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Breakdance in Vollendung : Körper gewordene Musik

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Balanceakt auf einer Hand
Balanceakt auf einer Hand : Bild: dpa

Breakdance ist in erster Linie Tanz. Ist er perfekt, geht der Sport, die Akrobatik, in der Musik auf. Es gibt verschiedene Stile. Es gibt athletische Power-Mover wie Lil Amok, einen der „Flying-Illusion“-Stars, kraftstrotzende Muskelpakete, denen auch Weltklassekunstturner wie Fabian Hambüchen höchsten Respekt zollen, es gibt die geschmeidig-eleganten Popping- und Locking-Spezialisten, es gibt die Flexiblen, die ihre Körper verrenken können wie Zirkusartisten.

Der Geist des Breakdance ist der Wettkampf, das „Battle“. Eins gegen eins, Gruppe gegen Gruppe. Das ist so, seit der Straßentanz Ende der Sechziger zwischen schwarzen und puerto-ricanischen Jugendlichen im New Yorker Stadtteil Bronx aufkam. Lil Amok, der aus dem Kosovo stammt, in Celle aufgewachsen ist und mit bürgerlichem Namen Adnan Dushaku heißt, hat als Kind Fußball gespielt, aber schon mit acht Jahren ist er zum Breakdance gekommen, mit neun hat er sein erstes „Battle“ gewonnen. Er ist ein Star der Szene, sein Youtube-Video „2 hard 2 bite“ hat im Internet mehr als eine Million Klicks. Der 23-Jährige hat bei Breakdance-Weltmeisterschaften für Deutschland getanzt und in mehreren Tanztheaterproduktionen mitgespielt, für „Flying Illusion“ hat er ein Engagement in Brasilien abgesagt. Vier Mal die Woche trainiert er, immer auf der Suche nach neuen Sensationen. Breakdancer gehen selten in Krafträume, sie tanzen einfach, proben Tricks, entwickeln Neues - und dabei auch Kraft und Körperkontrolle. Adnan Dushaku trainiert noch heute am liebsten in der „CD-Kaserne“, einem Celler Jugendzentrum, dort, wo er mit acht Jahren mit dem Breakdance begann.

Extrem austrainiert

Verletzungen sind ein Problem. Zwar sind die Tänzer extrem austrainiert, aber weil es zu ihrem Selbstverständnis gehört, immer wieder Neues zu probieren, immer schwierigere Tricks und Moves, müssen sie sich bei einer Großproduktion wie „Flying Illusion“ ein Stück zurücknehmen. Es geht darum, Verletzungen zu vermeiden, denn für die Hauptakteure auf der Bühne gibt es keine Zweitbesetzung. Fallen sie aus, fallen die Vorstellungen aus. Schon eine einzige Zerrung gefährdet das große Ganze. Deshalb, sagt Bassil, sei es wichtig, dass die Tänzer auf „Risiko-Moves“ verzichten. Sie wurden während der Proben nach und nach aus dem Programm gestrichen.

Biegsam wie eine Zirkusartistin
Biegsam wie eine Zirkusartistin : Bild: dpa

Aus der Subkultur der Jugendklubs haben sich die Flying Steps zu einem florierenden Unternehmen mit 15 Mitarbeitern und 30 Spitzentänzern entwickelt. Seit 2007 betreiben sie eine Tanzschule in Kreuzberg, 2013 zogen sie damit in neue Räume am Moritzplatz, 700 Quadratmeter groß ist die Flying Steps Academy seither. Mit „Flying Bach“ tanzten sie anfangs in Hallen mit 300, 400 Plätzen, an außergewöhnlichen Orten wie dem Bundestag in Bonn oder der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Jetzt, mit „Flying Illusion“, werden die Hallen größer, bis zu 4000 Zuschauer finden darin Platz. Und Bassils Ziel ist ambitioniert: „Wir wollen nach Las Vegas.“ In die amerikanische Unterhaltungs-Metropole war er vor dem Start des „Illusion“-Projektes gereist, hatten die großen Shows angeschaut und war mit der Erkenntnis nach Berlin zurückgekehrt: „Die kochen auch nur mit Wasser.“

Die besten Breakdancer der Welt

Die neue Show läuft parallel zum Erfolgsstück „Flying Bach“. Zwei Tänzer aus der ersten Produktion, Benny und Lil Rock, sind bei der neuen dabei, die anderen neun sind neu hinzugekommen. Bassil hat sie im letzten Sommer nach Berlin geholt, Wohnungen angemietet, dann begannen die Proben. Ein Casting gab es nicht. „So etwas brauchen wir nicht“, sagt Bassil. „Wir kennen die besten Breakdancer der Welt seit vielen Jahren.“ Die Szene ist eine große Familie. Die Neuen kommen aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Portugal, Griechenland, dem Kongo, Mazedonien, dem Kosovo. Sie haben Verträge für ein halbes Jahr, dann will man sehen, ob die Produktion, die nach Berlin Station in Frankfurt, Köln, Oberhausen, Stuttgart und Hamburg macht, auf den Spuren von „Flying Bach“ auf Welttournee geht. Nach den umjubelten Auftritten in Berlin sieht es ganz danach aus. Es geht weiter voran. Von Kreuzberg in Richtung Las Vegas.

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