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Breitensport in Corona-Krise : Der bewegte Mensch darbt

Nicht erlaubt: Turnen in der Gemeinschaft. Bild: dpa

27 Millionen Breitensportler leiden unter der verordneten Zwangspause, 90.000 Vereine fürchten finanzielle Verluste. Dabei sei „Tennis sicherer als die Warteschlange im Baumarkt“. Nun tagen die Sportminister.

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          Kein Ball rollt mehr in der Sporthalle des Eimsbütteler Turnvereins. Hüpfseile liegen schlaff im Eimer, Hanteln ruhen auf der Stange. Wo sich sonst täglich bis zu 1500 Leute bei einem der zahlreichen Sportangebote des großen Hamburger Mehrspartenklubs treffen, ist seit Wochen Stillstand eingekehrt.

          Die Büro-Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice, die Trainer haben Zwangspause. Vorstandsmitglied Frank Fechner übt sich in Zeiten der Corona-Pandemie im Krisenmanagement, wie er dem Sport-Informations-Dienst sagte. Dazu gehört die Videoproduktion von Fitnessprogrammen, die den Mitgliedern zugespielt werden, damit sie sich wenigstens zu Hause sportlich betätigen können.

          So wie dem TV Eimsbüttel, der von Aikido über Leichtathletik bis Wasserball normalerweise praktisch alle Disziplinen anbietet, zu denen sich der Mensch bewegen lässt, geht es seit Wochen fast allen 90.000 Sportvereinen in Deutschland. Ihre 27 Millionen Mitglieder sind wegen der allgemeinen Kontaktsperre zu ungewohnter Passivität verdonnert. Nur Joggen und Radfahren sind erlaubt – und dies auch nur alleine oder zu zweit. Der organisierte gemeinschaftliche und somit gesellige Sport ruht weitgehend.

          Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), trägt die Einschränkungen des öffentlichen Lebens mit, die durch die Beschlüsse von Kanzlerin Angela Merkel und der Länderchefs in der vergangenen Woche weiterhin verfügt wurden. Doch auch der Sportfunktionär leidet unter der verordneten Untätigkeit. „Wie wertvoll der Sport in unserem Leben ist und wie stark der Verzicht darauf schmerzt, erleben und spüren wir alle von Tag zu Tag deutlicher“, sagte Hörmann dieser Tage.

          Nicht erlaubt: Kontaktsportart Fußball.
          Nicht erlaubt: Kontaktsportart Fußball. : Bild: Picture-Alliance

          Erklärtes Ziel des DOSB ist es, den Sport wieder ins Laufen zu bringen, wohl wissend, dass dem Land und den Leuten Bewegung gut tut. Der Dachverband hat schon in der vergangenen Woche ein Angebot mit „zehn Leitplanken“ vorgelegt, aus denen hervorgeht, wie sich die Sportorganisation eine Rückkehr in die vormalige Normalität vorstellt. Das Reglement als Handlungsanweisung sieht folgende verbindlichen Punkte vor:

          - Distanzregeln einhalten
          - Körperkontakte auf das Minimum reduzieren
          - Freiluftaktivitäten präferieren
          - Hygieneregeln einhalten
          - Umkleiden und Duschen zu Hause
          - Fahrgemeinschaften vorübergehend aussetzen
          - Mitgliederversammlungen und Feste unterlassen
          - Trainingsgruppen verkleinern
          - Angehörige von Risikogruppen besonders schützen
          - Risiken in allen Bereichen minimieren








          Die Vorteile lägen für den DOSB auf der Hand: Die Menschen stärkten durch Bewegung ihr Immunsystem, sie fänden einen Ausgleich in schwierigen Zeiten und soziale Bindungen würden wieder aktiviert. Zudem könnte sich der autonom organisierte Sport durch die Wiederaufnahme seines Sportbetriebs auch wieder eher selbst finanzieren.

          Zwar leidet der Breitensport nicht vergleichbar wie der Spitzensport an fehlenden Einnahmen, da zum Beispiel der Faktor Fernsehgelder keine Rolle spielt. Doch durch abgesagte Veranstaltungen und fehlende Kurs- und Trainingsgebühren sind auch hier vergleichsweise hohe finanzielle Verluste zu erwarten. Wie hoch diese ausfallen, ist derzeit allerdings noch nicht abschätzbar.

          Nicht erlaubt wegen zu großer Nähe: Tanzsport.
          Nicht erlaubt wegen zu großer Nähe: Tanzsport. : Bild: ddp

          Denn wie gut Turn- und Sportvereine aus der Corona-Krise kommen, hängt auch davon ab, wie es um ihre Kostenstruktur bestellt ist. Der Kölner Sportökonom Christoph Breuer erklärte diesbezüglich gegenüber dem Handelsblatt: „Ehrenamt macht immun.“

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          Kleine Vereine, die ihre Sportangebote selbst stemmen, tragen ein geringeres Risiko als Großvereine mit mehr als tausend Mitgliedern. Die müssen tendenziell eher auf Honorartrainer zurückgreifen, um attraktive Angebote durchführen zu können und diese sind derzeit das schwächste Glied in der sportlichen Kette. Trainer sind häufig auf Sportarten spezialisierte Solo-Selbständige, die ihre Leistungen den Vereinen in Rechnung stellen – und derzeit in der verordneten Zwangspause auf ihre Einnahmen verzichten müssen. Als Stützen des Systems können die Vereinsmitglieder herhalten, sofern sie ihre Beiträge weiter bezahlen, auch wenn sie dafür keine Gegenleistungen erhalten können.

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