etwas sehr Spezielles“ sagt sie. „Wir sind uns immer sehr nah“, beteuert er.

          An der Universität haben sie sich kennengelernt, 2013 schließlich geheiratet. Da war er schon Olympiasieger und die Leitfigur in der Zehnkampfszene. An diesem Wochenende aber war Brianne Theisen-Eaton der Star der Familie: Die 26-Jährige gewann beim Traditions-Meeting in Götzis den Siebenkampf der Frauen mit neuer persönlicher Bestmarke von 6808 Punkten vor Carolin Schäfer (TV Friedrichstein/6547) und der Niederländerin Nadine Broersen (6531). Flankierend unterstützt wurde Brianne Theisen-Eaton dabei nicht nur von ihrem Coach Harry Marra, sondern auch vom Weltmeister und Weltrekordhalter – ihrem Ehemann.

          Am ersten Wettkampftag gelangen der 1,80 Meter großen Athletin mit 1,89 Meter im Hochsprung und 23,34 Sekunden über 200 Meter zwei persönliche Bestleistungen. Ashton Eaton unterstützte sie mit technischen Tipps und aufmunternden Gesten und trug ihr am Abend den Sportkoffer aus dem Stadion. Vorher hatte es Spekulationen gegeben, dass das multibegabte Ehepaar an diesem Wochenende sogar einen Doppelsieg feiern könnte. Er hatte zudem mit einem neuen Weltrekord spekuliert, was bis zu 80.000 Euro eingebracht hätte; Prämien für Stadion- und Weltrekord sowie diverse Einzelerfolge inklusive. Meetingdirektor Christoph Kathan hatte die Veranstaltung sicherheitshalber gegen den Weltrekord versichert.

          Schon eine Woche vor dem Meeting waren die Eatons aus Nordamerika nach Vorarlberg gereist, um sich zu akklimatisieren. Und um die Begeisterung, die ihnen hier entgegengebracht wurde, zu genießen. Mit Schülergruppen trainierten sie Standweitsprung, Ballwurf, Hindernislauf. Kids & Fun heißt das Programm. Und es war bald nicht mehr zu unterscheiden, ob die Kinder oder die Stars mehr Spaß daran hatten.

          „Ich habe sehr mit ihm gelitten“

          Am Freitag präsentierten sie sich mit anderen Mehrkämpfern im Gemeindezentrum – und genossen den Auftritt bei Blasmusik und Autogrammstunden. „Hier werden wir umjubelt, in Amerika kennt uns niemand“, sagen beide übereinstimmend, und das, obwohl sie sogar in Eugene wohnen, dem Herzstück der amerikanischen Leichtathletik.

          Dann kam der kleine Schock am Morgen. Eaton stellte sich am Samstag um halb elf in der Früh mit beeindruckender Größe vor das erwartungsfrohe Publikum und verkündete seinen Rückzug vor dem ersten Startschuss: der Rücken. Sorry. Noch am Vorabend hatte der 27-Jährige keinerlei Anzeichen erkennen lassen, irgendwie gehandicapt zu sein. Aber es gehe wirklich nicht. „Ich habe sehr mit ihm gelitten“, sagte Brianne mitfühlend.

          „Wir werden uns gegenseitige Energie geben“

          Sie hatte sich zuvor hingerissen gezeigt von der Vorstellung, endlich einmal gemeinsam mit ihrem Liebsten einen Wettkampf zu bestreiten, was bei großen Meisterschaften sonst nie der Fall ist. „Wir werden uns gegenseitige Energie geben“, hatte sie angekündigt. Nun floss der Energiestrom nur in eine Richtung. Aber wie. Auch in den zweiten Tag startete sie mit einer persönlichen Bestleistung: Balken perfekt getroffen, 6,72 Meter weit gesprungen. Ashton Eaton versuchte gar nicht, seinen Einfluss kleiner zu reden, als es seinem Ego entspricht: „Natürlich ist sie besser, wenn ich dabei bin.“ Zugegeben, vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf wirkte er nervöser als sie auf der Bahn.

          Doch die Frau mit dem Leader-Trikot lief den Gesamtsieg souverän ins Ziel. Es war ihr zweiter Erfolg in Götzis nach 2013 – und brachte 11.000 Euro für die Haushaltskasse. Danach schien Ashton Eaton ergriffen, aber auch wie ein König ohne Land. Seit seinem WM-Sieg 2013 hat er keinen Zehnkampf mehr bestritten. Am Sonntag in Götzis siegten die beiden Deutschen Kai Kazmirek (8462 Punkte) und Michael Schrader (8415). Und nun hat Eaton auch noch eine Königin im eigenen Haus. Schon an diesem Dienstag fliegen die Eatons zurück nach Hause. Zeit, wie andere junge Ehepaare, das alte Europa zu besichtigen, haben sie nicht. Sie müssen trainieren für die WM in Peking. Auch das machen sie gemeinsam. Und es funktioniert.

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