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Braucht der Staat Medaillen? : Es überlebe der deutsche Sport

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Der deutsche Sport soll strahlen - aber wer steuert und finanziert? Bild: picture-alliance/ dpa

Der Spitzensport steckt in einer Identitätskrise. In Deutschland führt das zu einem verstärkten Interesse an den Fragen, wer ihn steuert, wer ihn finanziert - und ob es Aufgabe des Staates sein kann, sich für Medaillen im professionalisierten Sport stark zu machen. Denn die Funktionäre haben es schwer.

          In Berlin erzählt man sich mit einer Mischung aus Vergnügen und Unverständnis davon, wie vor ein paar Wochen Volker Kauder den deutschen Sport abgewatscht hat. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion empfing die Spitzen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die mit ihm über die Aufnahme des Sports als Staatsziel ins Grundgesetz reden wollten.

          Die CDU lehnt dieses Ansinnen, im Gegensatz zu SPD, FDP und auch Grünen, rigoros ab. Kauder nahm sich nicht viel Zeit, bevor er die Sportfunktionäre, unter ihnen der Parteifreund und DFB-Präsident Theo Zwanziger, wie lästige Kleinlobbyisten wegschickte. Eigentlich ist es der Sport hierzulande noch gewohnt, als wichtiger gesellschaftspolitischer Faktor hofiert zu werden, ob von der Kanzlerin oder vom Bundespräsidenten, die bisweilen mit Fanschal um den Hals auf der Tribüne mitjubeln.

          Im Wintersport wird vom „Staatssport“ gesprochen

          Der von FDP-Mitglied Thomas Bach geführte DOSB steht für fast 28 Millionen Mitgliedschaften in rund 90.000 Sportvereinen; der DFB bezeichnet sich mit seinen etwa sechseinhalb Millionen Mitgliedern als größter Sportfachverband der Welt; und der deutsche Staat ist - aus den Etats verschiedener Ministerien - mit Aufwendungen von weit mehr als hundert Millionen Euro jährlich der größte Sportförderer. Gerade im Wintersport wird schon von einem „Staatssport“ gesprochen, weil so viele der der erfolgreichen Athleten Angehörige von Bundeswehr, Bundespolizei oder Zoll sind.

          Watschte den deutschen Sport ab: Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

          Was vor den Olympischen Spielen von München 1972 als Reaktion der Bundesrepublik auf die Erfolge der „Staatsamateure“ aus der DDR begann, ist aus dem deutschen Sport nicht mehr wegzudenken. Bei den Spielen 2000 in Sydney erschienen Athleten erstmals bei Siegerehrungen in Uniform. Achtzig Prozent der Winter-Olympiamannschaft von Turin 2006 waren bei Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll angestellt.

          In London 2012 soll es wieder aufwärtsgehen

          Der Deutsche Olympische Sportbund ist noch keine zwei Jahre alt. Anstoß für die Verschmelzung der Nachkriegsorganisationen Deutscher Sportbund (DSB) und Nationales Olympisches Komitee (NOK) war der befürchtete Sinkflug deutscher Spitzensportler bei Olympischen Spielen: Platz sechs im Medaillenspiegel 2004 in Athen. In Peking könnte es mit viel Glück noch für einen Platz unter den ersten zehn reichen. In vier Jahren in London soll es angeblich wieder aufwärtsgehen.

          Weil, so heißt es, ein Dachverband schneller und besser agieren könne als zwei parallel arbeitende, mitunter gar konkurrierende Apparate. Als am 20. Mai 2006 die beiden Organisationen zusammenfanden, waren in der Öffentlichkeit immens hohe, gerade im Leistungssport schwer zu erfüllende Erwartungen an den neuen Sportbund geweckt worden. Deshalb ist die Fusion der in rund fünf Jahrzehnten nebeneinander entwickelten Strukturen im gemeinsam von NOK und DSB genutzten Haus des Sports in Frankfurt auch längst nicht vollendet.

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